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Ukraine-Krieg: Überraschende Kritik von russischen Bloggern an Kriegsführung

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Von: Delia Friess

Mehrere russische Blogger haben sich auf Telegram zu Wort gemeldet und Kritik an der Kriegsführung in der Ukraine geübt. Unklar ist, ob es dies ebenfalls Teil der russischen Strategie ist.

Moskau - Laut Berichten verschiedener Medien, darunter CNN und die ARD, werden einige Kommentare in der russischen Staatspresse laut, die sich über die Motivation und Verteidigungswillen der Ukraine im Ukraine-Krieg wundern und Kritik an der russischen Kriegsführung äußern. Dazu zählt laut CNN auch Yuri Kotenok, ein russischer Militärblogger, der sich bereits am 12. Mai 2022 über die Kampfhandlungen am Fluss Siwerskyj Donez im Osten der Ukraine äußerte. Mindestens 70 russische Panzer und Fahrzeuge sollen zerstört worden sein, als Russland versuchte, den Fluss zu überqueren, wie Satellitenbilder beweisen sollen. Hunderte von russischen Soldaten sollen dabei ums Leben gekommen sein.

Ukraine-Krieg: Russische Blogger kritisieren Verluste Russlands auf Telegram

Kotenok hat rund 300.000 Abonnenten auf Telegram. Auf Userkommentare antwortete Kotenok demnach, dass es seine Aufgabe sei „eine korrekte Einschätzung zu geben, Gutes über Gutes und Schlechtes über Schlechtes zu sagen, aber die WAHRHEIT zu sagen“. Kotenok machte sich CNN zufolge sogar über die russische Fernsehberichterstattung lustig. „Wenn Sie in einem warmen Bad sitzen und sanft und beruhigend ‚kämpfen‘ wollen, dann sind Sie im Fernsehen willkommen. Dort finden Sie eine Menge Dinge, die Ihre Ohren und Augen erfreuen“, sagte er. „Im Krieg kommt es vor, dass wir Verluste erleiden. Seien Sie sich dessen bewusst und ... schweigen Sie, wenn Sie nichts Wesentliches zu sagen haben“, so Kotenok außerdem.

Ukraine-Krieg: Russische Militärblogger haben laut CNN auf Telegram Kritik an der Kriegsführung geäußert. (Symbolbild)
Ukraine-Krieg: Russische Militärblogger haben laut CNN auf Telegram Kritik an der Kriegsführung geäußert. (Symbolbild) © afp

Einige andere bekannte Accounts haben CNN zufolge die Meldungen des Militärbloggers aufgegriffen und für die Verluste Russlands einzelne Generäle verantwortlich gemacht. CNN schlussfolgert, dass die Äußerungen im Gegensatz zum Monopol des russischen Staates auf die Berichterstattung stehen würden.

Russland: Kritischer Militärexperte in Talkshow Teil der Propagandastrategie des Kreml?

Zuvor hatte auch der russische Oberst a.D. Michail Chodarjonok in einer Talkshow des russischen Staatsfernsehens von Verlusten und Rückschlägen der russischen Armee gesprochen. Laut dem Kreml verläuft die „Spezialoperation“, wie der Ukraine-Krieg nur genannt werden darf, nach Plan. Berichten aus Russland zufolge soll Wladimir Putin allerdings eine Säuberungswelle im Militär veranlasst haben und einige hochrangige Militärs entlassen haben. Unklar ist, ob die nun verlautbare öffentliche Kritik Teil der russischen Strategie ist, Sündenböcke zu suchen, Verluste zu rechtfertigen oder eine neue Strategie im Ukraine-Krieg einzuleiten. Wie die Tagesschau berichtet, kann es sich bei dem Auftritt des Militärexperten in der russischen TV-Show ebenfalls um Propaganda im Sinne von Moskau und Wladimir Putin handeln, um weitere Truppenmobilisierungen für den Ukraine-Krieg einzuleiten. Kritische Äußerungen werden in Russland mit langen Haftstrafen bestraft. (df)

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