Vor EU-Gipfel in Brüssel

Greta Thunberg und Luisa Neubauer mit offener Schelte für Merkel und EU-Chefs: „Hört auf, so zu tun ...“

  • Fabian Müller
    vonFabian Müller
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Aktivistinnen rund um Greta Thunberg haben sich in einem offenen Brief an die Oberhäupter der EU-Staaten gewandt. Diese müssten die Umweltkrise endlich als solche behandeln.

  • Vier Klimaaktivistinnen rund um Greta Thunberg* und Luisa Neubauer haben sich in einem offenen Brief an die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten gewandt. 
  • Vor dem EU-Gipfel forderten sie ein Umdenken in der Klimapolitik.
  • Die EU solle nun endlich die Klimakrise auch wirklich als Krise behandeln, so die Verfasser des Briefs. 

Stockholm/Berlin - „Hört auf, so zu tun, als könnten wir die Klima- und Umweltkrise lösen, ohne sie als Krise zu behandeln“ - mit diesen Worten beginnt ein offener Brief, den Greta Thunberg* und Luisa Neubauer gemeinsam mit den belgischen Aktivistinnen Anuna de Wever van der Heyden und Adélaïde Charlier am Donnerstag an sämtliche Staatsoberhäupter der EU geschickt haben. Wenige Tage vor dem EU-Gipfel in Brüssel rufen die Aktivistinnen die EU dazu auf, endlich klare Maßnahmen gegen die Klimakrise zu ergreifen.

Der offene Brief wurde von zahlreichen bekannten Persönlichkeiten unterzeichnet, darunter Schauspieler Leonardo DiCaprio, die Band Coldplay und die Nobelpreisträgerin Malala Yousafzai

Früh im Brief formulieren die vier Aktivistinnen um Thunberg* klare Forderungen: Die Förderung und Nutzung fossiler Brennstoffe müsse unverzüglich gestoppt werden, Ökozid müsse von der EU zu einem internationalen Verbrechen erklärt werden, ein jährlich festgeschriebenes CO2-Budget müsse unverzüglich eingeführt werden sowie ein generelles Umdenken in der Klimapolitik stattfinden - vor allem in Bezug auf wirtschaftlicher und geschlechterspezifischer Ungleichheit.

Offener Brief von Greta Thunberg: Vor EU-Sondergipfel in Brüssel: Aktivistinnen zeichnen düsteres Bild

Die Verfasser des Texts schreiben, sie wüssten darum, dass ihre Forderungen teils schwer umzusetzen und unrealistisch seien. „Aber es ist viel unrealistischer zu glauben, dass unsere Gesellschaft in der Lage wäre, die globale Erwärmung und andere katastrophale ökologische Folgen des heutigen Business as usual zu überleben.“

Von Freitag an geht es auf dem EU-Sondergipfel in Brüssel um den Haushalt der Union und die geplanten Milliardenausgaben, die die Folgen der Corona-Krise* abfedern sollen. Klimaschützer halten es für entscheidend, das Geld in eine „grüne“ Wirtschaft zu investieren.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb am Donnerstag nach einem Treffen mit den Klima-Aktivistinnen - zwei von ihnen waren per Video zugeschaltet -, auf Twitter: „Es ist inspirierend, junge Aktivisten zu treffen. Wir stimmen darüber überein, dass schnelles Handeln gegen den Klimawandel nötig ist.“

Brief von Greta Thunberg: EU-Staaten „müssen Versprechen einhalten“

Die EU-Staaten hätten sich mit ihren Unterschriften unter dem Pariser Weltklimaabkommen dazu bekannt, eine Führungsrolle beim Klimakampf einnehmen zu wollen, hieß es in dem Schreiben. „Die EU hat dazu die wirtschaftlichen und politischen Möglichkeiten, weshalb es unsere moralische Pflicht ist. Jetzt müssen Sie Ihre Versprechen tatsächlich einhalten.“

Dazu bedarf es nach Ansicht der Klimaschützer einer klaren Abkehr vom bisherigen Wirtschaftssystem: Dieses nach der Corona-Krise* wiederaufzubauen, obwohl es die Klimakrise grundsätzlich befeuere, und damit dann Klimamaßnahmen zu finanzieren, das sei genauso absurd, wie es klinge. „Unser derzeitiges System ist nicht „kaputt“ - das System tut genau das, was es soll. Es kann nicht länger „repariert“ werden. Wir brauchen ein neues System.“

Wenn beim Corona*-Wiederaufbau die Klimakrise ebenso wie die Erkenntnisse der Wissenschaft weiterhin ignoriert würden, stelle dies einen Betrug an allen künftigen Generationen dar - und das, obwohl das Investitionsprogramm als „Next Generation EU“ bezeichnet werde. Derweil sorgt eine Bluttat in Stockholm für Entsetzen. Ein kleines Mädchen wurde erschossen. (fmü/dpa) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. 

Wegen Verstößen gegen die Corona-Regeln ist ein hochrangiger EU-Politiker von seinem Posten zurückgetreten.

Rubriklistenbild: © dpa / Oliver Berg

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