Auch in Pandemiezeiten muss die Feuerwehr sich fit halten: hier das Bild einer Übung in Bruchköbel.
+
Auch in Pandemiezeiten muss die Feuerwehr sich fit halten: hier das Bild einer Übung in Bruchköbel.

Ein Blick nach Neuberg und Bruchköbel

Feuerwehr kommt nicht aus der Übung: Einsatzkräfte trainieren unter Corona-Auflagen

Während Amateursportvereine nicht mehr trainieren und Musikvereine nicht proben dürfen, läuft die praktische Ausbildung bei der Freiwilligen Feuerwehr weiter. Die Frage, warum die Feuerwehr im Gegensatz zu anderen Vereinen darf, stellen sich momentan viele Bürger.

Bruchköbel/Neuberg – Die Antwort liegt in der Organisationsstruktur und den Aufgaben. Die Feuerwehrfördervereine unterliegen den Beschränkungen wie alle anderen Vereine auch, dort gibt es keine Ausnahmen. Die Übungen und der Ausbildungsbetrieb betreffen jedoch die Einsatzabteilung der Feuerwehr. „Diese ist eine offizielle Einrichtung der Kommune und eben kein Verein“, sagt Neubergs Gemeindebrandinspektor Uwe Reifenberger.

Die Übungen seien dienstliche Veranstaltungen, um den Ausbildungsstand und damit die Einsatzfähigkeit der öffentlichen Feuerwehr aufrechtzuerhalten. Einfach gesagt seien die ehrenamtlichen Mitglieder der Einsatzabteilung im Dienst eine Art „Gemeindemitarbeiter“, die ganz normal zum Dienst erscheinen und eben nicht zum Freizeitsport, so Reifenberger. Geregelt werde dies auch im Hessischen Brand- und Katastrophenschutzgesetz, wonach die Kommune eine „den Anforderungen nach leistungsfähige Feuerwehr“ zu unterhalten hat im Rahmen der hoheitlichen Aufgabe des Brandschutzes und der Gefahrenabwehr.

So gehen die Wehren in Bruchköbel und Neuberg mit der Pandemie um

Um die Ausbildung auch in Pandemiezeiten fortzuführen wurden im Laufe des Jahres in den verschiedenen Kommunen große Anstrengungen unternommen.

Ein Blick auf die Wehren in Neuberg und Bruchköbel zeigt, wie die Einsatzkräfte mit der Pandemie umgehen: So wurde ein Teil der Ausbildung online durchgeführt. Der theoretische Unterricht als Video-Konferenz von zu Hause bildet nun einen Eckpfeiler in der Ausbildung, jedoch ist dies allein nicht ausreichend. Im Einsatzfall muss jeder Handgriff in der Praxis sitzen und da führe kein Weg an der praktischen Ausbildung vorbei, so Reifenberger.

Für die praktische Ausbildung sowie den Einsatzdienst gelte ein strenges Hygiene-Konzept. „Neben dem obligatorischen Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung zählen dazu natürlich die Abstandsregeln sowie – sofern die Tätigkeit es zulässt – auch die Bildung fester Ausbildungsgruppen, um im Infektionsfall die Einsatzbereitschaft trotz Quarantäne eines Teils der Mannschaft zu ermöglichen“, sagt Reifenberger.

Stadtteilwehren in Bruchköbel entschieden eigenständig über die Ausbildung während der Pandemie

Desinfektion von Gerätschaften und Ausrüstung gehörten ebenso selbstverständlich dazu wie die Eigenverantwortung im Verdachtsfall. Bei Symptomen sind die Einsatzkräfte dazu angehalten, daheim zu bleiben, bis die Sachlage geklärt worden ist. Das in Neuberg angewendete Hygienekonzept wurde in Zusammenarbeit mit dem Gefahrenabwehrzentrum des Main-Kinzig-Kreises sowie der Gemeinde Neuberg erarbeitet und werde der aktuellen Entwicklungen entsprechend stets angepasst.

Maske ist Pflicht: Zumindest wenn die Abstände nicht eingehalten werden können.

In Bruchköbel entscheiden nach Angaben des Ersten stellvertretenden Stadtbrandinspektors Matthias Schmidt die Stadtteilfeuerwehren selbst über die Form der Ausbildung während der Pandemie. In Butterstadt sowie in Nieder- und Oberissigheim werde derzeit normal weiter ausgebildet. Dafür hätten die Kameraden die Gruppengrößen begrenzt und trügen dauerhaft Mund-Nasen-Schutz, da innerhalb der Ausbildung nicht immer die Mindestabstände eingehalten werden könnten, berichtet

Schmidt. Eine Hybridlösung wird derzeit im Stadtteil Roßdorf praktiziert. Dort wechseln sich praktische Ausbildung und Fernunterricht über Computer und Tablets je nach Themeninhalten ab. „In den kommenden zwei Wochen bilden die Kameraden dort die Technische Rettung nach Verkehrsunfällen aus, anschließend geht es wieder per Onlineschulungen weiter“, erklärt Matthias Schmidt.

Auch während der Pandemie: Feuerwehr ist schnell zur Stelle

Am Standort Innenstadt wird ebenfalls eine Hybridlösung umgesetzt. Schon vor vielen Wochen hätten die Einsatzkräfte dort zur Unterbrechung einer möglichen Infektionskette von selbst alle Ausbildungsveranstaltungen auf Onlinemedien umgestellt. Schmidt macht jedoch deutlich, dass es auch dort ohne praktische Zwischenschritte nicht gehe: „Am Standort Innenstadt in Bruchköbel werden derzeit nach und nach Kameraden in Einzelunterweisungen auf ein neues Fahrzeug geschult, damit dieses in Dienst übernommen werden kann. Das geht nur praktisch vor Ort.“

Auch wenn die Ausbildung weiterhin unterschiedlich gelöst wird, so hätten alle Standorte jedoch eines gemeinsam. „Auch wenn in der derzeitigen Lage Hilfe benötigt wird, sind wir wie gewohnt schnell zur Stelle“, versichert Schmidt. Die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr hat für ihn höchste Priorität. „Sollten wir einmal einen positiven Corona-Fall innerhalb einer Abteilung haben, werden die verbleibenden Standorte hier sofort stellvertretend einspringen“, so Schmidt.    how

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema