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Trump wollte wohl zum Kapitol: Zeugin schildert Ausraster – „Ich bin der verfluchte Präsident“

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Von: Andreas Schmid

Der Sturm auf das Kapitol: Was wusste Ex-Präsident Donald Trump?
Der Sturm auf das Kapitol: Was wusste Ex-Präsident Donald Trump? © IMAGO/Pacific Press Agency/ANDREW CABALLERO-REYNOLDS/AFP

Wie stark war Donald Trump in den Sturm auf das Kapitol involviert? Das soll ein Untersuchungsausschuss klären. Eine Zeugin berichtet von Trump-Ausrastern.

Washington, D.C. - Der 6. Januar 2021 gilt als unrühmliches Ende der Trump-Präsidentschaft. Anhänger des abgewählten Republikaners stürmten das Kapitol, wo Joe Biden vom US-Kongress förmlich als Trump-Nachfolger bestätigt werden sollte. Bei Ausschreitungen gab es Tote und Verletzte.

Noch sis September soll ein Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses die Ereignisse aufklären. Entscheidend ist dabei auch die Frage nach einer möglichen Verantwortung Donald Trumps. Am Dienstag (28. Juni, Ortszeit) schilderte nun eine frühere Mitarbeiterin, wie sich Trump ihrer Erinnerung nach am 6. Januar verhalten hat. Cassidy Hutchinson, einst Assistentin von Trumps Stabschef Mark Meadows, gewährte bisher unbekannte Einblicke und ließ Trump dabei alles andere als gut aussehen. Der damals amtierende US-Präsident scheint einen Putschversuch zumindest in Kauf genommen zu haben.

Trump-Ausraster beim Sturm aufs Kapitol? „Ich bin der verdammte Präsident“

Trump wollte offenbar bei den Aktionen am Kapitol dabei sein. Nach einer Rede vor seinen Anhängern sei Trump in seinen Wagen gestiegen, sagte Hutchinson. Die Leibwächter des Secret Service hatten jedoch Sicherheitsbedenken und weigerten sich demnach, den Noch-Präsidenten zum Kapitol zu fahren. Daraufhin habe Trump versucht, dem Fahrer seiner Präsidenten-Limousine das Lenkrad zu entreißen.

Trump sei ausgerastet, habe sogar versucht, einen Leibwächter zu würgen. „Ich bin der verfluchte Präsident, bringt mich zum Kapitol“, sagte Trump laut Hutchinson. Trump selbst reagierte noch während der Zeugenaussagen auf seiner eigenen Social-Media-Plattform Truth auf die Vorwürfe. Er kenne Hutchinson „praktisch kaum“. Sie sei eine Schwindlerin und Wichtigmacherin. Hutchinson gab allerdings noch mehr preis – auch potenziell juristisch Relevantes.

Cassidy Hutchinson spricht sie über den Sturm auf das Kapitol.
Cassidy Hutchinson gehörte zum engeren Zirkel des Weißen Hauses. Nun spricht sie über den Sturm auf das Kapitol. © IMAGO/Andrew Harnik/POOL

Sturm aufs Kapitol: Trump wusste offenbar von drohender Gewalt

Trumps Berater rieten dem Präsidenten laut Hutchinson davon ab, zur aufgebrachten Meute vor dem Kapitol zu fahren. Doch Trump wollte offenbar die Eskalation. Am Vormittag des 6. Januar habe es mehrere Polizeiberichte in Richtung Weißes Haus gegeben, wonach bewaffnete Trump-Anhänger in der Stadt seien. Mit Messern und Pistolen. Trump habe die Berichte ignoriert. Seine Sicherheitsberater müssten sich keine Sorgen machen. „Sie sind ja nicht hier, um mir wehzutun.“ Trump könnte also klar gewesen sein, dass es zu Gewaltausbrüchen kommen kann.

Damit könnte Trump womöglich juristisch belangt werden. Das befürchteten Trumps Rechtsberater wohl bereits vor dem Sturm auf das Kapitol. „Bitte, wir dürfen nicht zum Kapitol gehen“, soll Chefjurist Pat Cipollone gesagt haben. „Wir werden für alle möglichen Straftaten belangt.“

Hutchinson berichtete zudem, Trump und seinen Gefolgsleuten sei vor dem 6. Januar 2021 klar gewesen, dass es zu Gewalt kommen könne. Es habe dazu mehrere Warnungen von den Sicherheitsbehörden gegeben, die direkt an Meadows gingen und über die auch Trump informiert worden sei, sagte Hutchinson. Damit widersprach sie der Darstellung des Trump-Lagers, der Sturm auf das Kapitol sei spontan gewesen und die scheidende Regierung habe damit nichts zu tun gehabt. Vielmehr sagte Trump laut Hutchinson vier Tage vor den Ereignissen: „Die Dinge können richtig, richtig schlimm werden am 6. Januar.“ (as)

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