Das Wasser ist hart, aber nicht ungesund. In der Stadt Bruchköbel und den Stadtteilen ist es jedoch seit Jahren ein Thema, das hitzig diskutiert wird. (Foto: Pixabay)

Bruchköbel

Bruchköbel bleibt ein Härtefall

Bruchköbel. Bruchköbel hat mit bis zu 24 Grad deutscher Härte das mit Abstand härteste Trinkwasser im Versorgungsgebiet der Kreiswerke Main-Kinzig. Und das wird auf nicht absehbare Zeit wahrscheinlich so bleiben.

Von Holger Weber

Wenn nicht noch ein Umdenken innerhalb der Koalitionsparteien einsetzt, dann wird die Verlängerung des Konzessionsvertrags mit den Kreiswerken am Dienstagabend in der Stadtverordnetenversammlung beschlossen.

In der Haupt- und Finanzausschusssitzung empfahlen CDU und SPD mit einer Stimme Mehrheit gegenüber den Oppositionsparteien eine Verlängerung der Verträge zur Wasserbelieferung um 20 Jahre. Damit wird Bruchköbel als letzte von insgesamt neun Kommunen, in denen der Wasser-Konzessionsvertrag mit den Kreiswerken zum Ende dieses Jahres ausläuft, den Kontrakt unterzeichnen.

Änderungsantrag wurde abgelehnt

Ein Änderungsantrag des Bruchköbeler Bürgerbundes (BBB), den Vertrag zunächst auf zwei Jahre zu befristen, um damit Zeit für eine Sondierung möglicher Alternativen zu finden, wurde abgelehnt. Ziel der Oppositionsparteien war es, von neutraler Stelle prüfen zu lassen, ob und wie eine Senkung des Härtegrades zu erreichen ist. Hartes Wasser ist zwar nicht ungesund, schädigt aber alle Haushaltsgeräte, in denen Wasser aufgeheizt wird, durch Kalkablagerungen.

„Ein potenzieller Rohrbruch ginge dann zu Lasten der Stadt“

Der BBB-Antrag hätte auch kaum keine Chance auf Durchsetzbarkeit gehabt. Denn der im Ausschuss geladene Kreiswerkegeschäftsführer Bernd Schneider sowie Bereichsleiter Jochen Heyermann ließen keinen Zweifel aufkommen, dass sie sich auf einen Vertrag mit einer solch kurzen Laufzeit nicht einlassen würden. Auch machten sie deutlich, dass Bruchköbel Konsequenzen befürchten müsse, wenn zu Beginn des neuen Jahres die Beziehung zwischen Kommune und Kreiswerken nicht vertraglich geregelt seien. „Ein potenzieller Rohrbruch ginge dann zu Lasten der Stadt“, sagte er. Zudem müssten die Kreiswerke sogar prüfen, ob die Verträge mit allen Endkunden, also allen Haushalten in Bruchköbel, sofort zu kündigen seien, beschrieb Heyermann ein Szenario, das nicht wenige im Parlamentssaal als eine nur wenig versteckte Drohung empfunden haben werden.

Versorgungssicherheit muss gesichert sein

Ob die Kreiswerke zu solch drastischen Schritten auch wirklich berechtigt wären, bleibt zumindest fragwürdig, denn die Versorgungssicherheit der Bürger muss nach Einschätzung von Wilfried Weber, dem Geschäftsführer der Maintal Werke, gesichert sein. Zwar könne eine vertragslose Bindung kein Dauerzustand sein. Doch ein Jahr müssten die Kreiswerke die Versorgung zumindest aufrechterhalten, so der Experte, den unserer Zeitung um eine Einschätzung gebeten hat. Mehr noch: Sollten die Verträge gekündigt werden, könnten sich die Kreiswerke aus dem Markt als seriöser Anbieter verabschieden, glaubt Weber.

Alle Optionen sind teuer

Die Vertreter der Kreiswerke präsentierten den Ausschussmitgliedern mit Unterstützung eines Ingenieursbüros gleich mehrere Optionen, wie man zumindest langfristig durch das Mischen oder eine verfahrenstechnische Aufarbeitung des Wassers den Härtegrad senken könnte. Dabei haben alle Optionen eines gemeinsam: Sie sind teuer. Sowohl die Beimischung von Wasser durch den Anschluss an eine Fernleitung als auch die chemische Behandlung des Wassers würden je nach Modell zwischen drei und 20 Millionen Millionen kosten und auch enorme Folgekosten nach sich ziehen. Bei der Fragen, wer für die Kosten aufkommen müsste, zeigen sich die Kreiswerke ebenfalls entschlossen: „Die Kommunen“, so Heyermann. Denn aus kartellrechtlichen Gründen bestünden für den Wasserversorger keine Möglichkeiten, die Investitionskosten über den Wasserpreis zu refinanzieren, erklärte er den Ausschussmitgliedern.

Ablehnende Haltung im Verbundsystem des Wasserversorgers begründet

Auch diese Auskunft bleibt zumindest fragwürdig. Denn laut Weber ist es durchaus üblich, dass Wasserversorger Investitionen in Infrastruktur und Qualitätssicherung durch die Erhöhung des Wasserpreises refinanzieren. Die Kreiswerke selbst haben ihre letzte Wasserpreiserhöhung zum 1. Januar 2016 mit hohen Investitionskosten begründet, wie man auf der Internetseite des Unternehmen nachlesen kann.

Weber vermutet hingegen, dass die ablehnende Haltung gegenüber Investitionen in Bruchköbel im Verbundsystem des Wasserversorgers begründet liegt. Weil die Kreiswerke durch die Rohre nicht nur Wasser nach Bruchköbel, sondern auch in die Nachbarkommunen liefert, müssten die Investitionen auf alle Kommunen umgelegt werden. Dies könnte jedoch in Nidderau und Schöneck beispielsweise für Unmut sorgen, denn dort hat man aufgrund eines Anschlusses ans Fernleitungsnetz der OVAG einen sehr niedrigen Härtegrad und ist bestimmt nicht gewillt, dafür zu zahlen, dass Bruchköbel weiches Wasser bekommt.

Scharfe Kritik von BBB-Fraktionschef

Scharfe Kritik übte BBB-Fraktionschef Alexander Rabold, dessen Fraktion schon vor einem Jahr gefordert hatte, bei den Verhandlungen mit den Kreiswerken das Problem der extremen Wasserhärte mit einzubeziehen. „Es ist verständlich, dass die Kreiswerke als Wirtschaftsunternehmen hier für ihre eigenen Interessen einstehen, doch wäre uns eher geholfen, wir hätte eine neutrale Institution zur Beurteilung der Sachlage“, monierte Rabold die Vorgehensweise des Magistrats, nur die Kreiswerke für einen Fachvortrag in den Ausschuss einzuladen. Sein Appell an die Koalitionäre, im Sinne der Bürger Bruchköbels auf eine Verbesserung der Situation hinzuarbeiten, prallte ab. SPD-Fraktionschef Peter Ließmann warf der Opposition vor, mit dem Thema Panikmache zu betreiben.

Vertrauen muss aufgebaut werden

Kreiswerke-Geschäftsführer Bernd Schneider versuchte indes, bei den Ausschussmitgliedern Vertrauen aufzubauen: „Ich verspreche Ihnen, wir werden alles tun, damit wir auch in Bruchköbel weicheres Wasser zur Verfügung stellen können“, meinte er mit Blick auf die Oppositionsbänke.

Doch Erfolg hatte die Charmeoffensive nicht: „Wenn wir den Vertrag jetzt so unterschreiben, dann haben wir auch in den kommenden 20 Jahren hartes Wasser“, gab sich nicht nur FDP-Fraktionschefin Sylvia Braun äußerst skeptisch.

Das könnte Sie auch interessieren