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Routen, Sicherheit, Preise: Wie wirkt sich der Ukraine-Krieg auf Reisen aus? 

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Von: Franziska Kaindl

Der Ukraine-Krieg löst auch Unsicherheit bei Reisenden aus: Soll ich noch in den Urlaub fliegen? Sind Reisen in Europa sicher – oder überhaupt moralisch vertretbar?

Solche und andere Fragen stellen sich aktuell viele Menschen, die einen Urlaub geplant haben. Auch die Reisebranche selbst kann nur spekulieren, wie die Situation in der Ukraine sich auf das Reisejahr 2022 auswirkt. Nachdem die Bundesregierung alle Länder von der Corona-Hochrisikogebietsliste gestrichen* hatte, standen die Vorzeichen dafür eigentlich ganz gut. Aber inwiefern der Krieg nun „die nach zwei Jahren sehr große Reiselust der Deutschen beeinflussen wird, vermag niemand zu sagen“, so Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV) laut der Augsburger Allgemeinen.

Was gilt für Reisen in die Ukraine?

Das Auswärtige Amt warnt aufgrund der Kampfhandlungen und Raketenangriffe vor Reisen in die Ukraine. Deutsche Staatsangehörige werden dringend dazu aufgefordert, das Land zu verlassen. Der Luftraum ist vorübergehend geschlossen. Eine Evakuierung durch deutsche Behörden sei derzeit nicht möglich. Auch vor Reisen nach Russland warnt das Auswärtige Amt – vordergründig zwar wegen der Corona-Pandemie –, doch auch nach Südrussland und in die Grenzregionen zur Ukraine solle man sich nicht begeben. Gewarnt wird zudem vor Reisen nach Belarus – die Grenzübergänge zur Ukraine seien geschlossen. Zudem wurden zusätzliche Kontrollmaßnahmen an den Grenzübergängen zu Litauen, Polen und Lettland angekündigt.

Gleichzeitig steht aber für manche Reiseanbieter fest: „Diese Fragen stehen gerade im Hintergrund. Es sterben in der Ukraine Menschen, Menschen, die man kennt, Hunderttausende müssen fliehen, das ist es, was gerade wichtig ist“, sagt zum Beispiel Marten-Lange Siebenthalter vom Reiseveranstalter Dreizackreisen, der auf Reisen nach Osteuropa spezialisiert ist, laut Deutsche Welle (DW). Der Tourismus in der Region sei zudem bereits 2014, bei der Annektion der Krim durch Russland, zusammengebrochen.

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Welche Auswirkungen hat der Ukraine-Krieg auf Asien-Reisen?

Abgesehen davon kann der Ukraine-Krieg sich aber auch auf Reisende auswirken, die gar nicht in der Region Urlaub machen wollen. Die EU hat den europäischen Luftraum für russische Flugzeuge am 26. Februar gesperrt, weder Überflug noch Landung sind erlaubt. Als Reaktion darauf hat auch Russland seinen Luftraum für zivile Flugzeuge aus Deutschland und 35 anderen Staaten gesperrt. Für Fluggesellschaften bedeutet diese Sperrung des Ost-West-Flugkorridors eine zusätzliche Belastung: „Flüge nach Fernost, die üblicherweise über Russland fliegen, nehmen Umwege über alternative Routen. Das führt zu längeren Flugzeiten und längeren Routen. Die wiederum erhöhen den Kraftstoffbedarf und damit die Kosten für die Airlines“, sagt Wolf-Dietrich Kindt, Leiter Strategie und Kommunikation beim Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) laut DW.

Aktuellen Informationen zufolge würden Flüge nach Japan, Südkorea oder China hauptsächlich über die Türkei umgeleitet werden, wie das Online-Portal Reisereporter berichtet. Für Flugreisende bedeutet das konkret: Flugtickets nach Fernost könnten in Zukunft teurer werden. „Umwege, beziehungsweise längere Flugstrecken bedeutet einen höheren Verbrauch von Kerosin, die sich auf die Preise auswirken werden“, erklärt Michael Trinkwalder von A3M, einem Dienstleister für Frühwarninformationen für Reisen weltweit, dem Portal. Wer aber bereits ein Ticket gebucht hat, muss in der Regel nicht mit einem nachträglichen Preisaufschlag rechnen, so Karolina Wojtal vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland, laut Reisereporter. Ihrer Erfahrung nach seien die dafür notwendigen Preisanpassungsklauseln nicht in den Vertragsbedingungen von Flugtickets enthalten.

Ukraine-Krieg: Wie sicher sind Reisen aktuell?

Die Europäische Luftsicherheitsbehörde (EASA) hat für den gesperrten Luftraum der Ukraine sowie die Republik Moldau und Belarus Warnungen an Fluggesellschaften herausgegeben. Die Behörde empfiehlt den Airlines, bei Flügen mindestens 370 Kilometer Abstand zu den ukrainischen Grenzen zu halten. Grund dafür sei die Bedrohung durch Raketenstarts in die und aus der Ukraine. Sofern aber nicht über das Konfliktgebiet geflogen werde, sei nicht von einer höheren Gefahr auszugehen als sonst.

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Ist ein Urlaub derzeit moralisch vertretbar?

Täglich erreichen Menschen weltweit neue Bilder aus den umkämpften Gebieten in der Ukraine, tausende Flüchtlinge kommen auch nach Deutschland. Da fragen sich viele: Kann ich aktuell überhaupt guten Gewissens in den Urlaub fahren? Zumindest sei es laut Psychologin und Reisebloggerin Barbara Horvatis-Ebner „einfach nicht gesund, sich 24 Stunden am Tag mit Kriegsberichterstattung auseinandersetzen und von seinen Ängsten überrollt zu werden“. Gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) erklärt sie: „Alles, was Menschen hilft, mit Situationen umzugehen, ist legitim, wenn es anderen nicht schadet.“ Denn vielen Menschen würde es helfen, sich mit schönen Urlaubsbildern auf Instagram oder anderen Dingen, wie Kochen, Freunde treffen – oder eben der Urlaubsplanung – von den dramatischen Bildern abzulenken. Gerade mit der Corona-Pandemie und seinen Lockdowns und Verboten sowie durch Naturkatastrophen, wie das Hochwasser im Ahrtal, haben sich Gefühle der Hilflosigkeit bei Menschen angestaut. Auch das Fernweh ist bei vielen dadurch groß – und laut Antje Monshausen, Leiterin der Arbeitsstelle Tourism Watch von Brot für die Welt, sei es weder aus persönlicher noch wirtschaftlicher Perspektive sinnvoll, auf Reisen zu verzichten: „Es ist in der aktuellen Situation wichtig, Solidarität zu zeigen, sich privat zu engagieren und zu spenden. Aber das hat nichts mit dem Wunsch nach Reisen zu tun. Von einem generellen Reiseverzicht profitiert niemand“. (fk) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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