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Irritierender Auftritt bei „Maischberger“: Lafontaine nennt Putin, aber auch Biden einen „Kriegsverbrecher“

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Der Talk bei „Maischberger. Die Woche“ (ARD)
Der Talk bei „Maischberger. Die Woche“ (ARD) © WDR/Melanie Grande

Scholz sprach von einer „Zeitenwende“, die Putins Krieg mit Invasion in der Ukraine ausgelöst habe. Maischberger geht der Frage nach: Was bedeutet das?

Berlin – Sandra Maischberger* stellt Außenministerin Annalena Baerbock*, die zum Interview in die Sendung geschaltet wird, ohne Umschweife eine gewichtige Frage: „Kommt der Krieg zu uns nach Deutschland?“ Die ehemalige Kanzlerkandidatin der Grünen setzt ein deutliches sprachliches Signal: „Nein.“ Doch was sie danach sagt, klingt mehr wie Zielsetzung als gesicherte Faktenlage, man tue „alles, damit der Krieg nicht nach Deutschland kommt“.

Dass dem russischen Präsidenten Wladimir Putin*, der diesen Krieg im Alleingang gestartet haben soll, nicht viel an Friedensverhandlungen liegen könnte, macht Baerbock an anderer Stelle deutlich, als sie darlegt, was Putin nach einem Ende des Krieges vermutlich drohen wird. Ob Putin ein „Kriegsverbrecher“ sei, will Maischberger wissen. „Gerichte werden über Kriegsverbrechen urteilen müssen“, trennt Baerbock ordentlich ihr Amt von gerichtlichen Instanzen. Ihren persönlichen Standpunkt verhehlt sie allerdings nicht: „Alles, was wir sehen“, so Baerbock und sie nennt die Angriffe auf Krankenhäuser und Schulen, seien „Dinge, die Kriegsverbrechen am Ende ausmachen“ würden.

„Maischberger. Die Woche“ - diese Gäste diskutierten mit:

Als Experten: 

Kurz darauf überrascht Oskar Lafontaine bei Maischberger* mit einer skurrilen Aussage: „Biden ist ein Kriegsverbrecher“, wettert er und schließt auch einen seiner Vorgänger, Bush, mit ein - wobei Lafontaine nicht deutlich macht, welchen der beiden ehemaligen US-Präsidenten aus der einflussreichen US-amerikanischen Politikerfamilie er meint. Auch Putin sei ein Kriegsverbrecher. Es soll nicht das letzte Rätsel in den Aussagen des einstigen SPD-Finanzministers bleiben.

Röttgen wirft Lafontaine in Bezug auf Putin Naivität vor: Sie haben nichts gelernt

CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen hat einige Hände voll zu tun, die Ausführungen seines Sitznachbarn zurechtzurücken, denn Lafontaine outet sich als Putin-Versteher und bedient - wie schon seine Frau und Linken-Abgeordnete Sahra Wagenknecht, die vor einigen Wochen zum gleichen Thema bei Maischberger sprach - jegliches Klischee. Lafontaine wirkt wirr, wenn er mit großer Geste seine Ausführungen ohne jegliche Belege hinausposaunt: Da wird das militärische Verteidigungsbündnis Nato in einen Topf mit der USA geworfen, da poltert er gegen „Kurzstreckenraketen“ des Westens an der russischen Grenze, die „wir nicht zulassen dürften“ und ist sich am Ende sogar nicht zu schade, einen kruden Kuba-Vergleich mit der Ukraine* zu bedienen, der Assoziationen mit der Krise von 1962 wecken soll.

Als von Lafontaine dann noch ein angebliches Versprechen des damaligen US-Außenminister Baker bezüglich der Nato-Osterweiterung vorgetragen wird und er der westlichen Politik „Wortbruch“ vorwirft, kann sich Röttgen - der sich zuvor noch auf skeptische Blick beschränkte - nicht mehr zusammenreißen, wer so denke, gehe „Putin auf den Leim“. Zu glauben, Putin „würde seine imperialen Ansprüche aufgeben, ist wirklich naiv. Wenn Sie das glauben, haben Sie nichts gelernt aus dem, was er jetzt tut“.

Röttgen und Baerbock sind sich einig: Verhandlungen sind Kriegstaktik Russlands

Länder in Osteuropa hätten den „Schutz vor Russland“ durch die Nato gesucht, stellt Röttgen klar und macht deutlich, dass sie ohne diese Nato-Mitgliedschaft vermutlich „genau derselben Drohung, vielleicht dem Krieg ausgesetzt“ wären, wie inzwischen die Ukraine. Die derzeitigen „Verhandlungen“ seien reine „Kriegstaktik“, ist Röttgen sicher. Der russische Präsident sei „allein durch Verhandlungen“ nicht mehr zu stoppen.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (B‘90/Die Grünen) bei „Maischberger. Die Woche“ (ARD).
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) bei „Maischberger. Die Woche“ (ARD). © Screenshot ARD Mediathek

Das bestätigt auch Baerbock im Interview und sie stellt klar, dass von einer derzeitigen Entspannung nicht die Rede sein kann. Der von Russland als „Rückzug“ proklamierte Truppenabmarsch sei nicht mehr als eine militärische Umverlegung. Auch die Forderungen Russlands in Bezug auf die Neutralität der Ukraine seien „nicht akzeptabel“, so die Außenministerin. So fordere Putin unter anderem derzeit ein Veto-Recht bei ukrainischen Entscheidungen.

Von Baerbock will Maischberger noch den Stand der Dinge hinsichtlich eines weiteren Energieboykotts mit Russland erfahren. Baerbock stellt unmissverständlich klar, dass dieser bis zum „Jahresende“, „im Herbst“ unwiederbringlich erfolgen werde. Und sie führt auf, welche weltweite Verantwortung beim Kauf von Energie beachtet werden müsse: „Wir können unseren Ausstieg nicht zu Lasten anderer Länder machen“, so Baerbock und verweist auf einen umkämpften Markt, der, bei rücksichtslosem Vorgehen, wiederum die Solidarität der Mehrheit der Staaten der Welt mit der Ukraine bedrohen könnte.

Fazit des „Maischberger. Die Woche“-Talks

„Manchmal hat man ja auch gefragt: Was soll das eigentlich, diese Europäische Union*?“, sagt Baerbock rückblickend im Interview. Nun sei wieder allen klar, warum „unsere Großmütter und Großväter dafür gesorgt haben, dass aus Feinden Freunde geworden sind“. Auch der frühere sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow befand: „An den Frieden denken, heißt, an die Kinder denken.“ Doch leider ist Putin nicht Gorbatschow, nicht Freund, sondern offenbar ein Feind. Die Sendung machte die Versäumnisse deutlich. Im Rückblick wären wir gut beraten gewesen, statt auf blindes Vertrauen aufs genaue Hinsehen zu setzen - und wenn wir auf George Washington gehört hätten: „Wer auf den Krieg vorbereitet ist, kann den Frieden am besten wahren.“ (Verena Schulemann) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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