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Menschen aus der Ukraine dürfen kostenlos Züge der DB aus Polen nutzen

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Von: Peter Rutkowski, Karolin Schäfer, Delia Friess

Viele Menschen fliehen vor den russischen Truppen aus der Ukraine. Ukrainer:innen dürfen nun kostenlos mit Fernzügen aus Polen fahren.

+++ 19.30 Uhr: Menschen auf der Flucht aus der Ukraine haben ab Sonntag (27.02.2022) die Möglichkeit, kostenlos die Fernzüge aus Polen nach Deutschland zu nutzen, wie die Deutsche Bahn am Sonntag bekannt gab. Bei einer Fahrkartenkontrolle müssten sie nur ihren ukrainischen Pass oder Personalausweis vorlegen. Ukrainer:innen soll damit die Weiterreise ab der Grenze und innerhalb Deutschlands erleichtert werden. „Die DB steht dazu in engem Austausch mit den Behörden und unseren Partnerbahnen in den Nachbarländern Polen, Tschechien und Österreich“, hieß es in einer Pressemitteilung der Deutschen Bahn.

Gemeinsam mit der polnischen Eisenbahn bereite die DB auch vor, zusätzliche Sonderzüge oder Wagen kurzfristig auf die Schiene zu bringen. Täglich fahren nach Angaben des Konzerns bis zu sechs Eurocity-Fernzüge aus Polen nach Deutschland. Die Fernzüge haben ihre Ausgangspunkte in Warschau, Danzig, Przemysl (Grenze zu Ukraine), Krakau, Wien/Breslau.

Geflüchtete aus der Ukraine erreichen den Bahnhof von Przemysl. Wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) etwa 368.000 Menschen auf der Flucht.
Geflüchtete aus der Ukraine erreichen den Bahnhof von Przemysl in Polen. Wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) etwa 368.000 Menschen auf der Flucht. © Czarek Sokolowski / dpa

Ukraine-Krieg: Größte Flüchtlingsbewegung der Gegenwart - 300.000 Menschen auf der Flucht

Update vom Sonntag, 27.02.2022, 06.44 Uhr: Die Vereinten Nationen gehen von knapp 300.000 Vertriebenen wegen des Krieges in der Ukraine aus. Wie das UN-Nothilfebüro Ocha unter Berufung auf das Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Samstag berichtete, seien 160.000 Menschen Berichten zufolge innerhalb des Landes auf der Flucht - 116.000 zusätzliche Personen seien in Nachbarländer geflohen. Diese seien vor allem nach Polen gezogen, aber auch nach Moldau und Rumänien.

Die Behörden in der Ukraine befürchten bis zu fünf Millionen Flüchtende. Es könnte sich um eine der größten Flüchtlingsbewegungen der Gegenwart handeln, hatte die amerikanische UN-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield gewarnt. Unter Berufung auf den UN-Menschenrechtsrat berichtete Ocha zudem davon, dass mindestens 64 Zivilisten bei den Kämpfen nach dem Einmarsch Russlands getötet wurden und über 170 verletzt worden seien.

Geflüchtete Menschen aus der Ukraine suchen Schutz in einem Hotel im rumänischen Siret.
Geflüchtete Menschen aus der Ukraine suchen Schutz in einem Hotel im rumänischen Siret. © Andreea Alexandru/dpa

Ukraine-Krieg: Erste Verhaftungen nach „illegalen Grenzübertritten“ in Polen

+++ 19.10 Uhr: Seit Beginn der russischen Invasion sind in Polen nach Angaben der Regierung 115.000 Menschen aus der Ukraine geflüchtet. Schutzsuchende müssen sich an der Grenze auf ukrainischer Seite auf lange Wartezeiten einstellen, berichtete Polens Vize-Innenminister Pawel Szefernaker am Samstag am Grenzübergang in Dorohusk. „Wir haben auch schon erste Versuche illegaler Grenzübertritte“, wird der Politiker von der dpa zitiert. Menschen, die versucht hätten, auf illegale Weise über die Grenze nach Polen zu gelangen, seien bereits festgenommen worden.

Zu den nur langsam vorankommenden Passkontrollen an der Grenze hatte sich Szefernaker zuvor im öffentlich-rechtlichen Sender TVP geäußert. Durch die Kriegssituation zwischen Russland und der Ukraine käme es zu Ausfällen der Computersysteme des ukrainischen Grenzschutzes. Täglich können bis zu 50.000 Geflüchtete aus der Ukraine an der Grenze abgefertigt werden, erklärte der polnische Politiker weiter.

Inzwischen haben sich neben Privatpersonen auch Firmen und Kommunalverwaltungen in Polen gemeldet, Geflüchtete aufzunehmen. Zuletzt hatte die polnische Eisenbahngesellschaft PKP bekannt gegeben, dass ukrainische Staatsbürger gegen Vorlage ihres Reisepasses kostenlos mit fast allen Zügen im Land reisen können. Ausgenommen sind nach dpa-Angaben die Intercity-Premium-Verbindungen.

Frauen und Kinder überqueren die Grenze von der Ukraine nach Polen am Grenzübergang Korczowa-Krakovets.
Frauen und Kinder überqueren die Grenze von der Ukraine nach Polen am Grenzübergang Korczowa-Krakovets. © JANEK SKARZYNSKI/afp

Ukraine-Krieg: Bundeskanzler und Ministerpräsidenten beraten über Fluchtbewegung

+++ 18.10 Uhr: Bundeskanzler Olaf Scholz* (SPD*) und die Ministerpräsidenten hatten sich am Freitag über eine möglicherweise große Fluchtbewegung aus der Ukraine beraten. Wie will die Bundesrepublik konkret damit umgehen?

Die Bundesländer bereiten sich auf die Geflüchteten aus der Ukraine vor, besonders Erstaufnahmeeinrichtungen sollen für Schutzsuchende bereitstehen. Bundesinnenministerin Nancy Faeser* (SPD) kündigte eine unbürokratische Aufnahme von Geflüchteten an. Allein in Brandenburg soll für mindestens 10.000 Menschen Platz geschaffen werden. Das teilte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) nach dpa-Informationen mit. Laut offizielle Angaben hält Brandenburg bereits ab diesem Wochenende 800 Plätze bereit.

Putins Krieg: Bundesländer kündigen humanitäre Hilfe an

Nach Angaben von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke*) und Migrationsminister Dirk Adams (Grüne*) könnten in Thüringen sofort rund 3000 Menschen aufgenommen werden. Währenddessen plant Niedersachsen seine Kapazitäten zu erweitern. Bisher sei völlig unklar, wie viele Menschen Schutz suchen könnten, sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD) im NDR. Pistorius zufolge könnten es ein paar Hunderttausend, aber auch eine Million oder zwei Millionen Menschen sein.

Hessen kündigte ebenfalls humanitäre Hilfe an. „Für jene, die unter dem Angriffskrieg zu leiden haben, möchte auch die Hessische Landesregierung schnell und unbürokratisch ihren Beitrag zur Unterstützung und Hilfe leisten“, sagte Innenminister Peter Beuth (CDU). Am Samstag hatten tausende Menschen gegen die russische Invasion protestiert und ihre Solidarität mit der Ukraine bekundet. Die Polizei spricht allein in Frankfurt von 6000 bis 7000 Teilnehmenden.

Krieg in der Ukraine: Geflüchtete treffen in Deutschland ein

+++ 17.15 Uhr: Zehntausende Menschen sind vor dem Krieg in der Ukraine auf der Flucht. Einige haben es bereits über die Grenzen der Nachbarländer wie Polen geschafft. „Wir gehen davon aus, dass die größte Fluchtbewegung im Land stattfindet“, sagte Chris Melzer, Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR).

Schätzungen zufolge waren bereits vor Beginn der russischen Invasion etwa 860.000 Binnenflüchtlinge in der Ukraine unterwegs, vor allem aus den ostukrainischen Separatistengebieten sowie von der Schwarzmeer-Halbinsel Krim. Melzer zufolge seien die Zahlen durch die russische Invasion nun gestiegen. Genaue Schätzungen sind aber bisher kaum möglich.

Wie die dpa berichtete, hat die Hilfsorganisation auf der ukrainischen Seite bereits vor Tagen seine Vorräte aufgestockt. Neben Zelten, Decken und Kanistern zählten auch Hygieneartikel, Windeln und Seife dazu. Was fehlt, seien allerdings finanzielle Mittel. „Das erschwert unsere Hilfe, die dringend benötigt wird“, so Melzer. Der Notfallplan der polnischen Regierung funktioniere jedenfalls gut. Den UNHCR-Sprecher beeindrucke die Solidarität der Menschen.

Erste Schutzsuchende sind nach Angaben der dpa auch in Deutschland eingetroffen. Wie ein Sprecher der Bundespolizei in Pirna am Samstag mitteilte, seien bereits am Freitag eine einstellige Zahl von Menschen aus der Ukraine an der sächsisch-polnischen Grenze bei Görlitz angekommen. In Brandenburg wurden bis zum Mittag sechs Geflüchtete in der Aufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt aufgenommen. In Hamburg seien am Freitag drei bis vier Geflüchtete regiert worden.

Ukraine-Konflikt: Mehr als 120.000 Menschen geflohen

+++ 11.25 Uhr: Nach Abgaben der Vereinten Nationen sind seit dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine mehr als 120.000 Menschen aus dem Land geflohen. Die stellvertretende UN-Hochkommissarin für Flüchtlinge geht davon aus, dass sich die Lage aller Voraussicht nach weiter verschlimmern werde. „Es ist eine dynamische Situation“, sagte Kelly Clements in einem Interview des US-Fernsehsenders CNN. Das UNHCR habe große Sorge vor dem, was noch kommen werde, sagte die Vizehochkommissarin. Die meisten Flüchtlinge suchen in Polen und Moldawien Zuflucht, andere reisen nach Rumänien, in die Slowakei oder nach Ungarn aus.

Update vom Samstag, 26.02.2022, 09.45 Uhr: Nach dem Einmarsch von Russland in die Ukraine sind bisher schon Zehntausende Menschen aus der Ukraine in Polen angekommen. „In den vergangenen 24 Stunden haben 35.000 Menschen die polnisch-ukrainische Grenze in Richtung Polen überquert“, sagte Vize-Innenminister Pawel Szefernaker dem öffentlich-rechtlichen Sender TVP. Nach seinen Angaben handelt es sich hauptsächlich um Frauen mit Kindern sowie Männer im nichtwehrfähigen Alter.

Auf der ukrainischen Seite der Grenze hätten sich lange Staus gebildet. Die Abfertigung dort werde auch dadurch langsamer, weil es durch die Kriegssituation zu Ausfällen im Computersystem des ukrainischen Grenzschutzes komme, sagte Szefernaker weiter. Polen sei in der Lage, täglich bis zu 50.000 Flüchtende aus der Ukraine an der Grenze abzufertigen.

Die Menschen am Grenzübergang Medyka-Schehyni berichteten laut einer Reporterin der Deutschen Presse-Agentur von stundenlangen Wartezeiten auf der ukrainischen Seite auch für Menschen, die die Grenze zu Fuß überqueren wollen.

Ukraine-Konflikt: Immer mehr Menschen auf der Flucht vor Putin

Erstmeldung vom Samstag, 26.02.2022: Kiew/Frankfurt - Bevor der Krieg begann, sprachen westliche Politikerinnen und Politiker von vielleicht einer Million Flüchtender, sollte eine russische Invasion kommen. Da wollte aber niemand dran glauben. Und erst recht wollte niemand den westlichen Geheimdiensten glauben, die die Zahl auf fünf Millionen schätzten.

Am zweiten Tag des Krieges, Freitag, 25. Februar 2022, sprechen die Vereinten Nationen von wahrscheinlich vier Millionen, die ihr Heil vor der russischen „Friedensmission“ in der Flucht suchten.

Die ersten mindestens 100.000 Frauen und Kinder verlassen ihre Heimat jetzt. Frauen und Kinder. Keine Männer. Die gehen nicht, oder sie gehen in die entgegengesetzte Richtung, zur Front. Oder sie werden an den Grenzposten abgewiesen und müssen zurück.

Ukraine-Konflikt: In Polen werden eine Million Menschen erwartet

Die Menschen, die es schaffen, kommen in Polen, Ungarn, der Slowakei, Moldawien oder in Rumänien an. Gleich nach Beginn der Invasion retteten sich 4000 in das europäische Armenhaus, die Republik Moldau. In Polen erwartet man eine Million – jenes Polen, dass in den ersten neun Monaten 2021 gerade mal so 5200 Flüchtlinge aus Belarus kommend hereinließ.

Osteuropa hat sich nicht auf die Menschen vorbereitet, die nicht in einer zerstörten, ausgebeuteten und russifizierten Ukraine unterdrückt werden wollen. Hilfsorganisationen mahnen bereits, die reichen westlichen Nationen müssten ihren Solidaritätsbekundungen Taten folgen lassen.

LandUkraine
HauptstadtKiew
Bevölkerung44,13 Millionen (2020)
PräsidentWolodymyr Selenskyj

Ukraine-Konflikt: Repressalien sind zu befürchten

Niemand will das laut sagen, aber die Geflüchteten aus der Ukraine werden kaum in ihre verlorene Heimat jemals zurückkehren können, ohne Repressalien befürchten zu müssen. Falls sie dort überhaupt hineingelassen werden. Da Russland von ihm selbst initiierte oder unterzeichnete internationale Vereinbarungen derzeit am laufenden Band bricht, können Körperschaften wie beispielsweise die UN seiner Regierung nicht mehr trauen.

Aber dann sind da noch ein paar andere Ukrainerinnen und Ukrainer. Die, die nun aus allen Teilen der Erde kommen und in der bedrohten Heimat den Kampf aufnehmen wollen. (Peter Rutkowski) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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