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Bundeswehr-Papier geleakt: Vorbereitung auf Krieg an Nato-Ostflanke? „Angriff auf Deutschland“

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Von: Patrick Mayer

Die Bundeswehr plant wohl endgültig einen Strategiewechsel. So sollen die Streitkräfte auf eine Verteidigung Deutschlands an der Nato-Ostflanke vorbereitet sein. Erste Vorbereitungen laufen.

München/Berlin - 68 Seiten lang soll das geleakte Papier mit dem Titel „Operative Leitlinien für die Streitkräfte“ sein, das angeblich die strategische Neuausrichtung der deutschen Bundeswehr vor dem Hintergrund des Russland-Ukraine-Kriegs fixiert.

Deutschland im Ukraine-Krieg: Bundeswehr soll auf möglichen Krieg an Ostflanke vorbereitet sein

Davon berichtet der Spiegel. Demnach habe Eberhard Zorn, Generalinspekteur der Bundeswehr, bereits Ende September angeordnet, dass sich die deutsche Armee für einen möglichen Konflikt mit Russland schlagkräftiger aufstellen müsse. „Angriffe auf Deutschland können potenziell ohne Vorwarnung und mit großer, gegebenenfalls sogar existenzieller, Schadenswirkung erfolgen“, wird Viersterne-General Zorn zitiert. Und weiter: „Unzweifelhaft wird die Fähigkeit zur Verteidigung des Landes- und Bündnisgebiets überlebenswichtig und noch stärker als bisher in den Mittelpunkt rücken.“

Nato-Ostflanke in Litauen: Deutsche und belgische Soldaten bei der Übung „Iron Wolf II“.
Nato-Ostflanke in Litauen: Deutsche und belgische Soldaten bei der Übung „Iron Wolf II“. © Alexander Welscher/dpa

Die „rund drei Jahrzehnte andauernde Fokussierung auf Auslandseinsätze“ wie in Afghanistan, auf dem Balkan oder im afrikanischen Mali werde „der aktuellen Lage mit ihren systemgefährdenden Überraschungen nicht mehr gerecht“, soll Zorn laut dem Nachrichtenmagazin in dem Schreiben erklären.

Mehr noch: Laut Spiegel fordert der 62-jährige Zorn eine Vorreiterrolle Deutschlands. „Einsatzbereite, an einem hochintensiven Szenario ausgerichtete und ausgebildete Streitkräfte bilden das Rückgrat dieser Abschreckung“, heißt es in dem Papier demnach. Laut Zorn müssten sich die Streitkräfte für einen „aufgezwungenen Krieg“ wappnen. Die mögliche Verteidigung soll laut Spiegel an der Ostflanke des transatlantische Verteidigungsbündnisses Nato erfolgen.

Zum Schutz vor Wladimir Putins Russland: Nato entsendet 40.000 Soldaten an die Ostflanke

Die Nato, welche besagte Ostflanke vom Baltikum über Polen bis ans Schwarze Meer mit 40.000 Soldatinnen und Soldaten sichert, hatte bereits Anforderungen an die Bundesrepublik formuliert. So soll Deutschland bis 2024 eine komplett ausgestattete Division stellen können, so die Nato-Pläne.

Angriffe auf Deutschland können potenziell ohne Vorwarnung und mit großer, gegebenenfalls sogar existenzieller, Schadenswirkung erfolgen.

Eberhard Zorn, Generalinspekteur der Bundeswehr, laut Spiegel

Divisionen umfassen in der Regel eine Truppenstärke zwischen 10.000 und 20.000 Soldatinnen und Soldaten. Bereits in der Vergangenheit hatten die Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) und der Deutsche BundeswehrVerband (DBwV) von Plänen für eine neue, dritte Panzerdivision der Bundeswehr berichtet.

Deutschland im Ukraine-Krieg: An Grenze zu Belarus - Bundeswehr leitet Nato-Gefechtsverband in Litauen

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und der litauische Präsident Gitanas Nausėda hatten im Juni vereinbart, dass die Bundeswehr eine internationale Kampftruppenbrigade leitet, die mit 3000 bis 5000 Soldaten als vorgeschobener Gefechtsstand in Litauen für eine mögliche militärische Aggression Russlands dient. Für diese Aufgabe ist die Panzergrenadierbrigade 41 „Vorpommern“ aus Neubrandenburg vorgesehen, die einen Teil ihrer Soldaten in Litauen stationieren wird, große Teil der Waffensysteme und Mannstärke aber in Deutschland bereithalten soll.

Bereits seit 2017 gibt es als Reaktion auf die russische Annexion der Krim die sogenannte multinationale „Battlegroup Lithuania“ unter Kommando der Bundeswehr. Derzeit hat Oberstleutnant Marco Maulbecker vom Panzerbataillons 203 aus Augustdorf (NRW) das Kommando über rund 1.600 Frauen und Männer. Dem Bataillon gehören Soldatinnen und Soldaten aus den Niederlanden, Norwegen, Belgien, Tschechien und Luxemburg an. Den Großteil stellt die deutsche Bundeswehr mit aktuell 1000 bis 1200 Soldaten.

Nato-Übung an der Grenze zu Belarus: Ein Leopard-Panzer der deutschen Bundeswehr auf dem Truppenübungsplatz Pabrade.
Nato-Übung an der Grenze zu Belarus: Ein Leopard-Panzer der deutschen Bundeswehr auf dem Truppenübungsplatz Pabrade. © Dirk Waem/BELGA/dpa

Deutsche Bundeswehr an Nato-Ostflanke: Leopard-Kampfpanzer in Litauen, Eurofighter in Estland

Im Oktober hatte sich die Bundeswehr auf dem Truppenübungsplatz Pabrade am zweimal jährlich abgehaltenen Manöver „Iron Wolf II“ mit etwa 3500 Soldaten aus zehn Nato-Ländern sowie insgesamt rund 700 Militärfahrzeugen beteiligt. Pabrade liegt keine 50 Kilometer nordöstlich der litauischen Hauptstadt Vilnius (rund 430.000 Einwohner) und nur etwa 15 Kilometer von der Grenze zu Belarus entfernt. Das Regime in Minsk gilt als Verbündeter von Moskau-Machthaber Wladimir Putin und soll nach westlichen Angaben russische Truppen im Land dulden.

Im Februar ließ Deutschland wegen seiner Nato-Verpflichtungen kurz vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs sechs Panzerhaubitzen 2000 auf den Stützpunkt in Rukla verlegen, der rund 110 Kilometer von der belarussischen Grenze entfernt ist. Bereits 2017 hatte Deutschland 20 „Marder“-Schützenpanzer und sechs Kampfpanzer „Leopard 2“ in Litauen stationiert. Zuletzt kam das leichte Flugabwehrsystem „Ozelot“ dazu.

Ferner sichern mittlerweile fünf deutsche Eurofighter im Auftrag der Nato den Luftraum über dem Baltikum. Jetzt ist die Verteidigung Deutschlands an der Nato-Ostflanke offenbar auch offiziell die Strategie der Bundeswehr. (pm)

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