Iran mit Vorwürfen

Iranischer Atomphysiker ermordet: Maas mahnt vor Eskalation - „Lage in der Region erneut zuspitzt“

Wie das iranische Verteidigungsministerium bestätigt hat, wurde ein hochrangiger Atomphysiker ermordet. Der iranische Präsident richtet sich mit Vorwürfen an USA und Israel. Maas will beschwichtigen.

Update vom 28. Dezember, 16 Uhr: Man rufe „alle Beteiligten eindringlich auf, von Schritten abzusehen, die zu einer weiteren Eskalation der Lage führen könnten“, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) gegenüber der Funke-Mediengruppe. Zwar habe man noch keine eigenen Erkenntnisse, klar sei jedoch, „dass die Tötung von Mohsen Fachrisadeh die Lage in der Region erneut zuspitzt - in einer Zeit, in der wir gerade eine solche Eskalation überhaupt nicht gebrauchen können“, sagte Maas mit Blick auf mögliche Verhandlungen zu Irans Atomprogramm.

Iran: Atomphysiker am Freitag getötet - Iranischer Präsident mit Vorwürfen an USA und Israel

Der iranische Präsident hat den USA und Israel vorgeworfen, hinter dem Tod Fachrisadeh zu stehen. „Erneut sorgten der Imperialismus und sein zionistischer Söldner für ein Blutvergießen und den Tod eines iranischen Wissenschaftlers“, sagte Hassan Ruhani im Staatsfernsehen. Der „Terroranschlag“ zeige ihm zufolge die Angst der Feinde Teherans vor dem technologischen Fortschritt der Islamischen Republik.

Die Ermordung des Kernphysikers Mohsen Fachrisadeh wird laut dem iranischen Atomchef den Fortschritt des Atomprogramms im Land weder aufhalten noch beeinträchtigen. „Der Weg Fachrisadehs wird jetzt erst recht noch intensiver fortgesetzt“, sagte Ali-Akbar Salehi am Samstag. Ähnlich äußerte sich auch Kommunikationsminister Mohamed Dschawad Asari Dschahromi. „Für die eine herausgerissene Blume werden Tausende nachwachsen“, twitterte
er.

Iranischer Atomphysiker ermordet - UN-Generalsekretär mahnt zu Zurückhaltung

Update vom 28. November 2020, 7.01 Uhr: Im Fall des ermordeten Mohsen Fachrisadeh hat UN-Generalsekretär António Guterres Zurückhaltung angemahnt. Man habe Berichte über den Vorfall zur Kenntnis genommen, teilte UN-Sprecher Farhan Haq der Deutschen Presse-Agentur am Freitag (Ortszeit) in New York mit. „Wir fordern Zurückhaltung und sehen es als notwendig an, dass Maßnahmen vermieden werden, die zu einer Eskalation der Spannungen in der Region führen könnten.“

Erstmeldung:

Teheran - Wie der iranische Staatssender IRIB sowie mehrere Nachrichtenagenturen berichtet haben, ist der hochrangige iranische Atomphysiker Mohsen Fachrisadeh einem Anschlag zum Opfer gefallen.

Iran: Atomphysiker ermordet - Aussage sorgt für Verwirrung

Auch die örtlichen Behörden haben den Mord bestätigt. Einige Angreifer sollen ebenfalls ums Leben gekommen sein. Der Sprecher der iranischen Atomorganisation hingegen widersprach den Berichten und sorgte damit für Verwirrung.

Die Tat soll sich am Freitag in Ab-Sard ereignet haben. In dem Vorort östlich der Hauptstadt Teheran soll Fachrisadeh „von Terroristen“ angegriffen worden sein, wie die Berichte erklären. Die Angreifer sollen sich mit dem Sicherheitsteam einen Schusswechsel geliefert haben.

Der Forscher wurde dabei tödlich verletzt und erlag später seinen Verletzungen. Irans* Außenminister Mohammed Dschawad forderte die internationale Gemeinschaft auf, „diesen Akt des Staatsterrors zu verurteilen“.

Iran: Ermordeter Atomphysiker gilt als Architekt eines geheimen Atomwaffenprogramms

Sarif erklärte zudem via Twitter, es gebe „ernsthafte Hinweise“ darauf, dass Israel an der Attacke beteiligt war. Bei Fachrisadeh handelte es sich um den Leiter der Forschungs- und Innovationsabteilung im Verteidigungsministerium des Iran*.

Iran: Atomphysiker Mohsen Fachrisadeh wurde am Freitag mutmaßlich „von Terroristen“ in seinem Wagen angeschossen und schwer verletzt.

Der Experte für die Herstellung von Raketen war zudem Mitglied der iranischen Revolustionsgarden gewesen. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte ihn als den Vater des iranischen Atomwaffenprogramms* bezeichnet. Laut Angaben der Nachrichtenagentur Fars soll der israelische Geheimdienst jahrelang versucht haben, ihn auszuschalten.

Der bedeutende Wissenschaftler leitete laut Bild die iranischen Atomprogramme „Amad“ und „Hope“. Ersteres wurde von Israel und westlichen Verbündeten als militärische Operation um den Bau einer iranischen Atombombe bewertet. Teheran dementierte dies immer wieder. 2003 erklärte die Internationale Atomenergie-Organisation das Programm als beendet. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Odd Andersen/dpa

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