Die spanische VW-Tochter Seat hat die größte CNG-Flotte. Leon, Arona, Ibiza und sogar den kleinen Mii gibt es mit dem alternativen Antrieb.
+
Die spanische VW-Tochter Seat hat die größte CNG-Flotte. Leon, Arona, Ibiza und sogar den kleinen Mii gibt es mit dem alternativen Antrieb.

Seat Arona im Check

Sind Erdgas-Autos wirklich sparsamer und umweltfreundlicher?

  • Rudolf Bögel
    vonRudolf Bögel
    schließen

Ist Erdgas die Lösung im Straßenverkehr? Klimafreundlicher und noch dazu sparsamer? Wir haben den Seat Arona CNG getestet, den ersten Erdgas-SUV auf dem Markt. Ein Check mit Tücken.

  • Der Seat Arona TGI ist das erste Erdgas-SUV auf dem Markt.
  • Erdgas-Autos versprechen umweltfreundlicher und sparsamer zu sein.
  • Wir haben den Seat auf Herz und Nieren geprüft.

So funktioniert der Antrieb mit Gas beim Seat Arona TGI

Gas geben mit Gas. Das ist eine ganz neue Erfahrung beim Autofahren. Also erst einmal zurück auf die Schulbank. Wir lernen, natürlich per Fern-Unterricht und per Google: CNG heißt "Compressed Natural Gas". Wie der Name schon sagt, handelt es sich um echtes Naturgas, das aus den Tiefen der Erde gefördert und komprimiert wurde, dann via Zapfsäule in den Tank kommt. Ganz im Gegensatz zum LPG, "Liquified Petroluem Gas", also Gas, das unter Druck verflüssigt wurde. Es fällt bei der Raffinierung von Erdöl und ist ein reines Nebenprodukt.

Wer nicht weiß, wohin er schauen muss, findet keinen Unterschied zwischen dem herkömmlichen Arona und dem Gas-Arona. Nur hinten auf dem Heck verraten die drei Großbuchstaben TGI, dass es sich um ein ganz spezielles Auto handelt. Und auch beim Tacho merkt man einen feinen aber entscheidenden Unterschied. Hier zeigt das Kombi-Instrument gleich zwei Reichweiten an. Mit Gas kommt man vollgetankt 300 Kilometer weit, mit Benzin weitere 100 Kilometer, sagt uns das Display.

Und noch mal zurück in die Schule zur nächsten Lektion. Der Arona verfügt über einen ganz normalen Motor, der mal mit Gas und mal mit Benzin läuft. Das heißt: Erst wird das Gas verbrannt, dann das Benzin. Man hat gar keine andere Wahl, alles läuft automatisch. Da muss nichts umgeschaltet, geschweige denn ein Hebel umgelegt werden. Auf diese Weise schafft das Zwitterwesen auf zwei Rädern über 400 Kilometer Reichweite. Mehr als das, was die meisten Elektroautos so zu bieten haben.

Sieht aus wie ein Seat Arona, ist ein Seat Arona: Aber unter der Motorhaube ist der TGI ein Zwitter. Er verbrennt sowohl Gas als auch Benzin.

Klingt zunächst nicht ganz so schlecht, hat aber einen Pferdefuß - denn es gibt nur wenig CNG-Tankstellen. Etwa 850 in ganz Deutschland. Das ist grundsätzlich schon mal zu wenig. Vor allem, aber, wenn man alle 300 Kilometer eine braucht. Muss man aber, wenn man ausschließlich mit Gas - und dadurch umweltbewusst unterwegs sein will. Die neun Liter Benzin im Tank sollen ja nur für den Notfall da sein.

Seat Arona TGI: Wie umweltbewusst ist das Gas wirklich?

VW-Tochter Seat, die mit Leon, Ibiza, Mii und Arona die meisten CNG-Autos aller Hersteller im Angebot hat, behauptet: "CNG-betriebene Motoren emittieren im Vergleich zu anderen Verbrennungsmotoren bis zu 25 Prozent weniger CO2 und bis zu 95 Prozent weniger Stickoxide (NOx). Zudem werden im direkten Vergleich kaum Rußpartikel ausgestoßen." Und auch der ADAC bestätigt: "Bei der Verbrennung entstehen zumeist weniger Schadstoffe als bei Benzin- und vor allem Dieselkraftstoff. Das größte Plus von Erdgas ist die Reduzierung des Treibhausgases CO2 um circa 20 Prozent im Vergleich zu Benzin."

Damit ist das von "Fridays for future" stark in Mitleidenschaft gezogene Umwelt-Gewissen schon mal beruhigt. Also nichts wie rein in den Mini-SUV, der aber eigentlich nichts anderes ist als ein höher gelegter Kleinwagen.

SUV oder nicht SUV - das ist hier die Frage. Eher nicht: Allradantrieb hat der Arona nicht, nur eine um fünf Zentimeter erhöhte Sitzposition und die entsprechend bullige Optik.

Seat Arona TGI: So macht sich das Erdgas-Auto bei der Fahrt und beim Tanken

Und los geht's. Eher schleppend. Der 1,0-Liter-Motor mit seinen 90 PS ist ein eher schmalbrüstiges Bürschchen. Egal ob gerade Benzin oder Gas verbrannt wird. Allerdings bilden wir uns ein, dass das CNG-Modell einen Tick lauter ist. Die Sprintwerte sind gefühlt ordentlich, das Drehmoment von 160 Nm liegt relativ früh an, so dass man sie wie in einem Diesel fühlt. Das heißt aber auch schalten, schalten, schalten, denn nach oben hin, wird die Leistung dünn. Gefühlt flott, von den Werten her aber eher lahm: Mit 13,2 Sekunden von 0 auf Tempo 100 ist der Arona nicht gerade ein Sprinter.

Aber darum geht es ja auch nicht. Neben seiner Umweltfreundlichkeit soll uns der Seat Arona TGI ja mit seiner Sparsamkeit überzeugen. Beim Tanken fängt es schon an. Hier langt der Staat wesentlich weniger stark hin als bei Benzin und Diesel. Bis Ende 2023 sind es gerade mal 17,79 Cent Steuern pro Kilogramm. Dann steigt der Obolus stufenweise an, ab 2027 werden dann 40,70 Cent fällig. Die staatliche Subvention ist quasi die Belohnung dafür, dass so ein Erdgasauto weniger CO2 produziert. Im Augenblick kostet das Kilo Erdgas so zwischen 1,10 und 1,16 Euro. Damit ist es deutlich billiger als Benzin oder Diesel. Und es bietet aufgrund der höheren Energiedichte auch mehr Leistung. Mit einem Kilo CNG kommt man so weit wie mit 1,44 Liter Benzin oder 1,28 Liter Diesel. Rein rechnerisch.

Gas tanken ist genauso einfach wie bei Benzin oder Diesel. Die Zapfpistole muss nur in der Tank-Kupplung arretiert werden, schon wird das komprimierte Gas in die Stahltanks gepumpt.

Apropos Tanken. Ab dem Zeitpunkt, an dem man eine Zapfstelle gefunden hat, ist das Tanken auch nicht komplizierter als bei herkömmlichen Treibstoffen. Rüssel rein in die Kupplung, arretieren, fertig. Ist der Tank voll, einfach wieder den Hebel umlegen und raus mit dem Rüssel. Allenfalls das Geräusch, wenn die letzten paar Hundertgramm stotternd nachgeladen werden, klingt komisch und verstörend. Man gewöhnt sich dran.

Ebenfalls spannend: eSprinter von Mercedes im Test: So gut ist der elektrische Lastesel.

Seat Arona TGI im Verbrauch: Herstellerangaben nicht erfüllt

Aber nun zum Testverbrauch, der bei kühlen frühwinterlichen Temperaturen ermittelt wurde. Mit den angegebenen 3,9 Kilogramm pro 100 Kilometern (neue WLTP-Norm) sind wir überhaupt nicht ausgekommen. 5,5 Kilogramm waren es im Schnitt. Was sich bei einem Kilo-Preis von 1,16 Euro auf 6,40 Euro Treibstoffkosten pro 100 Kilometer summiert hat. Das ist nicht gerade wenig.

Vergleicht man das mit dem privat gefahrenen vier Jahre alten Seat Leon ST - dann überwiegt der Vorteil des CNG-Autos zwar, aber überzeugt nicht restlos. Denn mit dem Mini-Benziner (1,2 Liter Hubraum) brauchen wir im Schnitt auch nur 5,7 Liter und damit rund 7,50 Euro auf 100 Kilometern.

Wenn man dann noch mitrechnet, dass ein CNG-Arona (Ausstattung Style) in der Anschaffung mit 20.320 Euro um knapp 1.000 Euro teurer ist als sein konventioneller Kollege, dann muss man schon ein ausgesprochener Vielfahrer sein um hier einen deutlichen Effekt zu spüren. Höhere Wartungskosten fallen nicht an, beim TGI muss nur die Gasprüfung zusätzlich gemacht werden. Die kann der Einfachheit halber mit der Hauptuntersuchung (HU) für eine Zusatzgebühr von 20 Euro extra erledigt werden. Die Inspektionskosten sind genauso hoch wie bei einem reinen Benziner.

Lesen Sie auch: Neues Renntier für Santa: Superschlitten McLaren 720 S Spider im Fahrtest.

Fazit zum Seat Arona TGI: Wie umweltfreundlich und sparsam ist er wirklich?

Wer ein gutes grünes Gewissen als sanftes Ruhekissen braucht, für den rentiert sich der Umstieg auf so ein CNG-Auto auf alle Fälle. Wer es nur aufs Sparen anlegt, der wird unter Umständen enttäuscht. Außerdem ist die häufige Tankerei mühselig. Es passen halt nur 13,8 Kilogramm in den Tank. Bei unserer Testfahrt war er deshalb schon nach 270 Kilometern leer. Dazu kommt, dass der Kofferraum dadurch schrumpft. 120 Liter weniger - da bleiben nur noch karge 245 Liter übrig. Gerade mal tauglich für eine Kleinfamilie.

Beim TGI schrumpft der Kofferraum um 120 Liter auf 245 Liter. Das ist wenig, reicht allenfalls für eine Kleinfamilie mit einem Kind.

Alles in allem ist der Erdgas-Seat zwar eine echte Alternative zu Benzin-, Diesel- und Elektrofahrzeugen. Umweltfreundlicher auf alle Fälle, jedoch kaum sparsamer. Eine wirklich Lösung der Mobilitäts-Misere bietet er aber nicht.

Lesen Sie auch: Erste Fahrt im neuen Ford Puma - noch nie war er schöner und praktischer.

Rudolf Bögel

Warnleuchten im Auto und was sie bedeuten

Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Plötzlich blinkt und leuchtet es im Cockpit! Die Symbole und Kontrolllichter am Armaturenbrett zeigen an, ob dem Auto technisch etwas fehlt. Allerdings, ist es wichtig zu wissen, was die Lämpchen bedeuten. Hier die wichtigsten Kontrollleuchten im Auto: © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Motoröldruck zu niedrig. Motor abstellen. Ölstand prüfen und gegebenenfalls nachfüllen - hilft aber nicht immer. Meist muss der Wagen in eine Werkstatt geschleppt werden. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Ölmangel, Ölstand überprüfen und nachfüllen - sonst droht Motorschaden. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Anschnallzeichen: Einer oder einige der Fahrgäste sind nicht angeschnallt. Das Symbol leuchtet auch auf, wenn eine schwere Tasche auf dem Sitz steht. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Probleme bei der Stromversorgung: Generator defekt oder eine elektrische Verbindung unterbrochen. Motor nicht ausschalten und zur nächsten Werkstatt. NICHT weiterfahren bei elektrischer Servolenkung (Lenkkraftunterstützung kann ausfallen) oder gerissener Keilriemen (Motor kann überhitzen). © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Probleme mit der Bremse. Brennt dieses Licht auch bei gelöster Handbremse, droht große Gefahr. Zu wenig Bremsflüssigkeit oder die Beläge sind bis aufs Metall runter. Sofort anhalten und Pannendienst rufen. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Motor ist überhitzt. Kühlwasser reicht nicht mehr. Anhalten und abkühlen lassen. Danach unbedingt in die Werkstatt. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Reifendruckkontrollsystem meldet zu niedrigen Reifendruck. Eventuell harmlos, wenn das Symbol nach dem Reifenwechsel leuchtet (fehlende Kalibrierung) - mehr in der Betriebsanleitung. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Störung im Rückhaltesystem. Funktionsversagen des Airbags/ Gurtstraffers bei Unfall möglich - sofort in die Werkstatt. Symbol leuchtet auch bei deaktiviertem Beifahrerairbag (wg. Kindersitz).  © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Bremsbeläge sind abgefahren und sollten demnächst erneuert werden. Weiterfahren möglich. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
ESP (Elektronisches Stabilitätsprogramm) ist aktiv - oft auf nassen und vereisten Straßen. Vorsichtig lenken, keine Vollbremsung machen und Fuß vom Gas nehmen. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Probleme mit der Motorsteuerung. Der Schadstoffausstoß kann erhöht sein. Symbol leuchtet auch, wenn die Lambdasonde defekt ist oder ein Marder ein Kabel beschädigt hat. Umgehend in die nächste Werkstatt fahren. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Nebelschlussleuchte ist eingeschaltet. In Deutschland nur erlaubt, wenn die Sicht durch Nebel geringer als 50 Meter ist. © ADAC

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema