Bringt viel Erfahrung aus der Wirtschaft mit ins Bruchköbler Rathaus: Andreas Kalski ist seit einem halben Jahr neuer Fachbereichsleiter in Bruchköbel. Foto: Axel Häsler

Bruchköbel

Das ist Bruchköbels neuer Fachbereichsleiter

Bruchköbel. Wenn Andreas Kalski über seinen beruflichen Werdegang erzählt, dauert das eine Weile. Ausführlich zählt er die diversen Stationen in einigen großen Wirtschaftsunternehmen auf.

Von Monica Bielesch

Der Mann, der seit April Fachbereichsleiter in Bruchköbel ist, kann mit viel beruflicher Erfahrung in leitenden Positionen in der freien Wirtschaft punkten – Verwaltungserfahrung hat er allerdings keine.

Der heute 59-Jährige ist gebürtiger Leverkusener. An der Universität in Wuppertal studierte er Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Marketing, Planung und Organisation. Im Otto-Konzern beginnt seine Karriere. Beim Hanauer Schwab Versand ist er anschließend sieben Jahre in leitender Position im Marketing tätig, bevor ihn ein Headhunter für Pitney Bowes abwirbt. Dort ist Kalski für das komplette Callcenter und die Marketing-Abteilung zuständig und hat Personalverantwortung für 150 Mitarbeiter.

Von Bruchköbel aus, wo er mit seiner Frau und den zwei Töchtern seit über 20 Jahren lebt, pendelt er damals täglich nach Heppenheim. „Diese Pendelei wollte ich nach einiger Zeit nicht mehr auf mich nehmen.“ Also folgt der nächste Jobwechsel: Kalski, der seit vielen Jahren dem Lauftreff Bruchköbel angehört, wechselt in den Bereich Merchandising von Viking / Office Depot in Großostheim. „Dort habe ich 150 Millionen Euro Einkaufsvolumen verantwortet.“

"Über den eigenen Tellerrand schauen"

Große berufliche Verantwortungen reizen ihn. „Ich versuche immer Lösungen zu finden, denke auch in der Freizeit über meinen Job nach“, beschreibt er sich. Nach einem kurzen Intermezzo als Interims-Geschäftsführer bei einem französischen Familienunternehmen, kehrt er als Marketingleiter zu einem früheren Otto-Tochterunternehmen zurück. Zuletzt hat er die Umstrukturierung der Verlags- und Buchhandelsfirma Zweitausendeins in Leipzig als Geschäftsführer geleitet.

Auf die Stelle des Fachbereichsleiters in Bruchköbel habe er sich beworben, weil „das etwas ist, was ich schon immer machen wollte“. Der 59-Jährige meint: „Und bis auf die Verwaltungsfachausbildung habe ich alle geforderten Fertigkeiten.“ Schon in der freien Wirtschaft habe er sich beispielsweise als Ausbildungsbeauftragter engagiert und Diplomarbeiten von Studierenden betreut. Die Arbeit mit jungen Menschen und soziales Engagement seien ihm von jeher wichtig gewesen.

Verantwortlich für rund 150 Mitarbeiter

„Ich finde es zudem spannend, über den eigenen Tellerrand zu schauen“, sagt der passionierte Läufer, der beim Lauftreff immer mindestens die Zehn-Kilometer-Strecke absolviert. Marathons ist er auch schon einige gelaufen. „Ich mache den Sport nur, um gesund zu bleiben.“ Auch mit dem Fahrrad ist er gerne unterwegs, aber am liebsten verbringt er seine Freizeit mit Skifahren. „Sport habe ich schon immer gerne gemacht, dabei kriege ich den Kopf frei.“ Dann fällt ihm beim Joggen auch schon mal plötzlich eine Lösung für ein kniffliges berufliches Problem ein. „Es ist ein guter Ausgleich.“

Als Fachbereichsleiter ist er verantwortlich für rund 150 Mitarbeiter, davon alleine über 100 in den acht Kindertagesstätten. In sein Ressort fallen die Jugend- und Seniorenarbeit, der Kulturbereich, die Stadtbibliothek sowie Soziales und Asyl. Nach eigener Einschätzung ist er durch seine beruflichen Erfahrungen gut auf diese Themenvielfalt vorbereitet. Seine Arbeitsweise sei vor allem analytisch und systematisch. „Erfolgsfaktoren und auch Misserfolge werden dokumentiert.“ Und: „Ich will Wissen in der Organisation transparent machen.“

So hat er in den vergangenen Monaten – er ist seit April im Amt – eine gründliche Bestandsanalyse in der Kommune gemacht: beispielsweise bei der Bevölkerungsentwicklung. Kalski scheut auch den Blick in die Nachbarstädte nicht und hat erste Kontakte geknüpft.

Sprechstunden eingerichtet

Aktuell bereitet sein Amt gerade eine Jugend- und Seniorenbefragung vor. „Wir wollen wissen, was wollen unsere Zielgruppen überhaupt“, beschreibt er die Intention der Verwaltung. In den ehemaligen Räumen der Sozialen Dienste am Bürgerhaus sollen Jugendliche Platz finden. Außerdem plane die Stadt dort bis zum Abriss des Gebäudes eine vielfältige Nutzung.

So sollen dort Sprechstunden für Kindertagespflegemütter, Jugendliche und Eltern und Senioren stattfinden und Veranstaltungen wie das Café Barrierefrei, Seniorenberatung, Frauencafé und eben auch an drei Nachmittagen ein Jugendtreff.

Der Pragmatiker

Auch die Sicherung und Neugewinnung von Fachkräften vor allem für die Kindertagesstätten ist ihm ein wichtiges Anliegen. „Als ländliche Kommune müssen wir da mithalten können.“ Schließlich gelte es, in Bruchköbel die Infrastruktur für das zu erwartende Bevölkerungswachstum zu schaffen. „Schließlich werden im Fliegerhorst viele neue Arbeitsplätze geschaffen.“ Auch bei den Senioren will Kalski die aktuellen Bedürfnisse abfragen. „Das sind ganz andere Themen als noch vor Jahren.“ So sei der Anspruch an Reisen heute ein anderer und Senioren seien verstärkt bürgerschaftlich engagiert.

In der Verwaltung würden seine Ideen und Denkansätze positiv aufgenommen, sagt der Pragmatiker, für den insbesondere strukturiertes Arbeiten zählt – egal ob in der Verwaltung oder in der Wirtschaft. Seine fehlende Verwaltungserfahrung sieht er nicht als negativ an. „Ich kann immer einen Kollegen fragen, wenn ich einen Rat brauche.“ Dabei hat er immer sein Ziel im Auge: „Der Bürger steht im Fokus.“

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