Walter Priskalla (rechts) arbeitet schon seit Jahren auf dem Wertstoffhof in Bruchköbel. Doch seit eingen Monaten macht ihm die Arbeit dort keinen Spaß mehr. (Foto: Weber)

Bruchköbel

Arbeit auf dem Wertstoffhof: Wir werden sogar bespuckt

Bruchköbel. Seit auf dem Wertstoffhof in Bruchköbel die Abgabe von Bauschutt, Gartenabfällen und Sperrmüll begrenzt worden ist, ist der Ton auf dem Gelände nicht nur rauer geworden. Den Mitarbeitern des Bruchköbeler Wertstoffhofs ist mittlerweile der Spaß an ihrer Arbeit vergangen.

Von Holger Weber

Oftmals gingen die Beschwerden der Leute auch deutlich unter die Gürtellinie, sagt Walter Pirskalla, einer der Mitarbeiter. „Ein paar Mal sind wir hier sogar schon bespuckt worden“, erzählt er.

Auch sein Kollege Werner Absmeier kann ein Lied davon singen. Einmal wurde er von einer Frau derart beschimpft, dass er Tage gebraucht habe, über die Anfeindungen hinwegzukommen. „Ich war so fertig, dass ich auf dem Heimweg mit dem Auto beinahe einen Unfall gebaut hätte“, erzählt er. Pirskalla und Absmeier arbeiten schon viele Jahre auf dem Wertstoffhof, doch in den vergangenen Monaten haben sie die Lust an ihrer Arbeit verloren, beteuern beide.

Aufkommen von Abfällen steigerte sich

Die Probleme auf dem Wertstoffhof, der in Bruchköbel mitten im Wohngebiet liegt, fingen damit an, dass die Abgabe von Gartenabfällen, Bauschutt und Sperrmüll rückwirkend zum 1. Januar 2016 gebührenfrei wurde. Hintergrund ist der Wechsel der Entsorgungsfirma, die durch eine europaweite Ausschreibung gefunden wurde und ihre Dienste wesentlich günstiger anbietet als das Vorgängerunternehmen.

Weil Kommunen jedoch bei den Müllgebühren nichts verdienen, sondern allenfalls kostendeckend arbeiten dürfen, wurde die Gebühr für den Wertstoffhof abgeschafft. Seitdem steigerte sich das Aufkommen von Abfällen in einem solchen Maße, dass die Stadt die Reißleine zog und eine Annahmebegrenzung einführte. Seitdem dürfen an einem Samstag oder einem Mittwoch nur noch 250 Liter Bauschutt (das entspricht etwa einer Menge von drei mittelgroßen Mörtelkübeln), 500 Liter kompostierbare Gartenabfälle (etwa fünf Papiersäcke) und ein Kubikmeter Sperrmüll (keine Couch, keine Sessel, nur zerlegte Möbel) abgegeben werden. Das sorgt für Ärger. „Viele der Bürger würden viel lieber ein paar Euro Gebühren bezahlen, dafür dann aber ihren gesamten Abfall entsorgen“, weiß Pirskalla.

Mit Tricks den Müll trotzdem loswerden

Der Bruchköbeler Bürgerbund (BBB) glaubt, dass das Müllaufkommen am Wertstoffhof vor allem deshalb gewachsen sei, weil Bürger von außerhalb Bruchköbels nun ebenfalls ihre Abfälle auf dem städtischen Areal abgäben. Deshalb forderte die Fraktion im Rahmen der Verhandlungen zum jüngst verabschiedeten Haushalt 2018 die Wiedereinführung von geringen Gebühren. Allerdings wurde der Antrag mit der Mehrheit der Stimmen der Regierungsparteien CDU und SPD abgelehnt. Pirskalla glaubt nicht , dass Mülltourismus der Grund für die wachsenden Abfallberge ist. Schließlich habe man die Anweisungen der Verwaltung umgesetzt und Ausweiskontrollen vorgenommen. Dies habe viele Bürger ebenfalls sehr verärgert. Die Begrenzung der Abfallmengen habe jedoch teils skurrile Folgen gehabt, berichtet Pirskalla. An manchen Samstagen werde die gesamte Familie für die Transportfahrten eingespannt. „Die Leute umgehen die Begrenzung dann, in dem immer ein anderer Fahrer am Steuer des gleichen Autos sitzt“, erzählt der Mitarbeiter kopfschüttelnd.

Zahl der wilden Müllkippen hat zugenommen

Sein Kollege Absmeier findet die Gebührenfreiheit auf dem Wertstoffhof auch sozial nicht ausgewogen und ungerecht denjenigen gegenüber, die kein eigenes Haus und keinen Garten besäßen: „Denn die müssen die Abfallentsorgung auch für die Hausbesitzer mit ihren Gebühren mitbezahlen.“

Seit der Begrenzung der Abfallmengen habe auch die Zahl der wilden Müllkippen wieder zugenommen, berichten die städtischen Angestellten. Einmal habe er den Grünabfall eines Bürgers, der über die maximale Menge hinausgegangen sei, ein paar hundert Meter weiter in einer öffentlichen Grünanalage gefunden“, sagt Pirskalla. „Da packt man sich nur noch an den Kopf.“

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