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Ukraine-Krieg: Gebäude in Kiew zerstört - Lebensmittel werden knapp

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Von: Tim Vincent Dicke, Daniel Dillmann

Immer wieder ertönt in der Hauptstadt der Ukraine der Luftalarm. Russlands Armee bewegt sich weiter auf Kiew zu. Beobachter fürchten eine humanitäre Katastrophe.

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Update vom Dienstag, 01.03.2022, 06.30 Uhr: Mehrere Gebäude sollen bei einem Raketenangriff in der Nähe der ukrainischen Hauptstadt Kiew zerstört worden sein. Ein Wohnheim sowie zwei fünfstöckige Wohnhäuser seien am Montagabend in den Städten Wasylkiw, Bila Zerkwa im Südwesten Kiews sowie in der Siedlung Kalyniwka in Nordwesten der Stadt zerstört worden, wie die Ukrainska Pravda unter Berufung auf das Innenministerium schreibt. Die Informationen ließen sich nicht unabhängig prüfen.

Derweil melden Beobachter in Kiew, dass die Lebensmittel knapp werden. Supermärkte und Apotheken müssten bereits geschlossen werden. es wiird eine humanitäre Katastrophe befürchet.  

Kiew steht unter dem Beschuss der russischen Armee.
Kiew steht unter dem Beschuss der russischen Armee. © dpa/Ukrinform

Ukraine-Krieg: Konvoi aus Russland bedroht Kiew

+++ 20.12 Uhr: Ein großer Konvoi russischer Streitkräfte bewegt sich auf Kiew zu. Wie die Tageszeitung New York Times berichtet, hat der Satellitenbetreiber Maxar Technologies die Gruppe von Hunderten Fahrzeugen am Sonntag (27.02.2022) auf Satellitenbildern entdeckt.

Der Konvoi hat dem Bericht zufolge eine Länge von mehr als 27 Kilometern und befindet sich nur noch etwa 48 Kilometer von der Stadtgrenze Kiews entfernt. Times-Journalist Cliff Levy teilte auf Twitter mit: „Die Fahrzeugkolonne ist so lang, dass sie auf den Satellitenbildern nicht vollständig erfasst werden konnte.“

Ukrainischen Medienberichten zufolge löste derweil in Kiew erneut der Luftalarm aus. „Die Menschen müssen sich dringend in den nächstgelegenen Schutzraum begeben“, schrieb die Onlinezeitung Kyiv Independent.

Dieses von Maxar Technologies zur Verfügung gestellte Satellitenbild zeigt russische Bodentruppen mit Militärfahrzeugen in einem Konvoi in der Ukraine, der sich in Richtung Kiew bewegt.
Dieses von Maxar Technologies zur Verfügung gestellte Satellitenbild zeigt russische Bodentruppen mit Militärfahrzeugen in einem Konvoi in der Ukraine, der sich in Richtung Kiew bewegt. © picture alliance/dpa/Maxar Technologies/AP

Kiew von starken Explosionen erschüttert – Lebensmittel werden knapp

+++ 18.46 Uhr: Die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten ist in der ukrainischen Hauptstadt laut Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko gefährdet. „Die Logistik ist zusammengebrochen. Die nächsten Tage wird es eng mit Lebensmitteln und Medikamenten“, sagte Klitschko am Montag (28.02.2022) bei Bild Live. Das ukrainische Ministerium für Infrastruktur hatte zuletzt zentrale Verteilungspunkte für Lebensmittel in Kiew und anderen ukrainischen Städten nach dem Angriff durch Russland angekündigt.

Laut Klitschko sei die Hauptstadt noch immer in ukrainischer Hand. „Es gibt direkt in der Stadt noch keine russische Armee. Die kommen, kämpfen und gehen zurück“, sagte der Bürgermeister. „Teilweise sind schon russische Scharfschützen hier in der Stadt. Deswegen muss man aufpassen.“

Ukraine-Krieg: Bisher stärkste Explosionen erschüttern Kiew

+++ 18.15 Uhr: Übereinstimmenden Medienberichten zufolge hat es in oder der Nähe der ukrainischen Hauptstadt Kiew mehrere massive Explosionen gegeben. Videos in sozialen Netzwerken zeigten eine große Detonation sowie eine starke Rauchentwicklung. Ein Reporter der Bild-Zeitung berichtete über „heftige Einschläge in der Nähe des Zentrums der Hauptstadt“. Die Sirenen seien erst nach dem Angriff angegangen.

Ein brasilianischer TV-Journalist schrieb auf Twitter von den stärksten Explosionen, die seit Beginn der russischen Invasion in Kiew zu hören waren. Er habe zwei rote Blitze am Himmel gesehen, deutlich näher als bei Kämpfen zuvor.

Rauch steigt am Morgen über dem Teil der ukrainischen Hauptstadt Kiew auf, der am rechten Ufer des Dnipro liegt.
Rauch steigt am Morgen über dem Teil der ukrainischen Hauptstadt Kiew auf, der am rechten Ufer des Dnipro liegt. (Archivbild vom 27.02.2022) © Ukrinform/dpa

Israeli nahe Kiew getötet – Kampf um die Hauptstadt dauert an

+++ 17.47 Uhr: Ein israelischer Staatsbürger ist am Montagnachmittag (28.02.2022) nahe Kiew unter Beschuss geraten und dabei getötet worden. Dies sagte ein Diplomat gegenüber der israelischen Tageszeitung Jerusalem Post. Der Vorfall ereignete sich in der ukrainischen Stadt Bila Zerkwa, die rund 80 Kilometer von der Hauptstadt entfernt liegt.

Russland räumt Verluste im Ukraine-Krieg ein – Kampf um Kiew geht weiter

Erst kürzlich räumte Russland ein, dass bei der Invasion Soldaten des eigenen Landes getötet wurden. „Die russischen Soldaten beweisen Tapferkeit und Heldentum bei der Ausführung der Spezialoperation“, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Sonntag (27.02.2022). „Leider gibt es unter unseren Kameraden Tote und Verletzte.“ Konkrete Zahlen nannte er nicht.

Kiew hält ukrainischen Medienberichten zufolge Angriffen aus mehreren Richtungen in den Außenbezirken stand, obwohl es immer wieder zu Angriffswellen auf die Hauptstadt kommt. In der zweitgrößten ukrainischen Stadt Charkiw, die nur rund 40 Kilometer vom russischen Festland entfernt liegt, dauern die Straßenkämpfe ebenfalls an. Russland hat dort am Montag (28.02.2022) offenbar mehrere heftige Luftangriffe auf ein Wohngebiet geflogen. Es soll Hunderte Verletzte und Dutzende Tote geben.

Kiew bereitet sich auf Guerilla-Krieg gegen Russland vor – Gefangene freigelassen

Update vom Montag, 28.02.2022, 12.41 Uhr: Um Unterstützung im Krieg gegen Russland zu erhalten, geht Kiew nun einen besonderen Schritt. Gefängnisinsassen mit Kampferfahrung sollen laut Wolodymyr Selenskyj freigelassen werden. Es sei „moralisch eine schwere Entscheidung, aber sie ist notwendig“, so der Präsident der Ukraine. Die freigelassenen Personen sollen vor allem zur Verteidigung der hart umkämpften Städte Charkiw und Kiew zum Einsatz kommen.

Erstmeldung: Kiew – Der Widerstand der ukrainischen Armee gegen die Truppen aus Russland hält an. Kiew bleibt weiter hart umkämpft. Laut Angaben eines Armeesprechers der Ukraine ist die Lage in der Hauptstadt des Landes derzeit aber unter Kontrolle. „Alle russischen Versuche, die Stadt zu besetzen, sind fehlgeschlagen“, so ein Statement, das die Ukraine unter anderem auf Facebook veröffentlicht hatte.

Doch die Lage in Kiew bleibt wie im Rest der Ukraine angespannt. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko sprach am Wochenende sogar davon, dass die Millionenmetropole mittlerweile vollständig von russischen Truppen umstellt sei. Dem widersprach seine Pressesprecherin kurz darauf zwar. Es gebe nach wie vor die Möglichkeit, die Stadt zu versorgen. Nichtsdestotrotz droht in Kiew laut Klitschko die „Katastrophe“, sollten Medikamente und Lebensmittel aufgrund der Belagerung durch Russland knapp werden.

Ukraine: Kiew bereitet sich auf Guerilla-Kampf gegen Russland vor

Währenddessen scheint sich die Bevölkerung in der Hauptstadt der Ukraine auf einen langen Guerilla-Kampf gegen die russische Armee einzustellen. Auf etlichen Bildern aus Kiew sieht man Leute, die hunderte von Molotow-Cocktails vorbereiten. Ein Rezept zur Eigenproduktion der Brandbomben wurde vom Verteidigungsministerium der Ukraine verbreitet. Eine Brauerei in Lviv, einer Stadt tief im Westen der Ukraine, hat nach eigenen Angaben zufolge die Produktion umgestellt. Statt Bier würden in den Werken nun Molotow-Cocktails abgefüllt. Auch das Label auf den Flaschen wurde verändert und zeigt jetzt den russischen Präsidenten Wladimir Putin nackt auf einem Thron sitzend.

In Kiew selbst geht trotz des Kriegs zwischen der Ukraine und Russland auch ein Teil des Alltags weiter. Die Lebensmittelläden sollen nach Angaben der Behörden heute wieder öffnen. Auch der öffentliche Nahverkehr soll in der Stadt wieder den Betrieb aufnehmen.

Ukraine: Oppositionspolitiker flieht aus Kiew

Nach wie vor hält sich auch Wolodymyr Selenskyj in Kiew auf. Der Präsident der Ukraine weigerte sich, die hart umkämpfte Hauptstadt des Landes zu verlassen und ist nicht zuletzt dadurch zum Gesicht des Widerstands gegen Russland geworden. Selenskyj gibt sich genau wie Bürgermeister Klitschko kämpferisch.

NameKiew
Bevölkerung2,88 Millionen (Stand: 2017)
Gründungca. 6. Jhd. n. Chr.
SchreibweisenКиїв (ukrainisch), Киев (russisch)
Fläche847,66 km²

Anders als Selenskyj hat dagegen Wiktor Medwedtschuk Kiew wohl verlassen. Der Oppositionspolitiker ist Vorsitzender der Pro-Kreml-Partei „Oppositionsplattform - für das Leben“. Er gilt als enger Verbündeter von Wladimir Putin. Medwedtschuk wohnt in Kiew und stand dort seit Beginn des Krieges zwischen der Ukraine und Russland unter Hausarrest. Er war zuvor wegen Landesverrat und der Finanzierung von Terrorismus angeklagt worden. Nun befinde er sich auf dem Weg aus der Hauptstadt, teilte sein Anwalt laut dem Kyiv Independent mit. (dil)

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