Freunde werden sie wohl nicht mehr: Fraktionschef Sliwka (links) fühlt sich von Bürgermeister Maibach hintergangen. Archivfoto: Kalle

Bruchköbel

Bürgermeisterwahl 2019: Kandidatenkrimi bei der Bruchköbeler CDU

Bruchköbel. Am Morgen nach der denkwürdigen Kandidatenwahl bei der Bruchköbeler CDU ist bei Thomas Sliwka die Stunde der Emotionen gekommen. Zwölf Jahre nach der letzten Spaltung der Partei stehen die Christdemokraten in Bruchköbel nun wieder vor einem Zerwürfnis.

Von Holger Weber

Am Morgen nach der denkwürdigen Kandidatenwahl bei der Bruchköbeler CDU ist bei Thomas Sliwka die Stunde der Emotionen gekommen. Der Fraktions- und Stadtverbandschef spricht von menschlicher Enttäuschung, von einem Vertrauensbruch.

Zwölf Jahre nach der letzten Spaltung der Partei stehen die Christdemokraten in Bruchköbel nun wieder vor einem Zerwürfnis, nachdem sich der vermeintliche Außenseiter Daniel Weber, der Mann aus der Verwaltung, gegen Sliwka, den Politiker, durchgesetzt hat. Mit 35:34 Stimmen, mit dem denkbar knappsten Ergebnis, das bei 69 anwesenden Mitgliedern überhaupt möglich war. Ein Herzschlagfinale auf dem Weg zur Bürgermeisterwahl, wie es kein Regisseur besser hätte inszenieren können.

Die Versammlung im Bruchköbeler Bürgerhaus hatte unter Ausschluss der Öffentlichkeit in ruhigen Fahrwassern begonnen. Von einer sehr sachlichen, fairen, fast akademischen Atmosphäre erzählen einige, die bei der Sitzung dabei gewesen sind. Sehr kompetent und exzellent vorbereitet hätten beide Kandidaten gewirkt. Sowohl bei der Vorstellungsrunde als auch bei der anschließenden Fragerunde mit den Mitgliedern.

Es droht der Bruch in der Partei

Auf die Frage des Landtagsabgeordneten Max Schad, ob denn beide Kandidaten im Falle einer persönlichen Niederlage den anderen auf dem Weg zur Bürgermeisterwahl unterstützen und sich somit als gute Verlierer erweisen würden, da hatten sowohl Weber als auch Sliwka dem jeweiligen Gegenüber ihre Loyalität bekundet.

Am Morgen danach jedoch ist die Unterstützung des Verlierers für den Gewinner nicht mehr sicher. Mehr noch: Es droht der Bruch in der Partei. Was aber hat den Stimmungsumschwung bewirkt?

Es gab verschiedene Redner bei der Debatte, die sich gleich an die Fragerunde anschloss. Einige sprachen sich für Weber, andere für Sliwka aus. Dann jedoch sind Bürgermeister Günter Maibach und die Erste Stadträtin Ingrid Cammerzell in die Bütt gegangen und haben dem Kandidaten Weber ihr „vollstes Vertrauen“ ausgesprochen. „Das war für mich wie ein Schlag in die Magengrube“, sagt Sliwka.

Parallelen zu Spaltung 2007

Dass Maibach seinen persönlichen Assistenten lieber als seinen Nachfolger sehen würde, war kein Geheimnis. Dass „er jedoch seine gebotene Neutralität als Bürgermeister“ verlässt und sich offen positioniert, das habe ihn hart getroffen, sagt Sliwka. Als Fraktionschef der CDU habe er Maibach immer wieder „den Rücken freigehalten“.

Maibach freilich sieht darin keinen Verstoß gegen das politische Fairplay: „Ich bin schließlich auch Parteimitglied und darf wie alle anderen meine Meinung äußern“, legt der Amtsinhaber seine Sicht der Dinge dar. Er habe sich zunächst nicht zu Wort melden wollen. Doch als Hans Ludwig Wilhelmi, der einstige Fraktionsvorsitzende und Sliwka-Unterstützer, Weber wegen seines frühzeitigen Online-Auftritts als Bürgermeisterkandidat angegriffen habe, da habe er nicht mehr an sich halten können.

Viele sehen in Maibachs Vorstoß deutliche Parallelen zu 2007, als er die Partei schon einmal gespalten hatte und als unabhängiger Kandidat gegen den amtierenden Bürgermeister Michael Roth (ebenfalls CDU) angetreten war. „Maibach geht, wie er gekommen ist, er spaltet und sorgt für Zwist“, meint Sliwka. CDU-Fraktionsmitglied Oliver Gust postete noch in der Nacht nach dem Debakel auf Facebook: „Ich persönlich bin sprachlos, das hat nichts mit dem Kandidaten Daniel Weber zu tun. Es war für die Fraktion ein Schlag ins Gesicht“.

Wie geht es mit Sliwka weiter?

Die Frage ist, wie es jetzt weitergeht. Der Stadtumbau ist in seiner entscheidenden Phase, der Bürgermeister braucht die Stimmen der CDU, um die Pläne voranzubringen. Doch auf die Unterstützung der größten Fraktion könne er nun nicht mehr bauen. „Stand heute“, sagt Sliwka. Er sei jetzt in einer Phase des Sortierens, beschreibt er seinen Gemütszustand.

Ob er als Vorsitzender und Fraktionschef den Hut nehmen werde? „Ein Rücktritt ist keine Option. Stand heute.“ Das müsste er jedoch, wenn er als unabhängiger Kandidat den Hut in den Ring wirft. Sliwka schließt das nicht aus. Und auch die Kandidatur für eine andere Partei nicht. Denn Politik in Bruchköbel sei für ihn schließlich mit Herzblut verbunden.

Dr. Katja Leikert, die Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete, von der einige meinen, sie habe im Hintergrund die Fäden gezogen, bezeichnet solche Gedanken als unsportlich. „So verhalte man sich nur, wenn einem die Partei nichts bedeute“, sagt Leikert im Interview mit unserer Zeitung. Jetzt gelte es doch, nach vorne zu schauen und die Aufgaben gemeinsam zu bewältigen.

In die Richtung blickt auch Daniel Weber, der die nächsten Monate dazu nutzen muss, sich den Bruchköbelern vorzustellen.

Lesen Sie auch den Kommentar von Holger Weber-Stoppacher zur Nominierung von Daniel Weber.

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