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„Es ist die Hölle“: Selenskyj wirft Russland „brutale“ und „sinnlose“ Gewalt im Donbass vor

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Von: Sandra Kathe

Der Fall der Großstadt Mariupol demonstriert, wie brutal die Angriffe durch das russische Militär in der Ukraine ausfallen. Selenskyj verlängert das Kriegsrecht.

Kiew - In einer Ansprache an die Bevölkerung hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die „Sinnlosigkeit“ der russischen Kriegsführung und die „vollständige“ Zerstörung des Donbass beklagt. „Es ist die Hölle dort, und das ist keine Übertreibung“, schilderte die Selenskyj die Lage der Region im Südosten der Ukraine, auf die sich seit Wochen die russischen Angriffe konzentrieren.

Das Ziel der russischen Angriffe unter Machthaber Wladimir Putin sei es, sagte Selenskyj in einer Ansprache am Donnerstag (19. Mai), so viele Ukrainerinnen und Ukrainer wie möglich zu töten und größtmögliche Zerstörung anzurichten. Während das ukrainische Militär noch immer mit der Befreiung der Region um Charkiw, östlich von Kiew, beschäftigt sei, hätten die russischen Truppen den Druck auf den Donbass weiter erhöht. „Der Donbass ist vollständig zerstört“, zitierte etwa die britische Zeitung Independent den Präsidenten der Ukraine.

Nach den wochenlangen heftigen Angriffen durch das russische Militär bezeichnete der ukrainische Präsident Selenskyj die Region Donbass vergangene Woche als „vollständig zerstört“.
Nach den wochenlangen heftigen Angriffen durch das russische Militär bezeichnete der ukrainische Präsident Selenskyj die Region Donbass vergangene Woche als „vollständig zerstört“. © Ukraine Presidency/AFP

Nach Fall von Mariupol im Ukraine-Krieg: Russische Angriffe auf Donbass gehen weiter

Besonders heftige Attacken erfuhr etwa auch die inzwischen vom russischen Militär besetzte Großstadt Mariupol, in der bis vor wenigen Monaten fast 500.000 Einwohner Menschen lebten. Im dortigen Stahlwerk gaben die letzten von mehr als 2400 ukrainischen Kämpfern am Freitagabend nach vielen Wochen auf. Ihr Schicksal ist ungewiss. Medienberichten zufolge versuche Russland zusätzlich, die Städte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk im Gebiet Luhansk unter Kontrolle zu bringen.

Um auf die russischen Angriffe zu reagieren, kündigte Selenskyj an, das Kriegsrecht in der Ukraine um weitere drei Monate bis Ende August zu verlängern. Das bedeutet etwa, dass auch die derzeit im Land geltende Generalmobilmachung noch bis zum 23. August gültig ist. Bislang hatte Selenskyj den Ausnahmezustand dreimal für jeweils 30 Tage verhängt.

Ukraine-Krieg: Selenskyj appelliert an die Truppen der Ukraine

Gleichzeitig apellierte Selenskyj an die Moral der ukrainischen Truppen und betonte, jeder Tag, an dem Russlands Pläne durchkreuzt würden, sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Sieg. Vermutet wird, dass russische Soldaten, die bislang in Mariupol gebunden waren, nun anderswo einsetzt werden. Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs versuchten die Russen erfolglos, Ortschaften rund um Sjewjerodonezk zu stürmen.

Ebenso hart werde um Dörfer südlich der Trasse Lyssytschansk-Bachmut gekämpft. Vermutet wird, dass Russland die komplette Kontrolle über die Gebiete Luhansk und Donezk erlangen will, um einen Landkorridor auf die 2014 annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim abzusichern. (ska mit dpa)

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