Jubel ohne Ende im Bruchköbeler Bürgerhaus: Sylvia Braun (Mitte) konnte beim Blick auf die Ergebnisse auf der großen Leinwand strahlen. Ihre FDP-Kollegin aus Schöneck, Anke Pfeil (rechts) freute sich mit ihr über den Sieg bei der Stichwahl. Braun gewinnt die Bürgermeisterwahl und ist damit die erste Frau an der Spitze der Bruchköbeler Verwaltung. Foto: Mike Bender

Bruchköbel

Bürgermeisterwahl: Sylvia Braun (FDP) gewinnt die Stichwahl klar

Bruchköbel. Der Wahlkampf war spannend bis zum Schluss, der Wahlabend hingegen nicht. Die neue Bürgermeisterin von Bruchköbel heißt Sylvia Braun (FDP). Sie gewann mit 69,77 Prozent der abgegebenen Stimmen ganz eindeutig die Stichwahl gegen ihren verbliebenen Konkurrenten Daniel Weber (CDU).

Von Monica Bielesch„Das ist ein großer Vertrauensvorschuss der Bürger für mich“, freute sich die 47-Jährige, nachdem das Ergebnis der 19 Wahlbezirke – die sie alle mit deutlichem Abstand gewonnen hatte – um 18.40 Uhr feststand und lauter Jubel im Saal des Bürgerhauses aufbrandeten, inklusive stehender Ovationen. „Das habe ich in der Form so nicht erwartet“, sagte die zweifache Mutter, „ich werde nun alles tun, um dem gerecht zu werden.“ Sie dankte in dieser Stunde des Sieges inmitten ihrer jubelnden Helfer, von denen einige sogar Freudentränen vergossen, vor allem ihrer Familie und ihrem Team.

Braun wird am 1. April 2020 die Nachfolgerin von Günter Maibach (CDU). Am 31. März 2020 wird sie in der Stadtverordnetenversammlung offiziell in ihr neues Amt eingeführt. Ihr Mitbewerber Daniel Weber kam bei der Stichwahl auf 30,23 Prozent, die Wahlbeteiligung lag bei 46,93 Prozent. Der sichtlich enttäuschte, aber gefasste Weber gratulierte der Siegerin, nachdem ihn viele seiner Freunde, Verwandten und Helfer tröstend umarmt hatten.

Der Wunsch nach einem Wechsel sei bei den Bürgern zu groß gewesen, konstatierte Weber, der trotz allem nicht ein so eindeutiges Ergebnis erwartet hatte. Ob er auch unter Sylvia Braun Assistent der Bürgermeisterin bleibe? „Ich bin bei der Stadt angestellt und will mich weiter für die Stadt engagieren, alles weitere müssen Gespräche mit Frau Braun zeigen.“

Enttäuschung bei Weber

Aus seiner Enttäuschung keinen Hehl machte der CDU-Landtagsabgeordnete Max Schad, der Weber im Wahlkampf stark unterstützt hatte. „Ich bin sehr, sehr enttäuscht, weil ich dachte Daniel Weber hat realistische Chancen. Das ist bitter.“ Zwar sieht er bei der Kreis-CDU keine Mit-schuld am schlechten Abschneiden des christdemokratischen Kandidaten, aber die CDU hätte es nicht geschafft ein geschlossenes Bild abzugeben.

„Dafür sind wir jetzt abgewatscht worden.“ Günter Maibach, dessen politischer Ziehsohn Weber ist, meinte: „Daniel Weber hat sich nichts vorzuwerfen. Aber die Stimmung bei den Bürgern ist wie sie ist.“ Die CDU-Bundestagsabgeordnete Katja Leikert kündigte an, dass die Kreis-CDU nun mit der Bruchköbeler CDU in die Analyse der Wahlschlappe gehen müsse. Aber die CDU-Bruchköbel müsse sich keinen Vorwurf machen, so die CDU-Kreisvorsitzende, schließlich sei die Partei nicht dafür verantwortlich, wenn sich unabhängige Kandidaten aufstellen lassen. Und ein bisschen konnte sie dem Wahlsieg Brauns auch etwas Gutes abgewinnen. „Es ist ein Stück weit gut, dass eine Frau Bürgermeisterin geworden ist“, so Leikert.

Und diese Stimmung war bei den vielen Bürgern, die an diesem Wahlabend offensichtlich ins Bürgerhaus gekommen waren, um Sylvia Braun zu unterstützen, sehr gut. Die Schlange der Gratulanten wollte nicht abreißen, Braun musste viele Hände schütteln und Selfies mit jubelnden Anhängern machen. Einer der ersten Gratulanten war Uwe Ringel, Fraktionsführer der Grünen im Stadtparlament. „Wir haben in der Opposition schon immer gut und konstruktiv mit der FDP zusammengearbeitet“, sagte Ringel. Er erwartet nach dem Wahlsieg Brauns, dass nun ein anderer Arbeitsstil in die Bruchköbeler Kommunalpolitik einzieht. „Dass Beschlüsse des Parlaments nun besser umgesetzt werden, darauf können wir bei Sylvia Braun vertrauen“, so Ringel, der es nicht in die Stichwahl geschafft hatte.

„Konstruktive Zusammenarbeit“

Die SPD hatte sogar schon eine schriftliche Pressemitteilung vorbereitet. Die Sozialdemokraten gratulieren Braun darin und hoffen auf eine „konstruktive Zusammenarbeit“. Braun stehe nun vor der herausfordernden Aufgabe, „sachbezogen wechselnde Mehrheiten im Parlament geschickt zu koordinieren“.

Für diese Zusammenarbeit im Parlament sah die Siegerin des Abends im eindeutigen Ergebnis ein „gutes Signal“. Schließlich hätten scheinbar viele Anhänger der anderen Parteien am Ende für sie gestimmt.

Braun bedankte sich bei ihrem Konkurrenten für einen fairen Wahlkampf. Ob er auch ihr persönlicher Referent wird? „Das werden wir alles ab dem 1. April sehen“, sagte Braun in ihrer gewohnt ruhigen und verbindlichen Art. Dann werde sie nicht nur Gespräche mit Weber als städtischem Mitarbeiter führen, sondern generell eine Bestandsaufnahme in der Verwaltung machen.

Aber zuerst feierte sie mit Freunden und Helfern im Bürgerhaus nicht nur den Einzug ins Rathaus, sondern auch das Ende eines anstrengenden Wahlkampfes.

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