1. Startseite
  2. Politik

Schlacht um Mariupol: Militärexperte sieht „taktische Entscheidung“ der Ukraine - und Russland vor Problem

Erstellt:

Von: Marcus Giebel

Soldaten sitzen auf einem fahrenden Panzerwagen
Die Verteidiger des Donbass: Ukrainische Soldaten sitzen auf einem durch die Stadt Severodonetsk fahrenden Panzerwagen. © FADEL SENNA/afp

Wladimir Putin musste sich bereits von seinem ursprünglichen Kriegsplan verabschieden. Nun konzentriert sich Russland auf den Donbass. Doch auch hier sind die Erfolgsaussichten laut einem Experten schlecht.

München - Der Ukraine-Krieg* liefert ununterbrochen grausame Bilder. Von Tag zu Tag reift jedoch auch die Erkenntnis: Wladimir Putin* hat sich komplett verkalkuliert. Der Kreml-Chef wollte das Nachbarland im Handstreich nehmen, sich wohl als Befreier in Kiew* und anderen Städten feiern lassen. Bester Beweis dafür waren die offenbar vorbereiteten Meldungen vom Sieg, die schon am zweiten Tag nach Beginn der Invasion über diverse russische Medien verbreitet wurden.

Doch auch knapp zwei Monate nach dem Einmarsch haben Moskaus Truppen* keinen wirklichen Erfolg vorzuweisen. Nach wochenlangen Belagerungen zogen sich die Soldaten teilweise überstürzt aus der Region um Kiew zurück, nun soll offenbar der Donbass für die Rückschläge büßen. Dort zieht Putin seine Truppen neu zusammen. Vor allem Mariupol am Asowschen Meer bekommt die Wut der Angreifer zu spüren, von der 400.000-Einwohner-Stadt soll nicht mehr viel übrig sein.

Ukraine-Krieg: Russland bräuchte für Einnahme von Mariupol „Überlegenheit im Verhältnis 8:1“

Dennoch droht dem mächtigen Mann in Moskau hier die nächste militärische Schlappe. Das vermutet Carlo Masala im Welt-Interview. Der Militär-Experte sieht es als „taktische Entscheidung“ der ukrainischen Armee an, sich in der Stadt einschließen zu lassen und Mariupol von innen heraus zu verteidigen, denn: „Um so eine Stadt im Straßenkampf einzunehmen, braucht der Angreifer eine Überlegenheit im Verhältnis 8:1. Dafür hatten die Russen lange nicht genügend Kräfte vor Ort.“

Die Folgen bekam nicht zuletzt die Zivilbevölkerung zu spüren, denn Russland* habe „die Stadt mit Artillerie und Luftschlägen plattgemacht“. Für einen Gegenschlag mangele es den Ukrainern vor Ort jedoch an „Logistik, Material und Personal“. Hinzu komme nun: „Je weniger Gebäude da noch stehen, desto einfacher sind die Truppen zu enttarnen. Es ist eine Kriegsform, die ein unglaubliches Leid verursacht.“

Video: Der Donbass ist die Krisenregion in der Ukraine

Russland greift im Donbass an: Militär-Experte sieht keine Aussicht auf „großen Erfolg der Offensive“

Wirkliche Hoffnung für Mariupol hat der an der Bundeswehr-Universität München arbeitende 54-Jährige nicht. Masalas Informationen zufolge stünden sich im Osten des Landes insgesamt 60.000 bis 70.000 Verteidiger etwa 120.000 Angreifern gegenüber. Je nachdem, wie viele ukrainische Streitkräfte dort gebunden würden, würde sich ein Gegenangriff auf Mariupol umso schwieriger gestalten.

Für Russland sei das dennoch keine gute Nachricht: „Wenn meine Zahlen über die Truppenstärken beider Seiten korrekt sind, sehe ich keine Konstellation, in der eine russische Offensive großen Erfolg haben kann. Denn auch hier gilt, dass Russland mindestens eine Überzahl im Verhältnis 3:1 oder 4:1 aufbieten müsste.“ Daran habe er Zweifel.

Portraitbild von Carlo Masala
Prophezeit heftige Zusammenstöße im Donbass: Militär-Experte Carlo Masala benennt konkrete Unterstützung für die Ukraine. © Bundeswehr-Universität Neubiberg

Ukraine-Krieg konzentriert sich auf den Osten: „Heftige Stellungskriege“ im Donbass erwartet

Ein Problem für die einheimischen Soldaten sieht der gebürtige Kölner nur, falls Putin versuchen sollte, den Gegner einzuzingeln. Masala geht jedoch eher von „heftigen Stellungskriegen“ aus. Wie sie ja schon seit Wochen rund um die Großstädte zu beobachten sind - wenn auch vielleicht noch nicht in der nun bevorstehenden Heftigkeit.

Eine wichtige Rolle würde dabei auch spielen, dass die Ukrainer mit schweren Waffen ausgestattet werden, um wirkliche Gegenoffensiven reiten zu können. Konkret nennt Masala „gepanzerte Fahrzeuge, Panzer, Artillerie, Panzerhaubitzen, Kampfflugzeuge. Zudem sind auch Nachtsichtgeräte und Kommunikationsmittel wichtig.“

Auch die werden weitere schreckliche Bilder aus der Ukraine* keineswegs verhindern können. Aber das russische Militär vermutlich weiter in die Schranken weisen. (mg) *merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant