Wechseljahre als Risikofaktor

Schützt „Frauenhormon“ vor Covid-19? Studie kürt Östrogen nun zum Coronaviren-Schutzwall

  • Juliane Gutmann
    vonJuliane Gutmann
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Bei Frauen beobachten Ärzte seltener schwere Coronavirus-Infektionen als bei Männern. Ein Forscherteam untersuchte jetzt, welche Rolle das Hormon Östrogen spielt.

  • An Covid-19 können Frauen und Männer gleichermaßen erkranken. Doch bei Männern nimmt die Lungenkrankheit häufiger einen lebensbedrohlichen Verlauf.
  • Als Ursache diskutieren Mediziner ein besseres Immunsystem der Frauen und einen höheren Östrogenspiegel.
  • Ein Faktor, der für Letzteres spricht: Bei Frauen in den Wechseljahren erhöht sich das Risiko schwerer Covid-19-Verläufe*.

Weltweit zeigt sich, dass sich Männer und Frauen zwar gleichermaßen häufig mit dem Coronavirus anstecken: Bei Männern nimmt Covid-19 aber häufiger einen tödlichen Verlauf. So liegt die Verteilung der Sterberaten bei einem Drittel zu zwei Dritteln, wie die Pharmazeutische Zeitung (PZ) meldete. „Wir sehen das auch hier in Deutschland. Wir haben sehr viele männliche Patienten“, zitiert die PZ Professor Dr. Clemens Wendtner, Chefarzt der Klinik für Infektiologie an der München Klinik Schwabing. Warum Männer häufiger einen schweren Verlauf erleiden, ist noch nicht abschließend geklärt. Eine mögliche Erklärung: Frauen pflegen einen gesünderen Lebensstil, der sie weniger anfällig macht für chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes - welche wiederum als Covid-19-Risikofaktoren gelten. Ebenfalls eine mögliche Ursache: Männer gehen häufig ungern zum Arzt - und können so eine Covid-19-Infektion verschleppen. Auch der höhere Östrogenspiegel bei Frauen wird von Forschern als möglicher Schutzfaktor diskutiert.

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Hoher Östrogenspiegel senkt das Risiko eines tödlichen Covid-19-Verlaufs

Kommen Frauen in die Wechseljahre, sinkt ihr Östrogenspiegel - und gleichzeitig steigt die Gefahr, schwer an Covid-19 zu erkranken. Britische Forscher am King‘s College London befassten sich in einer aktuellen Studie mit diesem Zusammenhang. Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler nach der Datenanalyse von mehr als 500.000 Britinnen unterschiedlichen Alters: Der sinkende Östrogen-Spiegel bei Frauen mittleren Alters führt dazu, dass die Covid-19-Symptome sehr viel schwerer im Krankheitsverlauf auftreten als bei anderen Patienten. Eine Hauptursache sei weniger Östrogen im Körper - ein Geschlechtshormon, das unter anderem den Monatszyklus reguliert.

Frauen zwischen 18 und 45 Jahren, die regelmäßig die Anti-Baby-Pille einnahmen, berichteten in der Studie von eher milden Covid-19-Symptomen. Auch Frauen dieses Alters, die aufgrund von Wechseljahresbeschwerden eine Hormonersatztherapie machten, litten selten an schweren Coronavirus-Infektionen. Ältere Frauen in der Menopause dagegen berichteten häufiger von schweren Covid-19-Verläufen und mussten auch häufiger im Krankenhaus behandelt werden. Die These der britischen Forscher: Die Anti-Baby-Pille und auch eine Hormonersatztherapie könnten schützende Wirkung entfalten und Frauen vor schwerem Covid-19 bewahren. Allerdings erhöht die Einnahme solcher Präparate auch das Thromboserisiko und auch die Psyche kann leiden, wenn Frauen Hormone einnehmen. Inwiefern positive Effekte solcher Arzneimittel gesundheitliche Risiken überwiegen, müsse noch weiter erforscht werden, so die Studienleiter in ihrer im Fachblatt medRxiv veröffentlichten Studie.

Eine US-Studie kommt nun zu einem erschreckenden Ergebnis: Demnach ist das Coronavirus wohl tödlicher als die spanische Grippe. Dagegen mussten südkoreanische Forscher ihre ersten Erkenntnisse zur Ansteckungsgefahr durch Kinder revidieren. (jg) *Merkur.de gehört zum deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk. Quellen: www.rki.de, www.pharmazeutische-zeitung.de

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Rubriklistenbild: © Clara Margais/dpa

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