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Schröder-Weggefährten machen sich ernsthaft Sorgen: „Braucht eigentlich Hilfe und man erreicht ihn nicht“

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Von: Marcus Giebel

Gerhard Schröder galt immer als jemand mit eigenem Kopf, der sich nicht gerne hineinreden lässt. Nun verschließt er sich offenbar auch engen Freunden, die sich sorgen.

München - Gerhard Schröder gibt dieser Tage ein trauriges und regelrecht erschütterndes Bild ab. Zumindest lässt sich das für sein öffentliches Auftreten sagen. War der Altkanzler während seiner Regierungszeit noch als Macher bekannt, der entschlossen die Richtung vorgibt, lässt er nun auch enge Freunde verzweifeln.

Zumindest einige enge Weggefährten machen sich offenbar ernsthafte Sorgen um den Gemütszustand des 78-Jährigen, der sich immer weiter zurückzieht und auch im Angesicht des Ukraine-Kriegs partout nicht von seinen Lobby-Jobs für russische Konzerne lassen will. Ganz zu schweigen davon, dass er auch keinen Millimeter von Wladimir Putin abzurücken scheint - was zuletzt in einem aufsehenerregenden Interview in der New York Times erneut deutlich wurde.

Schröder-Freunde machen sich Sorgen: „Braucht Hilfe, aber nimmt sie nicht an“

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) hat nun alarmierende Signale aus Schröders Umfeld aufgegriffen. Die Hilferufe wurden größtenteils anonym gesendet. Sie zeichnen das Bild eines Mannes, der überhaupt nicht mehr Herr der Lage zu sein scheint. Womöglich die Realität auch nicht mehr an sich herankommen lassen will.

Gerd braucht eigentlich Hilfe, aber nimmt sie nicht an“, heißt es etwa. Gut gemeinte Ratschläge wie die Aufgabe seiner Jobs in Russland würden beim SPD-Politiker keine Reaktion hervorrufen. Ebenso sehe es aus, wenn ihm empfohlen werde, kürzerzutreten und das Leben zu genießen.

Gerhard Schröder sitzt vor einer Wand und fährt sich mit der rechten Hand durchs Haar
Sein Verhalten im Zuge des Ukraine-Kriegs bedrückt auch Weggefährten: Gerhard Schröder hält an seiner Nähe zu Russland und Wladimir Putin fest. © OLGA MALTSEVA/afp

Schröder und Putin: Freunde des Altkanzlers verwundert über seine Isolation

Etwas verstörend klingt auch die Schilderung eines Besuchs bei Schröder: „Er streichelt einem zum Abschied ein bisschen über den Rücken. Aber man spürt ganz genau: Man erreicht ihn nicht mehr.“

Als Problem wird seine Isolation angesehen - wegen seiner Russland-Beziehungen sollen bereits kurz nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine sämtliche Mitarbeiter Schröders gekündigt haben, wurde berichtet. Nun lebe Schröder, den immer mehr Parteigenossen zum Austritt auffordern, zurückgezogen wie nie zuvor und zeige auch keine Anstrengungen, um daran etwas zu ändern.

Ein Bekannter mutmaßt: „Er hat sich verrannt, aber er bleibt starrsinnig und meint, er müsse das alles allein durchstehen.“ Nicht nur sein vehementes Einstehen für seinen guten Freund aus dem Kreml und seine Jobs in russischen Konzernen schreckt Schröders Bekannte auf. So werde auch sein in besagtem Times-Artikel thematisierter ausgeprägter Weinkonsum als schlechtes Zeichen gewertet.

SPD-Politiker über Schröder: „Nicht mehr der Mann, den wir aus seiner Zeit als Kanzler kennen“

Zu Wort kommt auch Christian Pfeiffer. Der ehemalige niedersächsische Justizminister sieht die Äußerungen des einstigen Staatsmannes sogar als Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung: „Der Mann, den wir da jetzt erleben, ist nicht mehr der Gerhard Schröder, den wir aus seiner Zeit als Kanzler kennen.“

Als Beispiel nennt der Kriminologe und SPD-Politiker die Rede gegen Deutschlands Beteiligung am Irak-Krieg im Jahr 2003. Damit habe Schröder kraftvolle Eigenständigkeit und klare Kante bewiesen. „Heute dagegen ist seine Position zu Putins Krieg von falscher Solidarität und Schwäche geprägt“, ordnet Pfeiffer die Lage ein.

Schröders Vorgehen ist aber nicht nur für seine Vertrauten ein Rätsel. Seine wirklichen Beweggründe kennt wohl auch nur er allein. Das RND konnte ihm jedenfalls keinerlei Aussagen entlocken. Die Nachfrage zwecks einer Reaktion auf die Sorgen seines Umfelds habe Schröder unbeantwortet gelassen. (mg)

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