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Union fürchtet „Massenquarantäne“ wegen Omikron - Hitzige Debatte über Aufweichung der Corona-Regel

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Von: Astrid Theil

Markus Söder glaubt nicht, dass die allgemeine Impfpflicht die Bevölkerung noch mehr spaltet.
Markus Söder plädiert in der Debatte um die Anpassung der Corona-Regelungen an die Omikron-Welle für eine Verkürzung der Quarantänezeit. © Felix Hörhager/dpa/Archiv

Die hochansteckende Omikron-Variante ist auf dem Vormarsch und könnte Deutschland lahmlegen. Die aktuellen Regelungen könnten daher überdacht werden. Es herrscht allerdings Uneinigkeit.

Berlin - Die neue hochansteckende Omikron-Variante des Coronavirus breitet sich in vielen Ländern bereits rasant aus. In New York macht sie schon mehr als 90 Prozent der Neuinfektionen* aus. Experten sind sich sicher, dass Omikron auch in Deutschland die vorherrschende Virusvariante wird. Daher werden Rufe nach einer Regel-Anpassung zur aktuell gültigen Quarantänepflicht für Kontaktpersonen immer lauter. Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Sepp Müller, forderte nun angesichts der steigenden Infektionen mit Omikron ein angepasstes politisches Vorgehen.

Gegenüber der Welt sagte Müller, dass die Hochrechnungen aktuell bei der Omikron-Variante von schlimmstenfalls 700.000 neuen Infektionen pro Tag ausgehen. „In diesem Fall käme es tatsächlich zur Massenquarantäne“, so Müller. Aktuelle Studien legen nahe, dass Omikron zwar wesentlich ansteckender, aber womöglich nicht gefährlicher ist als frühere Corona-Mutationen. Seine Vorschläge fasst er gegenüber der Welt zusammen: „Wir brauchen gerade für Geimpfte und Genesene Freitestmöglichkeiten, und zwar nach fünf Tagen. Geboosterte, die keine Symptome aufweisen, sollten bei einer Woche täglicher Schnelltestungen gar nicht in Quarantäne gehen müssen.“

Omikron-Welle in Deutschland: Union und Grüne uneinig über Anpassung der Regelungen

Gegenteiliger Meinung ist Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen, der scharfe Kritik äußerte. Er warnt davor, bei Personalengpässen wegen vieler Omikron-Infizierter die Quarantänedauer zu reduzieren - wie es zum Beispiel im Falle des Gesundheitspersonals überlegt wurde. Gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagte Dahmen, dass er nichts davon halte, die Quarantänepflicht für das Personal in Gesundheitsämtern und dem Gesundheitswesen zu verkürzen. Durch dieses Vorgehen bestehe nämlich die Gefahr, dass sich das Virus noch einfacher ausbreite.

Dahmen hält nur wenige Ausnahmen einer kürzeren Quarantänepflicht für vertretbar. Nur in Extrem­situationen sollte die Quarantäne bei symptom­losen Personen ausgesetzt werden dürfen“, so der Grünen-Politiker gegenüber dem RND. Solche Extremsituationen sollen ihm zufolge aber nur für die Bereiche kritischer Infrastruktur gelten, in denen nur sehr wenige hochspezialisierte Personen die Arbeit ausüben können.

Söder zu Omikron: „Wir können nicht das ganze Land in Quarantäne schicken“

Auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat in dieser Debatte Stellung bezogen und sich dafür ausgesprochen, die Dauer der Quarantänezeit einzuschränken. Angesichts der explosionsartigen Verbreitung der Omikron-Variante könne an den aktuellen Regelungen nicht festgehalten werden. Gegenüber der Welt am Sonntag fand er eindeutige Worte: „Wir können nicht das ganze Land in Quarantäne schicken.“

Experten warnen bereits seit Wochen mit Blick auf die explodierenden Infektionszahlen in anderen Ländern vor der Omikron-Variante. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) geht aktuell davon aus, dass die Omikron-Welle Deutschland zum Jahreswechsel oder spätestens im Januar erreichen wird. Bereiche kritischer Infrastruktur könnten durch Personenausfall akut bedroht sein. Der Bundesvorsitzende der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes sagte gegenüber dem RND, dass Deutschland durch die Omikron-Variante auf eine Situation zulaufe, in der die Gesundheitsämter erkranktes Personal irgendwann nicht mehr kompensieren könnten. „Das ist ein großes Problem“, so Teichert. (at) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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