Beim Feiern auf Mallorca: Ulrich Bittner (links) und sein Schweizer Insolvenverwalter Peter A. Iten lassen es sich gutgehen.Die Aufnahme stammt aus dem vergangenen Jahr.
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Beim Feiern auf Mallorca: Ulrich Bittner (links) und sein Schweizer Insolvenverwalter Peter A. Iten lassen es sich gutgehen.Die Aufnahme stammt aus dem vergangenen Jahr.

Immobilien

Eskalation im Bittner-Haus: Immobilienbesitzer droht mit Räumung - Kreisspitze appelliert an die Justiz

  • Holger Weber-Stoppacher
    vonHolger Weber-Stoppacher
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Der Winter naht. Doch eine Lösung für die Bewohner der Bittner-Immobilie am Niederried 6 in Bruchköbel ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Lage eskaliert wieder.

Bruchköbel/Erlensee – Laut einem Sprecher des Main-Kinzig-Kreises hat der Immobilienunternehmer Ulrich Bittner nun damit gedroht, die Immobilie zu räumen. Begründet hat er dies dem Kreis zufolge mit einem Wasserschaden im Kellergeschoss des Hauses. Zwar hat Bittner nach Einschätzung des Hanauer Rechtsanwaltes Uwe Steinkrüger so gut wie keine Chance, damit durchzukommen, doch zeigt das Gebaren, wie verfahren die Situation nach wie vor ist.

Beim Kreis schwindet die Hoffnung, dass sich die Lage für die Mieter noch zum Guten wendet: „Leider lief und läuft es seit Monaten auf kalte Entmietung hinaus“, bedauern Landrat Thorsten Stolz, Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler und Kreisbeigeordneter Winfried Ottmann in einer Stellungnahme. Zu keiner Zeit sei es möglich gewesen, Bittner zur Weitergabe der Umlagezahlungen zu bewegen. Die Außenstände, die Bittner über Jahre hinweg in mehreren Immobilien angehäuft habe, beliefen sich alleine bei den Kreiswerken und Main-Kinzig-Gas auf hohe fünfstellige Beträge.

Bittner hatte die Bewohner in Bruchköbel frieren lassen

Zur Erinnerung: Auf Veranlassung des Kreises waren im Dezember vergangenen Jahres in der damals noch mit zwölf Mietparteien besetzten Immobilie im Niederried 6 wieder Wasser und Gas aufgedreht worden, nachdem Bittner die Bewohner des Hauses monatelang hatte frieren lassen. Darunter waren auch alte Menschen und Behinderte. Bittner hatte die Umlagen für die Heizkosten und das Wasser zwar von den Mietern kassiert, aber nicht an die kreiseigenen Versorger weitergeleitet. Daraufhin hatten die Kreiswerke und Main-Kinzig-Gas wegen der hohen Zahlungsrückstände die Hähne zugedreht.

Noch fünf Familien und ein Zahnarzt sind übrig geblieben: Die Stadt Bruchköbel will nun Alternativen für die Mieter suchen.

Um eine langfristige Lösung zu erreichen, hatte der Kreis die Mieter im August dieses Jahres angeschrieben und ihnen den Vorschlag unterbreitet, eine Notgemeinschaft zu gründen, über die die Umlagen dann direkt an die Versorger abgeführt werden sollten. Dagegen hatten sich einige der Mieter gewehrt. Der Kreis vermutet, dass sie von Bittner unter Druck gesetzt worden waren. Erst nachdem Bruchköbels Bürgermeisterin Sylvia Braun die Betroffenen am vergangenen Wochenende vor Ort aufgesucht hatte, hätten auch die letzten Mieter eingewilligt. „Ich habe ihnen sehr deutlich gemacht, dass es die letzte Chance ist, um ein erneutes Zudrehen der Hähne zu verhindern“, so Braun gegenüber unserer Zeitung. Einige häten wohl befürchtet, sie müssten für die Kosten eines Wasserschadens aufkommen. Aus dem Bürotrakt von Bittner war über Wochen Wasser unter der Eingangstür hindurch in die Kanalisation geflossen. Die Kreiswerke sprechen von rund 20 Kubikmeter am Tag. Der Wasseraustritt wurde am vergangenen Wochenende gestoppt.

Bruchköbel: Landrat Stolz zeigt sich schockiert über Bittners Drohung

„Jetzt, da der Vermieter die Umlagen nicht mehr erhalten soll und in die eigene Tasche stecken kann, weil sich die Mieter im Mute der Verzweiflung zu Notgemeinschaften zusammenschließen, dreht er ihnen unter fragwürdigen Vorwänden komplett den Saft ab und sperrt sich gegen sozial verträgliche Lösungen. Das macht einen einfach nur sprachlos“, zeigt sich Landrat Stolz entrüstet über Bittners Drohung, das Gebäude räumen zu wollen.

Derzeit wohnen im Haus im Niederried nur noch fünf Parteien, vor einem Jahr waren es noch zwölf. „Wir müssen dafür sorgen, dass auch die Verbliebenen so schnell wie möglich dort rauskommen“, sagt Bürgermeisterin Braun. Im Fall einer Familie, die mit einem behinderten Kind in einer der Wohnungen lebt, soll jetzt schnell nach einer Lösung gesucht werden.

Versorger dürfen nicht helfen: Ulrich Bittner verbietet ihnen den Zutritt.

Ottmann sieht keine Möglichkeit, dass der Kreis weiter die Kosten für Wasser und Gas übernimmt: „Alle Beteiligten haben sich im Sinne der Mieter sehr lange kulant gezeigt, haben ihnen über den Winter geholfen, haben dauerhafte Lösungen besprochen und mit vorbereitet. Wir befinden uns jetzt aber an einem Punkt, an dem es für den Kreis und die Versorger nicht mehr weitergeht, so tragisch das ist.“

Nicht nur in Bruchköbel ließ Bittner seine Mieter im Stich

Die Bewohner des Wohnhauses im Niederried 6 in Bruchköbel teilen das Schicksal mit vielen Bittner-Mietern, die der Immobilienmogul in den vergangenen Jahren auf ähnliche Weise hat hängen lassen. Viele Male hat unsere Zeitung das Leid von Menschen beschrieben, die in den Liegenschaften leben, die Bittners Firmenkonglomerat zugeschrieben werden. Immer wieder taucht bei den Recherchen als Eigentümer das Unternehmen Rendinvest AG mit Sitz in Zug in der Schweiz auf. Die Gesellschaft, in der Bittner als Verwaltungsratsmitglied geführt wurde, existiert nach Informationen unserer Zeitung nicht mehr. Sie wurde laut einem Auszug des Handelsregisters des Kantons Zug, der der Redaktion vorliegt, im Jahr 2017 gelöscht.

Bewohner der betroffenen Mietshäuser in Bad Orb, Erlensee und Großkrotzenburg berichteten von Bedrohungen und Einschüchterungen. Bei den Opfern handelte es sich meist um ältere oder hilfebedürftige Menschen, die zwar Umlagen für Wasser, Strom und Gas bezahlt hatten, deren Geld aber bei den Versorgungsunternehmen nicht angekommen war – genau wie im aktuellen Fall von Bruchköbel.

Bis auf den Wohn- und Geschäftskomplex an der Rückinger Straße in Erlensee und das Haus im Niederried 6 in Bruchköbel sind alle Immobilien mittlerweile leer.

Bruchköbel: Sozialdezernentin Susanne Simmler appelliert im Fall Bittner an die Justiz

Notar ohne Lizenz: Peter A. Iten wirbt für sich auf dem Bittner-Schild im Niederried

Sozialdezernentin Simmler sieht im Fall Bittner „ein Gebaren, das man in unserer Gesellschaft und in unserem Rechtsstaat so nicht vermuten würde und auch so nicht akzeptieren kann“. Nach so vielen Vorfällen, alleine im Main-Kinzig-Kreis, und nach so vielen Jahren, in denen Bittner und die beteiligten Gesellschaften die immer gleiche Masche auf dem Rücken sozial schwächerer Haushalte austrage, sei die Angelegenheit ein Fall für die Justiz. „In unserem Grundgesetz steht eindeutig, dass Eigentum verpflichtet. Dieser Verpflichtung wird hier nicht nachgekommen. Hier läuft eine kalte Entmietung, natürlich wieder auf dem Rücken von Mietern. Das ist nur schwer auszuhalten. Das können aber Politik und Verwaltung nicht lösen, das müssen sich die juristischen Fachleute anschauen.“

Und auch Landrat Thorsten Stolz appellierte angesichts des Vorwurfs der mehrfachen Veruntreuung an die Staatsanwaltschaft, tätig zu werden: „Herr Bittner trägt seine Machenschaften auf dem Rücken der Mieter aus. Das ist kein Fall mehr für die Kommunalpolitik, sondern für die Justiz.“

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