„Wer soll es denn sonst machen sollen?“

ARD-Mann glaubt an Scholz - aber Zuschauer nehmen ihm eine Sache übel: „Ich wage zu bezweifeln ...“

  • Franziska Schwarz
    vonFranziska Schwarz
    schließen

Ist Olaf Scholz als Kandidat für die Nachfolge von Angela Merkel geeignet? Ja, finden die „Tagesthemen" der ARD - ein Argumentationspunkt wird dabei aber heißt diskutiert.

  • Bundesfinanzminister Olaf Scholz will für die SPD bei der Bundestagswahl 2021 als Kanzler kandidieren.
  • In den News-Sendungen war das am 10. August ein Fokus-Themen - so auch in den „Tagesthemen" in der ARD.
  • Ein Punkt in dem Meinungsbeitrag wird in den sozialen Medien besonders heftig debattiert.

Berlin - „Wer hätte es denn sonst machen sollen und wollen?“ fragt Journalist Andreas Cichowicz in einem aktuellen Meinungsbeitrag für das ARD-Format „Tagesthemen“. Er traut dem frisch gekürzten SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz das Amt zu. Selbst dann, wenn Scholz seiner Ansicht nach eine „GroKo“-Lackierung besitzt. Jedoch: „Er ist solide, vertrauenswürdig, auch persönlich bislang untadelig. Er kann führen. Er kann Krise“, zeigt sich Cichowicz sicher.

Seine Begründung: Scholz stehe mit der Kanzlerkandidatur nun, etwa beim Skandal um Wirecard*, „erst recht unter Beobachtung“. Aber Scholz sei jemand, der „den Kampf aufnimmt“ - das hat der Politiker eben selbst erklärt. Der ARD-Kommentator sieht die SPD wegen ihrer Umfragewerte zwar „meilenweit“ von einer Kanzlerschaft entfernt - glaubt aber, dass sich die politischen Lager nach der Bundestagswahl 2021 „neu sortieren“ werden, zumal es ohne ein erneutes Antreten von Angela Merkel* eben auch keinen Kanzlerinnen*-Bonus“ mehr geben werde.

Scholz neuer SPD-Kanzlerkandidat: ARD-Kommentator lobt Entwicklung nach G20-Gipfel in Hamburg

Sowohl Bayerns Ministerpräsident Markus Söder* (CSU), als auch sein Amtskollege in Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet* (CDU) haben den Zeitpunkt der Scholz-Bekanntgabe scharf kritisiert. „Tagesthemen“-Kommentator Cichowicz wundert sich eher, dass die Nachricht „nicht vorab durchgestochen wurde“. Dies lasse „aufhorchen“, bemerkt er.

Alles in allem hält er es für eine „Ansage“ der SPD*, mit Scholz ins Rennen zu gehen. Scholz habe dazugelernt, gehört auch zu Cichowicz‘ Lob für den Politiker - etwa nach dem G20-Treffen in Hamburg im Jahr 2017. Als damals dort amtierender Oberbürgermeister stand Scholz für seinen Umgang mit dem Gipfel und den Gegenprotesten stark in der Kritik. 2018 wechselte er ins Finanzministerium in Berlin. „Scholz zeigte Reue“, heißt es in dem Meinungsbeitrag.

Olaf Scholz nimmt vor der Pressekonferenz in Berlin, bei der er als Kanzlerkandidat der SPD vorgestellt wird, seinen Mund - und Nasenschutz ab.

Scholz neuer Kanzlerkandidat: „Das Projekt 5 Prozent ist bei der SPD in vollem Gange“

Der Themenkomplex „Scholz und G20“ ruft nun - dem „Tagesthemen“-Kommentarbereich auf Facebook nach zu urteilen - ziemlichen Widerspruch bei den Zuschauern hervor. „Ich wage zu bezweifeln, dass die Mehrheit der Hamburger das so sieht“, schreibt eine Zuschauerin und wird dafür mit vielen Likes bedacht. „Vertrauenswürdig, untadelig? Erinnern Sie sich an G20 in Hamburg? Was ist mit dem heraufziehenden Wirecard-Skandal? Das Projekt 5 Prozent ist bei der SPD in vollem Gange!“, drückt ein anderer Zuschauer seinen Missmut viel deutlicher aus.

Manch einer nimmt Scholz aber auch in Schutz: „Will das nicht verteidigen, aber wie gesagt, die Hamburger waren mit ihm im Großen und Ganzen zufrieden“, wendet eine Zuschauerin ein. „Er wäre auch sicher wiedergewählt worden, wenn er nicht Finanzminister geworden wäre beim Bund“, glaubt sie. Dass die Kanzlerkandidatur für Scholz einfach wird, glaubt man auch bei den Tagesthemen nicht. Gegner und Medien hätten jetzt ein Jahr lang Zeit, Scholz „genüsslich auseinanderzunehmen“, so Cichowicz.

Die ARD leistete sich in den Tagesthemen zuletzt zwei peinliche Patzer.

(frs) *Merkur.de gehört zu Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Rubriklistenbild: © Screenshot: ARD-Mediathek

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema