1. Startseite
  2. Region
  3. Bruchköbel

Bürgermeister Günter Maibach: Wir müssen das klären

Erstellt: Aktualisiert:

Bürgermeister Günter Maibach (rechts) hat Redebedarf mit dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Thomas Sliwka (Mitte). Beide eint ihre Vorliebe für die Handballer der SG Bruchköbel. (Archivfoto: TAP)
Bürgermeister Günter Maibach (rechts) hat Redebedarf mit dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Thomas Sliwka (Mitte). Beide eint ihre Vorliebe für die Handballer der SG Bruchköbel. (Archivfoto: TAP)

Bruchköbel. Bürgermeister Günter Maibach geht 2018 in sein zehntes Jahr als Verwaltungschef in Bruchköbel.Bisher hat sich der 63-Jährige noch nicht öffentlich dazu geäußert, ob er bei der Bürgermeisterwahl im Jahr 2019 noch einmal antreten wird.

Von Holger Weber

Vergangene Woche wurde bei der Jahreshauptversammlung der CDU Fraktionschef Thomas Sliwka auch zum Ortsverbandsvorsitzenden der CDU bestimmt und von einigen Mitgliedern auch schon als neuer Bürgermeisterkandidat ins Spiel gebracht. Sliwka hat dies im Gespräch mit unserer Zeitung nicht bestätigt, aber dennoch hat die Nachricht für Unruhe gesorgt. Nicht zuletzt beim Amtsinhaber, der auf die vermeintliche parteiinterne Rivalität, die da offenbar erwächst, mit Verwunderung reagierte. Mit unserer Zeitung hat Maibach jetzt über seine persönlichen Pläne gesprochen.

Herr Maibach, macht Ihnen Ihr Job noch Spaß?

„Ja, auf jeden Fall. Ich bin nächstes Jahr zehn Jahre im Amt. In den zehn Jahren hat sich viel getan, viel Positives. Wir arbeiten hier gut im Team zusammen, vor allem mit meiner Ersten Stadträtin, Ingrid Cammerzell.“

Warum wird dann in Ihrer Partei im Hintergrund ein Nachfolger für Sie in Stellung gebracht?

„Das kann ich mir auch nicht erklären. Wir haben es parteiintern überhaupt noch nicht erörtert. Deswegen hat mich die Nachricht auch verwundert. Erstens habe ich mich in der Frage, ob ich wieder kandidiere, noch nicht erklärt. Und ich finde, zweieinhalb Jahre bevor meine Amtszeit endet, ist es auch viel zu früh für eine derartige Diskussion.“

Zum Zeitpunkt der Wahl wären Sie 65. In dem Alter gehen die meisten Menschen in Pension.

„Das könnte ich auch tun. Aber wenn man sich jung und fit fühlt, kann man in diesem Alter auch durchaus noch weitermachen. Wir haben ja jetzt wichtige Projekte wie den Innenstadtumbau angestoßen. Wenn ich in zwei Jahren aufhörte, könnte ich nicht mehr in mein neues Büro im Stadthaus einziehen. Ich denke, ein solches Projekt, das mit sehr viel Verantwortung verbunden ist, sollte man auch bis zum Schluss begleiten.“

Das heißt also, Sie werden 2019 noch einmal für das Amt des Bürgermeisters kandidieren.

„Wie gesagt, das Thema ist für mich derzeit überhaupt nicht akut. Zu einem gegebenen Zeitpunkt werde ich mich dementsprechend äußern.“

Manche sagen, Sie wollten sich mit der neuen Innenstadt ein Denkmal setzen.

„Ich brauche kein Denkmal. Ich habe in meinem Leben schon so viel gemacht und erreicht. Wenn das hier in Bruchköbel alles gut wird und die Leute sich irgendwann über die neue Innenstadt freuen und sagen, das hat der Maibach gemacht, dann ist doch alles gut.“

Halten Sie Thomas Sliwka, den neuen Vorsitzenden und Fraktionschef Ihrer Partei, für geeignet, das Amt des Bürgermeisters zu übernehmen?

„Schwierig zu sagen, er ist immerhin noch ziemlich frisch im Geschäft, auch was die Position des Fraktionsvorsitzenden betrifft. Und es gäbe ja auch noch andere mögliche Kandidaten, die vielleicht Interesse bekunden. Letztendlich muss diese Entscheidung die Partei treffen. Die Mitgliederversammlung ist das oberste Organ.“

Wer kommt als Kandidat in Frage, im Fall dass Sie nicht antreten werden?

„Zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch viel zu früh um hier eine Aussage zu treffen. Da würde man eine Diskussion entfachen, die zu diesem Zeitpunkt nur abträglich wäre. Aber ich denke schon, dass es da Personen gibt, die Interesse hätten. Wenn es dann mehrere Bewerber gibt, muss jeder von ihnen der Partei seine Vorstellungen darlegen, wie er ein Amt führen will, an dem immerhin 300 Mitarbeiter in der Stadtverwaltung hängen. Der Kandidat muss deutlich machen, wie er das Bruchköbel der Zukunft gestalten will.“

Bei der Schaffung eines mit zunächst 180 000 Euro gefüllten Topfs für die Sportförderung ist die Fraktion Sliwka jedoch gefolgt, obwohl Sie, wie Sie sagen, davor gewarnt haben.

„Ja, ich habe die Fraktion davor gewarnt. Das, was der Herr Sliwka da angestoßen hat, hängt uns noch immer an. Es war doch so: Die Vereine waren und sind mit den in vergangenen Jahren erhaltenen Zuschüssen, die sie erhalten haben, zufrieden gewesen. Beim Sportlerheim der SGB-Fußballer habe ich gesagt: Klärt bitte im Vorfeld ab, wie die Finanzierung gesichert ist. Wenn eine Planung vorliegt, dann werden wir sehen, wie wir diese umsetzen können. Aber dann will ich, dass alle Fraktionen eingebunden werden und eine einheitliche Zustimmung erfolgt. Wir müssen alle Vereine gleich behandeln. Von den 100 000 Euro sind im Übrigen ja bisher nur 500 Euro ausgegeben worden. Im neuen Haushalt 2018 habe ich den Posten wieder auf den Ansatz von 2016 gesetzt. Um die Sache wieder zu glätten, hatte ich schon im Frühjahr einen runden Tisch mit allen Fußball-Vereinen einberufen, um die entstandenen Irritationen aus dem Weg zu schaffen.“

Sehen Sie Parallelen zu 2008? Damals hatten Sie den damaligen Bürgermeister Michael Roth in einer Kampfabstimmung abgelöst.

„Nein, das war eine andere Situation, das hatte andere Hintergründe. Das kann man nicht miteinander vergleichen. Ich bin seinerzeit als unabhängiger Kandidat angetreten. Wenn es am Ende mehrere Kandidaten aus einer Partei gibt, sehe ich die Gefahr, dass die Partei Schaden nimmt. Das beste Beispiel ist Gelnhausen, wo drei Bewerber für das Amt des Bürgermeisters aus der SPD kamen. Das hat der Partei dort auch nicht gut getan. Auch bin ich der Meinung, dass es nichts bringt einen externen Kandidaten zu holen.“

Was spricht denn dagegen?

„Ein Bürgermeister sollte in der Stadt gut vernetzt sein. Mit den Vereinen, mit der Feuerwehr, ja, mit den Bürgerinnen und Bürgern allgemein, mit den Kirchen, Geschäftsleuten, mit der Wirtschaft und vielen Organisationen, die in unserer Stadt ansässig sind. Der Bürgermeister muss auch Ansprechpartner, quasi Schnittstelle für Bürgerinnen und Bürger gegenüber der Verwaltung sein. Der Bürgermeister repräsentiert die Stadt Bruchköbel.“

Haben Sie das Gefühl, dass Sie von Ihrer Partei gestützt werden?

„Ja, von allen, insbesondere von meinen Magistratskollegen, dem Stadtverordnetenvorsteher und natürlich auch von der Fraktion sowie der Partei.“

Wie werden Sie jetzt reagieren?

„Wir werden das vorschnelle Handeln natürlich intern klären. Zum jetzigen Zeitpunkt, ist das Thema Bürgermeisterkandidat überhaupt nicht relevant und auch nicht zielführend. Es ist für mich auch ein bisschen irritierend, darauf angesprochen zu werden.

Sie sind jetzt zehn Jahre im Amt. Haben Sie jemals bereut, Bürgermeister geworden zu sein.

„Nein, überhaupt nicht, obwohl der BBB ja schon gleich ankündigte, alles tun zu wollen, dass ich die erste Amtszeit nicht überstehe. Jetzt bin ich schon in der zweiten Amtszeit und habe bei der letzten Wahl bei drei Kandidaten im ersten Wahlgang souverän gewonnen. Die Bürger scheinen doch zufrieden zu sein.“

Die Anfeindungen im Parlament gehen oft ins Persönliche. Stecken Sie das einfach so weg?

„Ich habe schon immer ein dickes Fell gehabt. Ich habe in den zehn Jahren diesbezüglich noch keine schlaflose Nacht verbracht. Und das ist auch gut so.“

Die Opposition wirft Ihnen immer wieder vor, ein Geheimniskrämer zu sein, Informationen nur widerwillig herauszurücken.

„Es gibt halt viele Dinge, die im ersten Schritt nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind, weil sie erst auf einer anderen Ebene besprochen und geklärt werden müssen. Dass die Koalitionsparteien oftmals früher an Informationen kommen, ist doch normal.“

Was sind für Sie die wichtigsten Themen für die Restzeit Ihres Mandats – außer des bereits erwähnten Innenstadtumbaus.

„Ich bin nah an allen Vereinen, kenne die Probleme und Nöte. Hier möchte ich mich weiter einsetzen, um eine gute Vereinskultur in Bruchköbel zu gewährleisten. Aber ich möchte auch, dass die sportreibenden Vereine ihre entsprechenden Plätze in einen guten Zustand bekommen, um auch der Jugendarbeit entsprechend Perspektiven geben zu können. Die Jugendarbeit liegt mir am Herzen. Wir haben jetzt im Haushalt Mittel für einen zweiten Kunstrasenplatz eingestellt, der in Absprache mit den Roßdorfer und Nieder- und Oberissigheimer Fußballvereinen in Niederissigheim gebaut werden soll. Auch der Feuerwehr gilt weiterhin meine ganze Unterstützung, dem Ehrenamt überhaupt, ohne diese wichtigen Bürgerinnen und Bürger würde das alles nicht funktionieren. Das Thema bezahlbarer Wohnraum ist ein Thema, für das ich mich ebenso einsetzen möchte und dabei die Koalition tatkräftig zu unterstützen. Noch ein für mich wichtiges Thema sind, die Finanzen der Stadt Bruchköbel, diese müssen weiterhin auf gesunde Füße gestellt werden und die Altfehlbeträge aus vergangenen Jahren müssen sukzessive abgebaut werden.“

Auch interessant