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Familie erfüllt sich den Traum von der Weltumseglung

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Von: Michael Prochnow

Sonnernuntergang bei einer Segeltour durch die Karibik
Die Familie Domes aus Bruchköbel hat sich einen langgehegten Traum erfüllt – eine Weltumseglung zu starten. (Symbolbild) © Imago/lkpro

Vor zwei Jahren hängt Stephan Domes in Bruchköbel aus dem Main-Kinzig-Kreis seinen Job an den Nagel und segelt seitdem mit seiner Familie um die Welt.

Hanau/Bruchköbel – Die Region ist nicht bekannt als Eldorado für Weltumsegler, idyllische Seen eröffnen nur eingeschränktes Vergnügen für Wasserratten. Die Domes ziehen darum das Mittelmeer, Atlantik und Karibik dem heimatlichen Main und Kinzig vor. Dabei entwickelten die sechs Erwachsenen ihre Begeisterung fürs Hochseesegeln ganz beschaulich vor der Küste Kroatiens.

Heute sind Stephan Domes, seine Frau und die Kinder Eigner der Trinity, einem gut ausgestatteten, dreibauchigen Trimaran, mit dem sie bereits mehrfach von Kontinent zu Kontinent reisten. Der Bruchköbler besuchte das Wirtschaftsgymnasium in Hanau, studierte Betriebswirtschaftslehre, war Verkaufsleiter bei Heraeus Sensor Kleinostheim, zuletzt Führungskraft im Vertrieb bei Goodyear Dunlop.

Weltumseglung: Bruchköbler Familie entdeckte in Norwegen das Segeln als Hobby

Alles begann 2005, als sie in Norwegen Rentner auf ihren Segelbooten beobachteten. 2008 sind zwei Freunde verstorben, was die Domes zu dem Entschluss führte, nicht bis zur Rente zu warten, um ihren Lebenstraum zu verwirklichen. Stephan machte den Bootsführer- und Funkschein. Bis dahin hatten sie sich nur auf einer Jolle durch die Hafengewässer gewagt.

Die Ehefrau schmökerte in „Segeln für Dummies“, beide engagierten in Kroatien für eineinhalb Tage einen Skipper, der sie von Bucht zu Bucht, von Hafen zu Hafen führte. In den Sommerferien 2009 übte sich das Ehepaar mit drei ihrer vier Kinder vor der Küste Dänemarks im Hochseesegeln. „Wir nahmen uns dann immer größere Strecken vor, wieder in Kroatien, vor Schweden und Polen, das hat gut geklappt.“

Bruchköbel: Nach Kroatien und der Nordsee wagt sich Familie Domes nun an die Weltumseglung

In der Nordsee gilt es, Tiden zu berechnen, um die berühmte „Handbreit Wasser unterm Kiel“ zu wahren. Inzwischen haben die Hessen „die Kanaren komplett abgesegelt“. Auf der Bootsmesse Düsseldorf sind sie Stammgäste. Die Bruchköbler informierten sich bei Bootherstellern übers Segeln auf der Hochsee, über das Leben auf dem Boot und das Segeln mit dem Passatwind. Das große Ziel: Einmal um die Welt zu schippern, von den Kanaren über Kapverden und die Karibik, durch den Panama-Kanal in den Pazifik und die Südsee, nach Australien und Neuseeland. „Dann musst du dich entscheiden, ob du durch den Suezkanal oder um Südafrika fahren willst.“ Wie lange das dauert? „Zwei Jahre bis open end“, sagt Domes.

Wichtig sei neben Geld und Zeit auch die Gesundheit. „Wenn du Geld hast, dann spielt die Gesundheit nicht mehr mit“, hat er schon oft gesehen. „Und auf den Azoren sitzt so mancher fest.“ Weil er zu spät losgefahren ist, passte das Wetter für eine Überfahrt nicht mehr.

2015 hat die Familie entschieden, 2020 loszufahren. „Es ist extrem wichtig, Termine zu setzen, sonst wird’s nichts“, lautet eine Erkenntnis. Als hilfreich bezeichnet es Stephan, die Pläne nicht weiterzuerzählen. „Du machst eine Finanzplanung, verkaufst Autos und Motorrad und schaffst dir Klötze vom Bein.“

Mit „Trinity“ auf Weltumseglung: Auto und Motorrad gegen Boot eingetauscht

Dann folgt die Bootswahl. „Wir hatten die in Frage kommenden Modelle gechartert“, schildert er die Vorbereitung. Die Trinity Neel, 14,30 Meter lang, 8,30 Meter breit, überzeugte sie. Sie ist ausgestattet mit Tauch-Equipment, Solarpanels, Geräten zur Entsalzung von Meerwasser, einer vollwertigen Küche, drei Kojen mit Doppelbetten, Sitzecke und viel Stauraum.

„Trinity“ – Dreieinigkeit – heißt das Boot nicht nur wegen seines Fundaments. Das ist für die Domes auch der Glaube. „Es hilft, wenn man weiß, woran man glaubt“, sagt der Katholik. Sicherheit auf hoher See bedeute aber auch, „dass ich mich bedingungslos auf meine Familie verlassen kann“.

Bruchköbler auf Weltumseglung: Südkaribik als nächstes Ziel

Im Februar 2020 hängte er seinen Beruf an den Nagel und übernahm das nagelneue Wasserfahrzeug. Einen Monat lagen sie in La Rochelle an der Atlantikküste bei Nantes. Einmal sind sie rausgefahren, dann kam der Lockdown wegen Corona. „Drei Monate lagen wir vor der historisch wunderschönen Altstadt. Im Juni folgten Testfahrten mit einem zusätzlichen Großsegel, im Juli ging’s in einem „sehr guten Wetterfenster“ über die Biskaya nach La Coruna, von Galizien bis Porto. „Wir haben das sehr genossen, aber durch Covid warst du nirgendwo erwünscht.“ 13 Monate blieb das Paar auf den Azoren. „Wir haben in den schönsten Wasserfällen gebadet und weite Strände genossen.“

Der Seefahrer-Weisheit folgend fuhren sie „mit den Passatwinden so lang südlich, bis die Butter schmilzt“. So gelangten sie in die Karibik, verbrachten den Winter in Guadeloupe, lagen in Les Saintes, Marie Galante und Dominica, Antigua und Barbadua, Saint Barth und Saint Martin vor Anker. „Auf hoher See hat immer einer Schicht“, sagt Kerstin Domes, die längst auch den Sportboot-Führerschein besitzt, vor allem aber viel Erfahrung im Segel-Nähen, Ausbessern oder Gummirädchen-Wechseln fürs Kühlwasser. „Technisches Verständnis ist unheimlich wichtig.“

Familie Domes aus Main-Kinzig-Kreis: Lagerfeuergespräche über Träume und das Leben

Nach einem Zwischenstopp in der Heimat segeln sie jetzt mit der Familie um die Azoren, vor der Sturmsaison geht’s zu den Kanaren, um Wartungsarbeiten am Boot vorzunehmen. Anfang Dezember stehen die Kapverden und die Südkaribik auf dem Plan. Und sofern es Corona erlaubt, steuern der 54- und die 50-Jährige Kolumbien an, und die Fahrt durch den Panamakanal zum Pazifik. Ziel: „Land und Leute kennenlernen, deren Mentalität und Einstellung zum Leben.“ Nächtelang haben sie mit Bewohnern und Globetrottern am Lagerfeuer über Träume und das Leben geplaudert. „Das ist wirklich bereichernd.“ (Michael Prochnow)

Weitere Informationen zu ihrer Tour findet man im Internet: sailing-trimaran-trinity.com

2018 ging ein Bruchköbler mit einem Tandem auf Weltreise.

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