Thomas Sliwka und Daniel Weber waren schon im Bürgermeisterwahlkampf Konkurrenten, nun geht es um den Parteivorsitz. Fotos: Kai Pfaffenbach/Mike Bender

Bruchköbel

CDU Bruchköbel: Duell um Parteivorsitz zwischen Sliwka und Weber

Bruchköbel. In der Bruchköbeler CDU könnte das Duell zwischen Stichwahlfinalist Daniel Weber und dem Fraktionsvorsitzenden Thomas Sliwka in eine nächste Runde gehen. Diesmal geht es um den Vorsitz der Partei.

Von Holger Weber und Monica Bielesch

Weber hat am Montagabend in einer Sitzung des Parteivorstands erklärt, dass er sich vorstellen könne, beim CDU-Parteitag des Stadtverbandes im Dezember für den Vorsitz der Partei zu kandidieren.

Rund drei Stunden hatte der Vorstand der Bruchköbeler CDU getagt, um die Niederlage bei der Bürgermeisterwahl aufzuarbeiten und das weitere Vorgehen des Stadtverbandes zu erörtern. Im Dezember, ein genaues Datum steht noch nicht fest, muss der Parteivorstand turnusgemäß neu gewählt werden.

Sliwka will Funktionsfähigkeit wiederherstellen

Fraktions- und Stadtverbandsvorsitzender Thomas Sliwka hatte im Vorfeld der Sitzung am Montag erklärt, dass es wichtig sei im Hinblick auf die innerparteilichen Verwerfungen während des Bürgermeisterwahlkampfes, „eine Funktionsfähigkeit“ der Partei schnell wieder herzustellen. Zur Erinnerung: Sliwka war seinem Konkurrenten Daniel Weber beim Nominierungsparteitag für die Bürgermeisterwahl am 8. April mit nur einer Stimme unterlegen und daraufhin als unabhängiger Kandidat bei den Bürgermeisterwahlen angetreten. Das Ergebnis ist bekannt: Sliwka scheiterte schon in der ersten Runde mit nur zehn Prozent der Stimmen, Weber unterlag der künftigen Bürgermeisterin Sylvia Braun (FDP) in der Stichwahl deutlich.

Weber, der bisher nicht dem Vorstand der CDU angehört, ging am Montag bei der Parteiversammlung in die Offensive: Er machte deutlich, dass er nun gewillt sei, Verantwortung auch innerhalb des Stadtverbandes zu übernehmen, für den er im Bürgermeisterwahlkampf angetreten war.

Weber will Verantwortung, CDU-Mitglieder sind verwundert

Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte er gestern, man müsse seine Kandidatur als ein Angebot an die Partei verstehen. Er habe im Wahlkampf versprochen, für Bruchköbel Verantwortung zu übernehmen. Dieses Versprechen wolle er auch einlösen. Es gelte jedoch, in den kommenden Wochen am künftigen Vorstandsmodell der CDU weiter zu arbeiten. Für Donnerstag kommender Woche ist nach Informationen unserer Zeitung bereits die nächste Vorstandssitzung anberaumt worden. Zudem findet eine Fraktionssitzung am Freitag statt.

Thomas Sliwka, der aktuelle Parteichef, zeigte sich gestern „ernüchtert“ angesichts des Vorstoßes von Weber. Auch weitere Vorstandsmitglieder seien verwundert gewesen über die Ambitionen des Wahlverlierers, so Sliwka. Dementsprechend „emotional“ sei die Diskussion verlaufen. Ansonsten hätte der Vorstand eine nüchterne Bestandsaufnahme der Wahlschlappe vorgenommen.

Sliwka fordert Einheit in der Partei

Sliwka sagte, für ihn sei es jetzt wichtig, viele Gespräche innerhalb der Fraktion und der Partei zu führen. „Wir müssen unsere Glaubwürdigkeit als Partei wiederherstellen“, betont er, „und mit dem Ende der Ära Maibach muss die Partei wieder als Einheit sichtbar sein.“ Personaldebatten seien da hinderlich. „Wir brauchen nun ruhiges Fahrwasser.“

Sliwka machte aber keinerlei konkrete Angaben über seine persönlichen Ambitionen und darüber, ob er selbst noch einmal für den Vorsitz der Partei kandidieren wird. Zwar haben zwei Anhänger des Niederissigheimers die Fraktion vor den Bürgermeisterwahlen verlassen. Dennoch gibt es immer noch einen starken Sliwka-Block innerhalb der Fraktion und des Stadtverbandes. Es könnte also wieder auf eine Kampfabstimmung zwischen Weber und Sliwka hinauslaufen. „Das ist möglich“, bestätigt Weber. „Es ist aber auch möglich, dass es noch weitere Kandidaten geben wird. Das ist Demokratie“, meinte er.

CDU vor der Zerreißprobe

Dass es zu einer friedlichen Koexistenz der beiden Parteiflügel, die von Weber und Sliwka angeführt werden, kommen wird, halten Insider der Partei indes für nahezu ausgeschlossen. Die Partei stehe vor einer Zerreißprobe, am Ende des Jahres wisse man mehr. Personelle Umwälzungen könnten die Folge sein, hieß es. Vorerst geht die politische Arbeit weiter. So werden im Haupt- und Finanzausschuss am Dienstag, 26. November, um 19 Uhr die Anträge der Fraktionen zum Haushalt 2020 behandelt. Sliwka ist Vorsitzender dieses Ausschusses.

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