Aus nächster Nähe ist im Januar 1993 ein Krankenpfleger in Bruchköbel erschossen worden. (Symbolbild: Pixabay)

Bruchköbel

5000 D-Mark an den Killer gezahlt

Bruchköbel. Ein grauenvolles Verbrechen hat die Stadt vor 25 Jahren in Atem gehalten. Weil er seinen Nebenbuhler aus den Weg räumen wollte, heuerte ein damals 27-jähriger Mann aus Gründau einen Auftragskiller an.

Von Thorsten Becker

Dass die Bluttat mit abgrundtiefer Heimtücke schließlich geklärt und die Schuldigen von der Justiz bestraft wurden, ist der akribischen Arbeit der Hanauer Mordkommission zu verdanken.

Lindenalle, kurz nach dem Jahreswechsel 1992/93: Freunde wollen den 26-jährigen Krankenpfleger besuchen. Doch die Tür ist verschlossen. Dann machen sie eine grauenvolle Entdeckung: Der junge Mann liegt in seiner Wohnung. Jede Hilfe kommt zu spät. Er wurde aus nächster Nähe durch einen Kopfschuss getötet.

Opfer hatte keine Feinde

Die sofort eingesetzte Mordkommission unter Leitung des damaligen Ersten Kriminalhauptkommissars Jürgen Grede steht jedoch vor einem Rätsel. Das Opfer, am Hanauer Stadtkrankenhaus beschäftigt, ist bei seinen Kollegen beliebt – Feinde sind weit und breit nicht auszumachen.

„Hinweise auf ein mögliches Motiv oder gar einen Täter sowie gesicherte Erkenntnisse über den Tatablauf liegen der Kripo nach eigenen Aussagen bisher nicht vor“, meldete der HANAUER ANZEIGER am 4. Januar 1993.

Kripo tappt im Dunkeln

In den Tagen und Wochen nach der Tat stochern die Kriminalbeamten weiter im Nebel. Niemand hat etwas Verdächtiges gesehen, von der Tatwaffe, einer Kleinkaliberpistole, fehlt jede Spur. Die Ermittlungen verlaufen im Sande. Es dauert fast vier Jahre, bis der mysteriöse Bruchköbeler Mordfall geklärt wird. Denn die Hanauer Mordkommission hat nicht locker gelassen. Die Spuren führen schließlich nach Linsengericht, Hanau, Gründau und nach Dieburg.

In Hanau setzt die Mordkommission im Dezember 1996 ein Sondereinsatzkommando (SEK) ein, um den Killer zu stellen: Ein 27-Jähriger Kroate wird überwältigt und festgenommen.

Drahtzieher schon polizeilich bekannt

Keine Eile haben die Kriminalisten dagegen, den Drahtzieher und Auftraggeber des Mordes zu verhaften. Sie müssen nur nach Dieburg fahren: Dort sitzt der ebenfalls 27-jährige Gründauer bereits wegen Drogendelikten in der Justizvollzugsanstalt. Drei weitere Male klicken dann die Handschellen: Männer aus dem „Dunstkreis“ des Gründauers werden verhaftet.

In den Geständnissen kommt dann die schreckliche Wahrheit ans Licht: Die Liebe des 26-jährigen Bruchköbelers zur ehemaligen Freundin des Gründauers ist Hintergrund des Mordauftrags.

Killer über Mittelsmann angeheuert

Zunächst versucht der Drahtzieher, einen 31-Jährigen mit dem Mord an seinem Nebenbuhler zu beauftragen. Doch dieser lehnt den blutigen Job ab.

Über einen Mittelsmann wird dann der Kroate angeheuert, der für 5000 D-Mark den Mord ausführt. Der Killer geht besonders perfide vor: Er ist vorbestraft und muss gemeinnützige Arbeit ableisten. Das macht er auch – am Stadtkrankenhaus in Hanau. Und dort kundschaftet er die Lebensumstände seines späteren Opfers aus. Kurz nach Neujahr klingelt er dann an der Wohnungstür – und erschießt den 26-Jährigen kaltblütig.

Fünf Jahre nach der Tat fällt das Urteil

Die Schwurgerichtskammer am Hanauer Landgericht fällt dann im Juli 1998 ihre Urteile: Wegen Anstiftung zum Mord aus Heimtücke und Habgier wird der Auftraggeber aus Gründau zu 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Der Killer selbst bekommt nur 13 Jahre Haft, weil er nach Ansicht der Richter nach zwei durchzechten Nächten vermindert schuldfähig war.

Auch die Mittäter werden verurteilt. Der damals 29-jährige Mittelsmann, der den Killer anheuerte und ihn mit der Adresse sowie einem Foto des Opfers versorgte, wurde wegen Beihilfe zum Mord sieben Jahre hinter Gitter geschickt, der Überbringer der Tatwaffe, ein junger Mann aus Linsengericht, erhielt 18 Monate Haft auf Bewährung. Selbst der 31-Jährige, der den Mordauftrag abgelehnt hatte, muss eine Geldstrafe zahlen – weil er als Mitwisser das geplante Verbrechen nicht angezeigt hatte.

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