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Bruchköbeler „Amtsstube“ im Wartestand

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Von: Holger Weber-Stoppacher

Schon seit 1520 an diesem Standort: Das Alte Rathaus wartet darauf, wieder ein Treffpunkt für die Bruchköbeler zu werden.
Schon seit 1520 an diesem Standort: Das Alte Rathaus wartet darauf, wieder ein Treffpunkt für die Bruchköbeler zu werden. © Mike Bender (2)/ Holger Weber (2)

Bruchköbel – Es ist schon einiges passiert im Alten Rathaus, auch wenn man es beim flüchtigen Blick auf und in das Gebäude nicht gleich erkennt. Das Fachwerk wurde ausgebessert, das Dach ebenso. Innen ist das Gebäude komplett leer geräumt. „Und auch die Küchenplanung ist schon fertig“, sagt Gastronom Christian Holle, während er auf die Baupläne zeigt, die mit Heftzwecken an einem Balken angebracht sind.

Holle ist der künftige Pächter der „Amtsstube“ wie das Lokal mit Biergarten einmal heißen soll.

In der Region ist der Gastronom bekannt. In Großkrotzenburg betreibt er das Wirtshaus am See, in Nidderau das Hannibal, Und zudem managt er auch die Kantine der Sparkasse Hanau. Und noch in diesem Jahr soll auch das „Vorzimmer“ eröffnet werden, das neue Restaurant im Bruchköbeler Stadthaus.

Führung beginnt oben

So richtig losgehen soll es nach dem 10. Juli, hofft der Unternehmer – nach der offiziellen Einweihung des neuen Stadthauses. Mit diesem Tag sollen dann auch wieder Kapazitäten frei werden, die im Bruchköbeler Bauamt während der vergangenen zwei Jahre durch das Megaprojekt Innenstadtumbau gebunden waren. An eine Eröffnung in diesem Jahr glaubt Holle jedoch nicht mehr: Sein Ziel: der 1. Mai 2023. Bis dahin muss im Haus die Elektrotechnik, die Heizung sowie die gesamte Gebäudetechnik erneuert werden. Mehr als eine Millionen Euro investiert die Stadt Bruchköbel in die Sanierung des alten Gemäuers. Holle schätzt seinen eigenen Investitionsbedarf auf etwa 650 000 Euro. Er stellt das Interieur wie Küche, Kühlräume und die Möbel.

Die Führung durch die künftige Amtsstube beginnt der Unternehmer im obersten von drei Geschossen. Hier, wo vor nicht allzu langer Zeit noch die Ausstellungsstücke des Heimatvereins standen, soll die Gaststube entstehen, die in Windeseile auch in ein Trauzimmer umgewandelt werden könne, berichtet er und öffnet das Fenster zur Kirche hin. „Die Brautpaare können beim Ja-Wort direkt auf die Kirche blicken.“

Das Obergeschoss soll noch weiter entkernt werden, neue Sichtachsen werden sich auftun. Einziges Manko: Barrierefreiheit wird es dort nicht geben. Ein Aufzug, wie er anfangs einmal geplant war, wäre zu teuer und ist auch vom Denkmalschutz nicht genehmigt worden. Im mittleren Stock werden die Küche und der Bereich für die Angestellten mit Toiletten und auch Duschen entstehen. Und natürlich wird die Küche dort ertüchtigt. Groß ist sie nicht, aber dadurch, dass die Kühlräume ausgelagert werden, werde sie groß genug sein, so der Gastronom. Muss sie auch sein. Denn bei vollem Haus könnten oben in der Gaststube, im Gewölbekeller und im Biergarten mehr als 300 Personen auf einmal bewirtet werden. Aus dem Gewölbekeller wurden die schweren Holzmöbel entfernt. Der Putz, der derzeit das Ziegelgemäuer verdeckt, soll runter, damit das Gewölbe seinen ursprünglichen Charakter wiedererlangt. Schmale und leichte Möbel sollen genügend Platz und Sitzkomfort schaffen.

Der größte Gastbereich wird der Biergarten sein, der auch bei schlechtem Wetter jede Menge trockene Plätze bietet. Das ehemalige Obsthaus Beller bleibt bestehen, zumindest die Dachkonstruktion, die Außenwände jedoch müssen weichen, damit die Gäste eine freie Sicht auf die Straße, und die Menschen von der Straße in den Biergarten blicken können. Sehen und gesehen werden, gilt auch in Bruchköbel. Eine große Theke unter dem Pavillon sorgt für kurze Wege bei Kunden und Bediensteten. Die öffentliche Toilette, die derzeit noch zwischen Altem Rathaus und Obsthaus Beller steht, fällt ebenfalls der Abrissbirne zum Opfer. Ersetzt wird sie durch eine barrierefreie kleinere Toilette.

Stadthaus-Restaurant heißt „Vorzimmer“

Synergien kann Holle als Pächter der „Amtsstube“ und des „Vorzimmers“ im Stadthaus im personellen Bereich erzielen. Je nach Bedarf könne er die Mannschaft von einem an den anderen Platz verschieben. Das Speiseangebot ist jedoch Ergebnis unterschiedlicher Konzepte. In der Amtsstube wird es eher gutbürgerlich sein, im Stadthaus regiert die Vielfalt. Genauer will Holle noch nicht werden. Verrät aber, dass er das schon bestehende kulinarische Angebot in der Stadt ergänzen möchte. „Damit können auch alle anderen gut und gerne leben“, ist er auf gute Nachbarschaft aus. Das „Vorzimmer“ soll noch in diesem Sommer eröffnet werden. (Von Holger Weber)

Der Innenhof: Hier soll sich im Sommer das Leben abspielen. Platz für rund 200 Gäste.
Der Innenhof: Hier soll sich im Sommer das Leben abspielen. Platz für rund 200 Gäste. © -
Blick aus dem Trauzimmer: „Die Brautleute werden direkt auf die Kirche blicken“, sagt Christian Holle.
Blick aus dem Trauzimmer: „Die Brautleute werden direkt auf die Kirche blicken“, sagt Christian Holle. © -
Der Gewölbekeller: Der Putz soll runter, damit der Gastraum sein ursprüngliches Flair zurückbekommt.
Der Gewölbekeller: Der Putz soll runter, damit der Gastraum sein ursprüngliches Flair zurückbekommt. © -

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