Der Eingang zum Campingplatz am Bärensee
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Camper beschweren sich: Zu bestimmten Uhrzeiten stünden sie vor verschlossenen Toren, der Parkplatz sei dann schnell überfüllt.

Camping in Bruchköbel

Dauercamper monieren Zustände am Bärensee: Corona als Ausrede?

  • Jasmin Jakob
    vonJasmin Jakob
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Eigentlich wollen sie auf dem Campingplatz des Bärensees bei Bruchköbel eine schöne Zeit haben. Doch die aktuelle Situation ist für sechs Dauercamperinnen nicht hinnehmbar. Jetzt melden sie sich zu Wort

  • Die Situation am Bärensee bei Bruchköbel ist nicht zufriedenstellend
  • Sechs Dauercamperinnen melden sich zu Wort
  • Der Betriebsleiter reagiert

Bruchköbel – Auf den Wochenendausflug zum Bärensee hatten sich Kerstin und ihr Mann schon länger gefreut. Wie oft an einem Freitagnachmittag haben sie das Auto voller Gepäck geladen und sind 40 Kilometer nach Bruchköbel gefahren. „Da standen wir dann vor verschlossenen Türen“, erzählt Kerstin. Sie gehört zu sechs Dauercamperinnen, die sich bei unserer Zeitung gemeldet haben, weil sie in diesem Jahr mit der „Situation am Bärensee“ nicht zufrieden sind. Die aktuellen Öffnungszeiten würden sie in ihrer Tagesplanung einschränken, Änderungen würden nicht offen kommuniziert und die Parkplatzsituation habe sich in der Corona-Zeit verschärft. Und das, obwohl zurzeit coronabedingt weder Durchgangscamper noch Tagesgäste zugelassen sind.

Rein kamen Kerstin und ihr Mann trotzdem, allerdings mit einem Schlüssel nur zu Fuß. Das Gepäck mussten sie bis zu ihrem Platz quer über das Gelände tragen. „Da ärgert man sich dann schon, dass man keine Informationen bekommt. Im Internet findet man dazu nichts und wir sind eigentlich darauf angewiesen, dass die Nachbarn, die schon da sind, uns Änderungen mitteilen“, sagt sie.

Bruchköbel: Parkplatzsituation am Bärensee habe sich laut Dauercamperinnen verschärft

Das Befahren des eingezäunten Campingplatzes ist nur während der Öffnung des Haupttores möglich und durch eine Schrankenanlage geregelt, die über ein Chip-System bedient wird. „Grundsätzlich ist das Befahren des Platzes nur zur An- und Abreise laut Platzordnung erlaubt“, so Ralf Keim, der Betriebsleiter der Wirtschaftlichen Betriebe der Stadt, auf Anfrage unserer Zeitung. Das habe den Grund, dass sich viele der rund 3000 gemeldeten Dauercamper über den permanenten Autoverkehr am Bärensee beschweren würden. Denn auch die Stellplätze verfügen jeweils über einen eigenen Parkplatz. „Wer außerhalb der Toröffnung mit dem Pkw unterwegs sein will, muss das Parkplatzgelände außerhalb nutzen, wobei man sich hier auch, wie überall, an Regeln der Straßenverkehrsordnung halten muss“, so Keim.

Die Namen der Dauercamperinnen wurden von der Redaktion geändert, da die sechs Frauen, die das Gespräch mit unserer Zeitung gesucht haben, Repressalien fürchten. „So wie die zuständigen Stellen den Campern bei Kritik oft antworten, muss man schon Angst haben, einen Platzverweis zu bekommen“, sagt Brigitte. „Dann heißt es oft, Sie müssen nicht hier sein“, stimmt ihr die 89-jährige Bertie zu. Beide haben schon seit mehreren Jahrzehnten jeweils einen Stellplatz auf dem Gelände des Bärensees gepachtet.

Bruchköbel: Betriebsleiter des Bärensee will Kritik der Dauercamperinnen nicht so stehen lassen

Auf diesen Vorwurf entgegnet Keim: „Grundsätzlich werden die Beschwerden und Anregungen unserer Camper ernstgenommen. Außer der Platzverwaltung vor Ort steht zur Konfliktbewältigung die Betriebsleitung in meiner Person zur Verfügung, weiterhin gibt es als Verbindungsglied den Campingbeirat, mit dem bei Bedarf Besprechungen stattfinden.“ Bei 1000 Stellplätzen könne man jedoch nicht allen gerecht werden.

Durch veränderte Öffnungszeiten des Tores sei der Parkplatz außerhalb des eingezäunten Geländes laut Dauercamperinnen allerdings voller als sonst, sodass die Camper ihre Autos auch auf der angrenzenden Wiese abstellen müssten. „Vor ein paar Wochen haben Leute auf der Wiese geparkt, sind aufgeschrieben worden und haben 55 Euro bezahlen müssen“, sagt Brigitte. „Ich möchte mein Auto nicht draußen stehen lassen, es ist auch bis fünf, sechs Uhr alles zugeparkt.“ Vor ein paar Jahren habe sie das Auto draußen stehen lassen und einmal sei es von einem Dieb aufgebrochen worden. Nun müsse sie ihren Tagesablauf stärker an die Öffnungszeiten anpassen. Laut Keim sei in Zusammenarbeit mit der Stadt geplant, die Parkflächen zu erweitern. Die Öffnungszeiten hätten sich seit Beginn der Corona-Pandemie laut ihm nicht geändert.

Bruchköbel: Kritik der Dauercamperinnen an der Transparenz der Öffnungszeiten

„Was mich auch gestört hat, war, dass vorne kein Schild stand zu den Öffnungszeiten“, sagt Tina. „Die wechselten ständig. Bis Ende Juni hatte das Tor zum Beispiel abends bis sieben Uhr offen und jetzt bis um acht Uhr“, sagt Brigitte. Eigentlich habe es im Sommer aber immer bis um zehn Uhr auf gehabt. Laut Keim sei das innerhalb der Sommerferien nicht erforderlich.

Auch sieht er kein Informationsproblem, die Öffnungszeiten würden über Aushänge, Handzettel, die Platzverwaltung sowie das Informationsportal „Gastfreund“, über das man mit QR-Code am Eingang zugreifen kann, durch die Mitarbeiter der Wirtschaftlichen Betriebe sowie das Rathaus kommuniziert. „Dazu muss man dann aber auch erstmal vor Ort sein, ich kann ja nicht jedes Mal irgendwo anrufen“, sagt Kerstin im Gespräch mit unserer Zeitung. Die einzigen Informationen über das Internet bekäme man über eine Facebook-Gruppe, in der jedoch keine der sechs Frauen angemeldet sei.

Zudem stört die Dauercamperinnen, dass der hintere Strandbereich abgesperrt ist. „Durch die Nilgänse und Schwäne ist der vordere Strandbereich ziemlich verschmutzt, aber nur hier darf man ins Wasser“, sagt Tina. „Manchmal ist da ein richtiger Schmierfilm auf dem Wasser“, sagt Brigitte. Nach Angaben der Frauen reagierten die Eigenbetriebe der Stadt zwar, allerdings nicht regelmäßig. Dazu sagt Keim: „Das ist ein Problem, das nicht nur am Campingplatz Bärensee vorhanden ist und in Fernsehen, Presse und Radio behandelt wird. Unsererseits wurden verschiedene Methoden ausprobiert, die ungebetenen Gäste loszuwerden, allerdings nur mit bedingtem Erfolg.“ Laut ihm werde der Strandbereich mehrmals täglich gereinigt.

Bruchköbel: Betriebsleiter erklärt Einschränkungen am Bärensee

„In Absprache mit den Beteiligten der DLRG-Bruchköbel sowie unseren Mitarbeitern, die gemeinsam mit der Badeaufsicht betraut sind, haben wir uns aus Sicherheitsgründen (Kontrolle der Gruppenbildung am Strand, Hygienevorschriften für Toilette und Stranddusche, allgemeine Badeaufsicht) darauf geeinigt, den ‘Kleinen Strand’ nicht zu öffnen“, so Keim. „Damit aber am „Großen Strand“ genügend kontrollierbare Liegeflächen zur Verfügung stehen, wurde die Grasfläche, die für Zeltplätze und Dauercamper reserviert ist, als Liegewiese freigegeben.“ Somit sei in Summe mehr Liegefläche vorhanden als bei Öffnung beider Strandbereiche.

Dennoch ließe die Camperinnen das Gefühl nicht los, dass Personalprobleme bei den Wirtschaftlichen Betrieben der Stadt der eigentliche Grund für geänderte Öffnungszeiten sowie die Absperrung des Strandes seien. „Wir haben das Gefühl, dass Corona eine vorgeschobene Erklärung für alles ist“, meint Brigitte. Da seit Juni auch wieder Besucher der Dauercamper angemeldet und zugelassen werden müssten und ein erhöhter Kontrollaufwand im Eingangsbereich notwendig sei, findet laut Keim keine Personaleinsparung statt. „Zu Beginn der Corona-Pandemie haben die Mitarbeiter des Schwimmbades am Bärensee unterstützt, im August werden noch zusätzlich zwei Mitarbeiterstellen besetzt.“

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