Ärger unter Kleingarten-Pächtern

Zoff in NRW-Großstadt eskaliert: Wenn der Pool im Kleingarten zum Zankapfel mutiert

  • Simon Stock
    vonSimon Stock
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Sommer, Sonne, Hitze. Was gibt es da Schöneres, als sich ins kühle Wasser zu setzen? Heim-Pools werden immer beliebter. Doch nicht überall ist das eigene Mini-Schwimmbad gern gesehen. In einer Großstadt tobt der Kampf um ein Pool-Verbot in Kleingarten-Anlagen.

  • In Dortmund* tobt ein Kampf um ein Verbot von Pools in Kleingarten-Anlagen.
  • Der Kleingarten-Verband will nur noch Mini-Planschbecken erlauben.
  • Die Kleingärtner in Dortmund wehren sich.

Hamm - Das Thermometer steht bei 35 Grad, der Schatten bringt keine Abkühlung, der Wind steht still. Deutschland ächzt unter einer Hitzewelle. Wenn nichts mehr hilft, hilft nur noch der Sprung ins kalte Wasser. Doch Freibäder sind nur mit Mühe zu erreichen und in Corona-Zeiten oft schon ausgebucht. Wohl dem, der einen eigenen Pool im Garten oder Kleingarten hat.

Kleingärten in Deutschland
Anzahl:893.000
Nutzer:etwa 5 Millionen
Vereine:Rund 14.000 in Deutschland in 537 Regionalverbänden
Dachverband:Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG)

Pool im Kleingarten: Kampf um Verbot in Dortmund

Immer mehr Deutsche setzen daher im Kleinformat auf den ganz persönlichen Pool im Garten oder in der Kleingarten-Anlage. Er ist schnell aufgestellt und bedarf (sofern er nicht mehr als 50 Kubikmeter Wasser fasst) keiner Genehmigung, er gehört ihnen ganz allein und er ist immer schnell erreichbar. Wer keinen Pool hat und trotzdem das kühle Nass sucht, kann alternativ auch an einen See fahren. In NRW gibt es eine Reihe schöner Badeseen*, die Abkühlung von der Hitze versprechen.

Eltern wissen: Kaum etwas macht Kinder im Sommer glücklicher als ein Wasserbecken. Doch nicht überall ist ein Pool gerne gesehen. Wer den Garten nicht hinter seinem Haus hat, sondern in einer Kleingarten-Anlage, kann großen Ärger bekommen. In einer Großstadt sollen sie nun sogar ganz verboten werden, schreibt WA.de*.

Verband verbietet Pools im Kleingarten - Pächter sind sauer

In Dortmund haben die Pächter Post vom Stadtverband Dortmunder Gartenverein bekommen, die für hitzige Diskussionen sorgt. Der Verband verbietet Pools in den fast 120 Kleingärten der NRW-Metropole. Innerhalb von 14 Tagen seien sie abzubauen. Die Kleingarten-Nutzer sind sauer, denn viele haben sich erst in diesem Jahr einen Pool gekauft. Wegen der Corona-Krise waren die Freibäder lange geschlossen; jetzt sorgen heruntergesetzte Besucherkapazitäten für lange Gesichter bei kurzentschlossenen Badewilligen.

Wohl dem, der einen eigenen Pool hat. Doch nicht überall ist er gerne gesehen. In Dortmunder Kleingärten tobt ein Kampf um ein Verbot der Mini-Becken.

Der Dachverband der Dortmunder Kleingärten begründet sei Verbot so: Erstens sei Leitungswasser gemäß Gartenordnung sparsam zu verwenden. Zweitens gefährde das in Pools enthaltene Chlor das Grundwasser. Nur kleine Planschbecken mit maximal 1,50 Meter Durchmesser sind daher erlaubt. Wer sich dennoch ein größeres in sein Gartenstück stellt, dem droht der Rauswurf. Die Sorge des Verbands: Greift er jetzt nicht ein, stehen künftig in tausenden Kleingärten ein großer Pool.

Kampf um Pool-Verbot: Kleingarten-Pächter starten Petition

Die Kleingarten-Pächter in Dortmund halten die Argumente für Unsinn. Dank guter Filteranlagen sei Chlor kein Problem. Außerdem sei der Wasserverbrauch bei den erlaubten Klein-Planschbecken durch ständiges Wasserwechseln deutlich höher als bei größeren Pools. Sie gehen daher gegen das Pool-Verbot auf die Barrikaden. Sie haben eine Petition online gestellt und rohen mit rechtlichen Schritten, sofern der Stadtverband Dortmunder Gartenverein nicht einlenkt.

Das Bundeskleingartengesetz (BKleingG) ist den Dortmunder Kleingarten-Nutzern keine Hilfe. Es regelt Grundsätzliches wie Begrifflichkeiten, Zweckbestimmung und Gemeinnützigkeit, doch von Pools geschweige denn Pool-Größe ist darin keine Rede. Auch die Gartenordnung von Dortmund schweigt sich zum Thema aus. Allerdings ist darin geregelt, dass Leitungswasser „grundsätzlich sparsam zu verbrauchen“ ist. „Bei Missbrauch, insbesondere wenn keine Einzelkontrollen möglich sind, ist der Vorstand berechtigt, die Wasserzufuhr abzusperren.“

Dortmunder Gartenverein-Chef gelassen:

Jürgen Mohr, Vorsitzender des Stadtverbands Dortmunder Gartenverein, sieht dem Entrüstungssturm gelassen entgegen. „Das sind vielleicht 2 Prozent der Gartenbesitzer, die das kritisieren, die übrigen 98 Prozent sind auf unserer Seite“, sagte er den Ruhr Nachrichten und heizte den Konflikt noch an: „Wer wegen des Pool-Verbots seinen Garten kündigen möchte, der soll das tun. Es stehen zehn Interessenten bereit, die den Garten dann liebend gerne übernehmen würden - auch ohne Pool.“

Es ist nicht das erste Mal, dass der Stadtverband der Dortmunder Gartenvereine mit einem Verbot* die Stimmung bei vielen Pächtern in den Keller treibt. Gerade Familien fühlten sich vor den Kopf gestoßen. In der benachbarten Großstadt Hamm sieht man Pools in Kleingärten* etwas lockerer - doch auch dort gibt es Kritik.

Vor allem bei enormer Hitze ist ein Planschbecken aus dem Garten nicht wegzudenken. Doch können mir Anwohner oder der Vermieter den Badespaß verderben? - *WA.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

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