Besuch wird zum Wahlkampf

Donald Trump macht sich über Corona-Regelungen lustig - Tests hält er für „überbewertet“

  • Valerie Eiseler
    vonValerie Eiseler
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Bei einem Besuch in Pennsylvania läuft Donald Trump zu Wahlkampf-Hochtouren auf und vergleicht Ärzte in der Corona-Krise mit Soldaten.

  • Bei dem Besuch eines Betriebs in Pennsylvania machte sich US-Präsident Donald Trump* über die Corona-Maßnahmen lustig
  • Der US-Präsident stellte die Corona-Tests in Frage und verglich Ärzte mit Soldaten „die in den Tod rennen“
  • Die Veranstaltung wurde schnell zur Wahlkampf-Rallye*

Allentown/Pennsylvania - Während die Corona-Krise in den USA noch in vollem Gange ist, lief Donald Trump in einer Rede am Donnerstag wieder zu altbekannter Form auf. Bei dem Besuch einer Vertriebsstätte für medizintechnische Ausrüstung im Bundesstaat Pennsylvania hielt der US-Präsident eine Ansprache ganz im Stil einer (inoffiziellen) Wahlkampf-Rallye und machte sich dabei über die Regelungen der Corona-Pandemie lustig. 

Während seiner Tour über das Gelände des Betriebs trugen weder der US-Präsident selbst, noch sein Berater Mark Meadows eine Maske. Erst vergangene Woche hatte Trump selbst bei einem Besuch einer Maskenfabrik keine Maske getragen. Seine Ansprache vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Betriebs begann Trump mit einer abfälligen Bemerkung über die zwei Meter Abstand, die sein Publikum einhielt: „Sehr beeindruckend. Aber wir mögen die frühere Weise lieber, oder nicht?“ Das Publikum aus Trump-Fans applaudierte. 

Trump vergleicht Ärzte mit Soldaten und macht sich über Corona-Regelungen lustig

Was der US-Präsident inhaltlich zur Corona-Pandemie sagte, war in großen Teilen Eigenlob für die Arbeit seiner Regierung. „Wir haben die besten Tests, Tests die vor zwei Monaten nicht mal existierten.“ Er fuhr fort zu behaupten die USA hätten die meisten und besten Tests weltweit durchgeführt. Das ist nicht der Fall.

Donald Trump legte dann noch eins drauf indem er sagte, die Tests seien womöglich überbewertet und der einzige Grund für die enorme Infektionszahl in den USA. „Wenn man testet, hat man einen Fall. Wenn man testet, findet man heraus, dass etwas mit den Leuten nicht stimmt. Wenn wir gar nicht testen würden, hätten wir weniger Fälle“, versuchte der Präsident seine Logik zu erklären. 

Darüber hinaus versuchte der Präsident die Arbeit von Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften zu schätzen. Doch stattdessen verglich er die „Healthcare Warriors“, die in Krankenhäusern „in den Tod rennen“ mit Soldaten. „Das ist unglaublich zu sehen - wunderschön zu sehen“, beteuerte Trump. In den USA sind offiziell über 9000 Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen an einer Corona-Infektion gestorben. Die Dunkelziffer wird höher geschätzt.

„Corona-Tests sind überbewertet“ - Donald Trump macht Besuch zur Wahlkampf-Rallye

Bei dem Besuch in Pennsylvania handelte es sich eigentlich um eine von Steuergeldern finanzierte Veranstaltung. Als solche dürfte sie nicht für den Wahlkampf eines Kandidaten oder einer Partei genutzt werden. Das schien für Trump allerdings keine Rolle zu spielen. Denn genau wie in seinen Rallyes nutzte er die Gelegenheit, um die Menge gegen seine Gegner aufzuhetzen. Erneut kritisiert er die Obama-Regierung und insbesondere Joe Biden, seinen Herausforderer im diesjährigen US-Wahlkampf*, für ihren Umgang mit der damaligen Schweinegrippe. Dabei mockierte er sich über Bidens misslungene Aussprache des H1N1-Virus und griff mit seinem „Sleepy Joe“ Spitznamen auf einen Favoriten seiner Unterstützer zurück. Er selbst wolle die Vereinigten Staaten hingegen mit einem besseren Lagerbestand vor der nächsten Epidemie schützen. Derweil verbreitet sich die aktuelle Corona-Pandemie in den Vereinigten Staaten weiter rasant.

Um die klassische Trump-Rallye dann abzurunden, nutzte der Präsident schließlich noch einen seiner Lieblings-Tricks: einem Angriff auf die Medien. Die Presse berichte nie fair über die großartigen Maßnahmen derTrump-Regierung. „Sie sind ein Desaster, aber das ist okay“, sagte Trump zum Amüsement seines Publikums. 

Von Valerie Eiseler

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Donald Trumps Sohn Eric beschuldigt den politischen Gegner, einen riesigen Schwindel zu inszenieren.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Evan Vucci/AP/dpa

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