Blutiges Drama: Vor 25 Jahren erschütterte ein Verbrechen die Bruchköbeler Innenstadt. Eine Woche fahndete die Polizei nach dem Todesschützen vom Freibad. Der HA berichtete ausführlich über die Aufklärung des Falls. HA-Collage: Gabriele Heindel

Bruchköbel

Blick zurück: Tödliches Familiendrama vor 25 Jahren im Freibad

Bruchköbel. Hochsommer. Es ist der 6. Juli 1994. Das Thermometer zeigt fast 30 Grad an. Für den damaligen Bademeister Herbert Kleiss gibt es viel zu tun. Das Bruchköbeler Freibad ist proppenvoll. Kleiss schätzt, dass sich rund 1500 Menschen an diesem Mittwochnachmittag in der Sonne aalen oder in den Becken abkühlen.

Von Thorsten Becker

Doch das Vergnügen endet abrupt. Es ist 14.50 Uhr. Erstes Anzeichen ist ein lautstarker Streit in der Umkleide. Ein Paar streitet sich. Plötzlich hallen fünf Schüsse aus dem Trakt. Einige Badegäste sind entsetzt, rennen zum Ort des Geschehens.

Sekunden später stürzt der 35-jährige Volker H. aus der Umkleide, schießt zweimal in die Luft, um sich einen Fluchtweg zu bahnen. Aus Angst flüchten viele. Zwei mutige Männer ahnen, dass etwas sehr Schlimmes passiert sein muss. Sie rennen H. hinterher und setzen ihre Leben auf Spiel.

Denn H. will, dass ihm keiner folgt. Er dreht sich um und richtet die Waffe auf seine beiden Verfolger, die schnell in Deckung gehen. Dann flüchtet er mit seinem roten Opel in zunächst unbekannte Richtung.

Mörder schießt sich den Weg frei

Im Schwimmbad herrscht derweil helle Aufregung. Viele sind geschockt. Schnell macht das Gerücht die Runde, dass eine Frau ums Leben gekommen ist. Als die ersten Polizisten den Tatort erreichen, wird dies zur traurigen Gewissheit. Die Ehefrau von H. liegt erschossen in der Umkleide. Sie hatte keine Chance, ist von fünf Projektilen getroffen worden und starb auf der Stelle. Tatzeugen sprechen von einer Hinrichtung.

Für die 1500 Besucher endet das Badevergnügen. Während mehrere Augenzeugen von der Mordkommission vernommen werden, müssen alle anderen Besucher weichen. Das Freibad – inzwischen ein Tatort – wird umgehend geschlossen. Stundenlang patrouillieren Streifenwagen sowie Zivilfahrzeuge der Polizei in Bruchköbel und der näheren Umgebung. Die Fahndung nach dem bewaffneten Mörder läuft auf Hochtouren.

Fluchtfahrtzeug wird schnell gefunden

Einige Zeugen berichten kurz darauf von weiteren Schüssen. Doch nirgendwo kommt es zu einem Zwischenfall, ein zeitlicher Zusammenhang wird von den Fahndern zunächst nicht weiter untersucht.Denn die Polizei bekommt einen entscheidenden Tipp. In der Feldgemarkung Niederissigheim steht das verlassende Fluchtfahrzeug.

Darin finden die Ermittler die Tatwaffe, eine großkalibrige Pistole. H. ist offenbar zu Fuß geflüchtet. Staatsanwaltschaft und Mordkommission lösen eine bundesweite Fahndung aus.

Schnell ist das Motiv für die grauenvolle Tat ermittelt: ein tödlicher Ehestreit. Das Neuberger Paar hatte sich drei Wochen vorher getrennt, wie der damalige Leitende Oberstaatsanwalt Albert Farwick bekannt gibt. H. ist ganz legal im Besitz der Waffe, er ist erfolgreiches Mitglied eines Schützenvereins.

Täter nimmt sich kurz nach dem Verbrechen das Leben

Tagelang läuft die Fahndung auf Hochtouren. Doch von dem 35-Jährigen fehlt jede Spur. Er scheint wie vom Erdboden verschluckt. Am 13. Juli unternimmt die Kripo einen erneuten Anlauf, zieht Hundeführer aus Hessen sowie Rheinland-Pfalz zusammen. Doch die vierbeinigen Spürnasen kommen kaum zum Einsatz, den Kriminaloberkommissar Karl-Heinz Mönch von der Mordkommission, der sich an der Suche beteiligt, macht um 10 Uhr eine Entdeckung.

Im vom dichten Gebüsch umwachsenen Krebsbach zwischen Nieder- und Oberissigheim findet er die Leiche des 35-Jährigen, der noch eine weitere Waffe mitgeführt hatte. Mit einer Sportpistole hat er sich offenbar bereits kurz nach dem Verbrechen das Leben genommen. Die Zeugen, die der Polizei von „weiteren Schüssen“ berichtet hatten, sollten recht behalten.

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