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Nigeria wählt: So wichtig ist die größte demokratische Wahl auf dem afrikanischen Kontinent für Europa

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Von: Anna-Katharina Ahnefeld

Am 25. Februar wählt das westafrikanische Land Nigeria einen neuen Präsidenten. Die Wahl gilt als richtungsweisend.
Am 25. Februar wählt das westafrikanische Land Nigeria einen neuen Präsidenten. Die Wahl gilt als richtungsweisend. © KOLA SULAIMON / AFP

Die größte Demokratie Afrikas wählt einen neuen Präsidenten. Der Wahlausgang gilt als zukunftsweisend. Nicht nur für Nigeria, sondern für die Afrikanische Union – und die gesamte Welt.

Abuja – An diesem Samstag findet in Nigeria eine Schicksalswahl statt. Der „Giant of Africa“ wählt einen neuen Präsidenten, die Nachfolge des aus dem Amt scheidenden Muhammadu Buhari. Es sind die größten demokratischen Wahlen, die jemals auf dem afrikanischen Kontinent stattgefunden haben. Fast die Hälfte der rund 90 Millionen Wahlberechtigten Nigerias sind jünger als 35 Jahre. Ein historisches Ereignis, das in Europa wenig Beachtung findet. Dabei ist der Ausgang aus geopolitischer und wirtschaftlicher Sicht immens bedeutend. Das Land ist schon jetzt der bevölkerungsreichste Staat Afrikas. Und UN-Prognosen gehen davon aus, dass Nigeria 2050 nach China und Indien das Land mit der drittgrößten Bevölkerung der Welt sein wird. Es ist außerdem die größte Volkswirtschaft Afrikas und der größte Produzent von Erdöl. Nigeria, der Name steht für Superlative.

Das Wahlergebnis wird daher Auswirkungen auf die gesamte Afrikanische Union haben – und damit auf die Welt. Das weiß auch Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne), die kurz vor ihrem Nigeria-Besuch im Dezember des vergangenen Jahres ankündigte: „Wir wollen mit diesem wichtigen Partner enger zusammenarbeiten.“ Denn Nigeria ist bereits jetzt Deutschlands zweitwichtigster Handelspartner in Afrika.

Doch die Wahlen finden nicht in friedlichen Zeiten statt. Nigeria ist von verschiedenen Krisen gezeichnet. Vor allem belasten das Land die religiösen Spannungen zwischen dem mehrheitlich muslimischen Norden und dem christlichen Süden. Eine spätere Stichwahl und Unruhen sind möglich. Nigeria steht an einem Wendepunkt – und noch ist völlig offen, welcher Kandidat die besten Chancen auf einen Sieg hat.

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Die Ausgangssituation ist durchaus brenzlig. Seit Jahren ist die Sicherheitslage in Nigeria prekär, Korruption grassiert, Bargeld ist knapp und die islamistische Miliz Boko Haram terrorisiert die Menschen im Nordosten des Landes. Auch die Armut wächst rasant, und die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Afrobarometer gaben neun von zehn Nigerianern an, dass sich das Land in eine falsche Richtung entwickle.

Ein Anruf bei Marija Peran. Die Leiterin des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Nigeria ist so kurz vor den Wahlen im Stress. Seit zwei Jahren lebt sie in Abuja, der Hauptstadt des Landes. „Die Nigerianer haben das Gefühl, dass der nächste Präsident eine entscheidende Rolle darin spielen wird, welchen Weg das Land einschlägt – ob es sich weiter destabilisiert oder aus der Notlage herauskommt“, sagt Peran dem Münchner Merkur von IPPEN.MEDIA. Dies sei auch für den gesamten Kontinent relevant. „Nigeria ist ein wichtiger Stabilitätsanker in Westafrika. In den vergangenen Jahren gab es dort viele Militärputsche, es herrscht große Instabilität. Wenn ein Land von der Größe Nigerias stabil bleibt, ist das ein wichtiger Vorbote für die gesamte Stabilität der Region“, erklärt sie. Das heißt aber zugleich: Wenn Nigeria sich weiter destabilisiert, könnte das einen negativen Dominoeffekt auslösen.

Doch wer könnte Nigeria stabilisieren? Das Profil der drei aussichtsreichsten Kandidaten ist da uneindeutig. Zwar setzen alle auf die drängenden Themen Sicherheit, Bekämpfung von Korruption und wirtschaftliche Entwicklung. Aber konkrete Maßnahmen und Lösungsvorschläge bleiben sie schuldig, sagt Marija Peran. Als Hoffnungsträger der Jugend gilt jedoch Peter Obi von der Labour Party (LP). Mit seinen 61 Jahren ist er der jüngste Kandidat, seine Anhängerinnen und Anhänger nennen sich „Obitiens“. Er präsentiert sich als Reformer, weiß soziale Medien für sich zu nutzen. „Peter Obi hat es geschafft, dass das seit der Demokratisierung bestehende Zweiparteiensystem aufgebrochen wird. Es ist das erste Mal in 24 Jahren Demokratie, dass drei Kandidaten im Rennen um die Präsidentschaft sind“, erklärt Peran. Jedoch gilt er weder politisch noch finanziell als Schwergewicht – ganz anders als seine Konkurrenten, der 70-jährige Bola Tinubu von der Regierungspartei All Progressives Congress (APC) und der 76-jährige Atiku Abubakar von der oppositionellen Peoples Democratic Party (PDP). An beiden kleben handfeste Korruptionsskandale.

Präsidentschaftswahl in Nigeria: So wichtig ist die größte demokratische Wahl Afrikas für Europa

Der Wahlausgang in Nigeria ist auch für die Europäische Union von Bedeutung. „Allein wegen seiner schieren Größe ist Nigeria von strategischem Interesse, erst recht, da sich auf dem afrikanischen Kontinent geopolitische Rivalitäten abspielen“, wie Marija Peran betont. „Zudem ist Nigeria die größte Demokratie Afrikas und ein wichtiger Partner und Verbündeter Europas.“ Auf dem afrikanischen Kontinent tobt bereits ein geopolitisches Seilziehen zwischen China, Russland und den USA. Vor allem China hat seinen Einfluss auf Afrika in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut.

Doch der Westen ist auf einen regional starken Verbündeten wie Nigeria eigentlich dringend angewiesen. Auch wirtschaftlich. „Nigeria ist finanz- und wirtschaftspolitisch ein regionaler Riese und damit für eine wirtschaftliche und nachhaltige Entwicklung der Region bedeutend“, sagt Peran. „Es ist ein wachsender Zukunftsmarkt mit viel Potenzial, insbesondere im Bereich Energie. Nach Meinung einiger Experten auch mit Blick auf grünen Wasserstoff. Sollte sich das Land jedoch weiter destabilisieren und Auswirkungen auf die Nachbarländer haben, dann wäre Europa als Nachbarkontinent mit größeren Flucht- und Migrationsströmen konfrontiert.“ Die Leiterin des Auslandsbüros in Nigeria ist überzeugt: „Afrika ist der Kontinent der Zukunft, den man nicht weiter ignorieren kann.“ Das haben Länder wie China schon länger begriffen. Europa ist noch dabei, das zu realisieren. Nicht zuletzt deswegen sollten wir am Samstag auf Nigeria blicken.

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