Fand wegen nicht ausreichender Kita-Plätze in Bruchköbel in die Politik: die Bundestagsabgeordnete Katja Leikert (CDU). Foto: Pompalla

Bruchköbel

Bundestagskandidaten im Porträt: Die CDU-Kandidatin Katja Leikert

Bruchköbel. Katja Leikert fand über die Suche nach einem Kita-Platz in die Politik. Heute sagt sie: "Alles ist irgendwie politisch". In der kommenden Legislaturperiode will die CDU-Bundestagsabgeordnete wieder ins Parlament einziehen. Wir haben sie beim Wahlkampf-Heimspiel auf dem Bruchköbler Wochenmarkt getroffen.

Von Hannah Pompalla

Reges Marktreiben herrscht in der Altstadt von Bruchköbel. Es ist Wochenmarkt, und auch die Bundestagsabgeordnete Katja Leikert (CDU) mischt sich unter die vielen Passanten. Sie ist jedoch nicht zum Einkaufen hier – zumindest nicht nur. An einem Stand präsentiert sie sich den Bürgern, spricht mit ihnen. Schließlich ist Wahlkampf – und Leikert will wiedergewählt werden. Die Menschen kommen auf sie zu, der Umgang ist herzlich. Mit einem adretten blauen Kleid zieht sie viele Blicke auf sich, Frisur und Make-up sitzen perfekt – die stilbewusste zweifache Mutter weiß, sich in Szene zu setzen.

Elterninitiative für den Ausbau von BetreuungsplätzenDoch für die Christdemokratin, die in Neustadt an der Weinstraße geboren wurde, ist es heute ein Heimspiel: Seit 2008 wohnt sie in Bruchköbel. Hier hat sie ihren Weg in die Politik gefunden. „Politisch interessiert war ich schon immer“, sagt Leikert, die nach ihrem Abitur am Kreuzburg-Gymnasium – 1988 waren ihre Eltern nach Großauheim gezogen – in Frankfurt Politologie studiert und über die US-Sicherheitspolitik gegenüber Iran und Nordkorea promoviert hat.

Sie forscht und lehrt an der TU Kaiserslautern zu Internationalen Beziehungen, ist aber selbst noch nicht politisch aktiv. Dies soll sich erst mit der Geburt ihrer ersten Tochter Hanna und nach dem Umzug nach Bruchköbel ändern. „Als ich mich bei der Stadt nach Betreuungsmöglichkeiten erkundigte, sagte man mir, ich sollte doch lieber mit dem Kind zu Hause bleiben. Das war nicht die Antwort, die ich hören wollte.“ Fortan setzt sich Leikert in einer Elterninitiative für den Ausbau von Betreuungsplätzen ein – auch heute ist die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf für sie ein zentrales Thema.

Engagement in der Frauen-UnionDenn auch sie selbst muss einen Balanceakt bewältigen, der viel Organisation erfordert. „Natürlich finden das die Kinder nicht schön, wenn ich so viel unterwegs bin. Das funktioniert auch nur so gut, weil ich einen sehr aktiven und liebevollen Mann habe“, erklärt die 42-Jährige. Auch einen Hortplatz zu finden, beschreibt sie als „ständigen Krampf“. Alleinerziehende hätten es besonders schwer, sie müssten gestärkt werden.

Durch ihr Engagement in der Frauen-Union nähert sich Leikert der CDU an, in ihrer Elternzeit folgt ein Praktikum beim CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Tauber in Berlin. 2012 tritt sie in die Partei ein. „Die Präferenz war schon immer vorhanden. Ich bin auch im katholischen Milieu aufgewachsen“, erklärt sie.

Mentor TauberLeikert findet in Tauber fortan einen Mentor, einen, der ihr den Weg ebnet. So unterstützt er sie hinter den Kulissen bei der Kandidatur zur Vorsitzenden der Frauen-Union Main-Kinzig im Jahr 2013. Hierbei kommt es zum Eklat, da sich Leikert erst kurzfristig zur Kandidatur entschließt, obwohl es mit Steffi Gerk aus Langenselbold bereits eine Amtsanwärterin gibt.Leikert gewinnt, hat das Amt bis heute inne. Später sagt Tauber, er sei gebeten worden, jemanden für das Amt vorzuschlagen, wobei man sich „gemeinsam“ und „zu Recht“ für Leikert entschieden habe: Sie habe die Frauen-Union wieder geeint und gebe „wichtige inhaltliche Impulse“.Mitglied im gesundheitspolitischen Ausschuss In einem Café an der Bruchköbeler Hauptstraße fragt der spätere Generalsekretär die zweifache Mutter schließlich, ob sie für die Bundestagswahl 2013 im Wahlkreis 180 (Hanau) kandidieren wolle. Tauber selbst bewarb sich für das Mandat im neu geschaffenen Wahlkreis 175 (Main-Kinzig – Wetterau II – Schotten).

Die Quereinsteigerin erzielt mit 44,3 Prozent der Erststimmen das beste Ergebnis in ihrem Wahlkreis und zieht in den Bundestag ein. Dort ist sie als Mitglied der CDU/CSU-Fraktion im gesundheitspolitischen Ausschuss unter anderem für die Themen Telematik und Organspende zuständig.

„Einer der schönsten Arbeitsplätze der Welt“Dabei arbeitet sie etwa am sogenannten eHealth-Gesetz mit, treibt also die Digitalisierung des Gesundheitswesen mit voran. Zudem ist sie als stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie im Auswärtigen Ausschuss tätig. Im letztgenannten Ausschuss wirkt sie im Unterausschuss für Abrüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung.„Es ist nach wie vor eine große Ehre für mich, hier zu arbeiten“, sagt Leikert bei unserem Treffen auf dem Bruchköbeler Wochenmarkt. „Es ist einer der schönsten Arbeitsplätze der Welt. Und ich habe früher nicht einmal davon geträumt, hier zu sein.“

Kaum Zeit für HobbiesDie Politik und die Familie nehmen viel Zeit in Anspruch. Für Hobbies ist da kaum Zeit. Wenn sie doch welche hat, joggt Katja Leikert und spielt Tennis. „Aber ich möchte auch gar nicht abschalten“, betont sie. „Alles ist irgendwie politisch, das fängt schon beim Essen an, oder ob es okay ist, unter welchen Bedingungen Frauen in Bangladesch Klamotten herstellen“, erläutert Leikert. „Ich finde es aber gut, dass man sich darüber aufregt – das muss man auch.“

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