Franz Josef Strauß auf dem Parteitag der CSU in München im Oktober 1971.
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Franz Josef Strauß auf dem Parteitag der CSU in München im Oktober 1971.

Nazi-Gruppe „völlig unterschätzt“

Oktoberfest-Attentat 1980: Schwerer Fehler von Strauß? Herrmann zieht brisante Bilanz

Vor 40 Jahren ereignete sich das fürchterliche Oktoberfest-Attentat. Bayerns Innenminister sieht rückblickend auch Fehler bei Franz Josef Strauß.

München - Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat 40 Jahre nach dem Oktoberfestattentat Fehler nicht nur der damaligen Ermittler, sondern auch der Politik eingeräumt. Der damalige Ministerpräsident Franz Josef Strauß (CSU) habe die Gefährlichkeit der Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG) „völlig unterschätzt“, sagte Herrmann am Donnerstag in Verfassungsausschuss des Landtags.

Oktoberfest-Attentat und antisemitischer Doppelmord: Herrmann sieht Fehler auch bei Franz Josef Strauß

Auch für den antisemitischen Doppelmord an Shlomo Lewin und Frida Poeschke in Erlangen wenige Monate nach dem Wiesnattentat sei der unmittelbare Bezug zur WSG nun klar. „Politisch bleibt deshalb ebenfalls heute festzuhalten, dass das Verbot der WSG durch den Bundesminister des Innern Gerhart Baum (FDP) im Frühjahr 1980 absolut richtig war.“ Strauß hatte Baum damals scharf kritisiert.

Bei dem schwersten rechtsterroristischen Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik am 26. September 1980 starben 13 Menschen, darunter der Attentäter Gundolf Köhler. 221 Menschen wurden verletzt. Die Bundesanwaltschaft hatte im Juli zum Abschluss neuer Ermittlungen ausdrücklich festgestellt, dass Köhler aus rechtsextremistischer Motivation heraus handelte. Konkrete Hinweise auf Mittäter oder Hintermänner ergaben sich aber nicht.

Oktoberfest-Attentat: Herrmann stützt Einzeltäter-These - doch Fragen bleiben offen

Auch beim Bombenbau und der Beschaffung von Teilen seien keine Hinweise gefunden worden, dass Köhler die strafrechtlich relevante Hilfe anderer gehabt habe, sagte Herrmann weiter. „Vielmehr verdichteten sich die Annahmen, dass sich Gundolf Köhler schon seit Jugendzeiten für Waffen und Sprengstoffe interessierte sowie über die zur Herstellung einer Bombe notwendigen Fähigkeiten und Werkzeuge verfügte.“

Dass Köhler die Tat ganz allein plante und ganz allein handelte, wird von verschiedener Seite bis heute angezweifelt. Rätsel gibt bis heute etwa um am Anschlagsort gefundene Teile einer abgerissenen Hand - diese war nach Einschätzung von Experten nicht Köhler zuzuordnen. Das Körperteil ist allerdings verschwunden und nicht mehr für DNA-Tests verfügbar, wie zuletzt der Journalist Ulrich Chaussy in einer aktuellen Dokumentation des Bayerischen Rundfunks darlegte.

Oktoberfest-Anschlag: Einzeltäter Gundolf Köhler? „Kritik kann nicht vollständig ausgeräumt werden“

Die Ermittler hätten alles in Ihrer Macht stehende versucht, um Widersprüche und offene Fragen zu klären, sagte Herrmann. Es sei ihm aber bewusst, dass angesichts der ergebnislosen Suche nach Tatbeteiligten, des unklaren Verbleibs des Handfragments und einer damals ungenügenden Sicherung sowie vorzeitigen Vernichtung von Beweismitteln die Kritik nicht vollständig ausgeräumt werden könne.

Am Ort des Attentats soll ein neues Denkmal entstehen, wie Merkur.de* berichtete - der schwerste Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik jährt sich dieser Tage zum 40. Mal. Die Bundesregierung, der Freistaat Bayern und dessen Landeshauptstadt München haben zudem die Weichen für einen gemeinsamen 1,2-Millionen-Euro-Entschädigungsfonds für Betroffene gestellt, die bis heute unter den Folgen der Tat leiden.

Eine Chronologie der rechtsextremistischen Gewalttaten der vergangenen Jahre finden Sie ebenfalls bei Merkur.de*. (dpa/fn) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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