„Verschwörungstheorien größte Sorge“

Spahn zum Coronavirus: „Eilverordnung“ und neue Flug-Regel kommen - Minister ruft zu Gelassenheit auf

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Das Coronavirus hat Deutschland erreicht. Die Bundesregierung reagiert - warnt aber in erster Linie vor „Verschwörungstheorien“.

  • Das Coronavirus hat Deutschland erreicht.
  • Die Bundesregierung mahnt zur Gelassenheit - hat aber auch eine erste Eilverordnung erlassen.
  • Maßnahmen gibt es unter anderem mit Blick auf ankommende Flüge aus China und die Melderoutinen der Kliniken.

Update vom 29. Januar, 16.28 Uhr: Nach einem Coronavirus-Verdacht in einer Lufthansa-Maschine hat die deutsche Fluggesellschaft drastische Maßnahmen ergriffen - und sämtliche Flüge nach China ausgesetzt. Vorerst bis zum 9. Februar werden keine Lufthansa-Flugzeuge in China landen. Das betrifft auch alle Flüge der Swiss und Austrian Airlines, wie der Konzern am Mittwoch erklärte. 

An Bord eines Lufthansa-Flugzeugs hat es einen Verdachtsfall einer Infektion mit dem neuen Coronavirus gegeben. Wie die Airline in Frankfurt am Main am Mittwoch mitteilte, wurden Passagiere des Flugs LH780 aus Frankfurt nach der Landung in der chinesischen Stadt Nanjing medizinisch untersucht. Chinesische Behörden hätten dies angeordnet, weil ein Mann an Bord bereits „innerhalb der letzten beiden Wochen in Wuhan war und nun Husten hatte“.

Wie die Politik auf diesen Vorstoß von Lufthansa reagieren wird, ist noch offen. Indes wird die Lufthansa-Jahreshauptversammlung 2020 mit Spannung erwartet.

Lufthansa

Auch der schwedische Möbelkonzern Ikea hat bereits reagiert: Rund die Hälfte der Ikea-Häuser in China bleiben vorerst geschlossen. Der Mutterkonzern Ingka hatte sich am Mittwoch dazu entschlossen und betroffene Angestellte gebeten, bis auf Weiteres zu Hause zu bleiben. Damit wolle man die Gesundheit und Sicherheit von Kunden und Mitarbeitern schützen. 

Spahn zum Coronavirus: „Eilverordnung“ und neue Flug-Regel kommen - Minister ruft zu Gelassenheit auf

Berlin - Angesichts des ersten Coronavirus-Falls in Deutschland will nun auch die Bundesregierung weitere Maßnahmen ergreifen. Er habe eine Telefonkonferenz mit den Gesundheitsministern der Länder durchgeführt, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Es seien Schritte gegen die Ausbreitung des Virus besprochen worden.

So sollen Piloten bei einer Landung von Flügen aus China den Tower über den Gesundheitszustand der Passagiere informieren - Fluggäste sollen zugleich Formulare ausfüllen, um 30 Tage lang im Falle einer Infektion erreichbar zu sein. Per Eilverordnung sollen Kliniken verpflichtet werden, begründete Verdachtsfälle zu melden. So solle ein Überblick über die Lage gewährleistet werden.

Coronavirus: Spahn mahnt zur Ruhe - Ansteckungsgefahr gering

Spahn (CDU) erklärte aber auch, die Ansteckungsgefahr in Deutschland sei weiterhin gering: „Daher möchte ich auch alle zur Gelassenheit aufrufen.“ Man nehme den Virus ernst, dürfte aber nicht hektisch werden. „Für übertriebene Sorge gibt es keinen Grund“, sagte der Minister.

Es sei zu erwarten gewesen, dass das Virus Deutschland erreichen werde, sagte Spahn. Es habe sich aber auch schon gezeigt, dass das Land gut vorbereitet sei. Er sei zuversichtlich, dass eine weitere Ausbreitung in Deutschland verhindert werden könne - wenn die Patienten zügig behandelt und begleitet würde, könnten Ansteckungen vermieden werden, betonte er.

Coronavirus: Minister Spahn beunruhigt über „Verschwörungstheorien“

„Das einzige, was mich wirklich beunruhigt, sind Verschwörungstheorien aller Art“, sagte Spahn mit Blick auf in sozialen Medien kursierende Gerüchte. Die Bundesregierung wolle mit größtmöglicher Transparenz auf dieses Problem reagieren.

Die Fallzahlen stiegen zwar in China stark - davon seien aber viele offenbar „leichte Fälle“, sagte der Leiter des Robert-Koch-Instituts, Lothar Heinz Wieler. Bei der Mehrzahl der Verstorbenen handle es sich aktuellen Informationen zufolge um Menschen mit Vorerkrankungen.

Das Coronavirus (Link zu merkur.de*) habe Ähnlichkeit mit dem SARS-Virus, sagte Wieler weiter. Eine klare Therapie gebe es zwar nicht - dafür aber klare Maßnahmen gegen eine Ansteckung. Es seien dieselben wie im Falle einer Grippe: Dazu zählten etwa das Niesen in die Armbeuge und das Abstandhalten zu erkrankten Menschen.

Ohnehin laufen im Land bereits zahlreiche Vorsichtsmaßnahmen: So hat der Flughafen München eine „Task-Force Infektiologie“ in Einsatzbereitschaft und es wurden bereits in Schleswig-Holstein die ersten Menschen isoliert (nordbuzz.de*).

fn

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Rubriklistenbild: © AFP / ODD ANDERSEN

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