Maßnahmen gegen die Pandemie

Corona-Lage: Starke Einschränkungen für Ungeimpfte möglich

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  • Kerstin Kesselgruber
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  • Anna Charlotte Groos
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  • Sandra Kathe
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Die Corona-Zahlen steigen in Deutschland rasant an. Kontaktbeschränkungen werden immer wahrscheinlicher – auch für Geimpfte. Der News-Ticker.

  • Die Corona*-Lage in Deutschland wird immer dramatischer. Angesichts der steigenden Infekionszahlen* verschärfen zahlreiche Bundesländer ihre Maßnahmen.
  • Eine neue Corona-Mutante mit der Bezeichnung B.1.1.529* wurde in Südafrika entdeckt. SPD*-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach* fordert Reisebeschränkungen.
  • Markus Söder fordert eine allgemeine Impflicht.

+++ 17.00 Uhr: Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat in der Corona-Pandemie lange Einschränkungen für Ungeimpfte ins Spiel gebracht. Der CDU-Politiker sagte, er sei grundsätzlich skeptisch, was eine allgemeine verpflichtende Impfung angehe. Eine Alternative, die zu diskutieren sei, sei durchgängig 2G für alle Lebensbereiche, also Zugang nur noch für Geimpfte und Genesene. Es könnte zu einer Ansage kommen: „Stellt Euch darauf ein, 2G, geimpft oder genesen, und war auffrischgeimpft dann ab einem Punkt x, gilt mindestens mal das ganze Jahr 2022. Wenn Du irgendwie mehr tun willst als Dein Rathaus oder Deinen Supermarkt besuchen, dann musst Du geimpft sein.“ Dies wäre eine ziemlich klare Ansage.

Das sei eine Option, die besprochen werden müsse. „Wir sehen ja alle, was los ist in diesem Land, weil elf Millionen Erwachsene sich haben noch nicht überzeugen lassen. Und darunter leiden jetzt alle“, sagte Spahn. Deutschland sei wahrscheinlich in der „schwersten“ und „dramatischsten“ Zeit dieser Pandemie. Man müsse nur den Blick richten nach Sachsen, Bayern, Thüringen und Baden-Württemberg und in viele Kliniken. Die Welle werde weiter gen Westen gehen. Die Frage sei, wie hoch die Welle werde. „Das haben wir in der Hand.

Ein Schild am Eingang eines Geschäftes weist auf die 2G-Regel hin.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler sagte zu einer eine allgemeinen Impfpflicht, wenn man es nicht schaffe, einen großen Teil der Bevölkerung zu impfen, sei dies „auf jeden Fall eine Option“, über die man dann nachdenken sollte. Deutschland sei in einer Notsituation. Die Impfung sei der Weg herraus. „Man sollte in einer Krisensituation einfach nichts prinzipiell ausschließen.“

Verschärfte Corona-Lage: Leopoldina empfiehlt sofortige Kontaktbeschränkungen

+++ 13.33 Uhr: Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina empfiehlt angesichts des dynamischen Corona-Infektionsgeschehens sofortige umfassende Kontaktbeschränkungen. „Unmittelbar wirksam ist es aus medizinischer und epidemiologischer Sicht, die Kontakte von Beginn der kommenden Woche an für wenige Wochen deutlich zu reduzieren“, heißt es in einer am Samstag (27.11.2021) veröffentlichten Stellungnahme.

„Aufgrund der nachlassenden Immunität müssten diese Maßnahmen vorübergehend auch für Geimpfte und Genesene gelten, die in dieser Zeit eine Auffrischungsimpfung erhalten müssen.“ Die Impfkampagne müsse massiv verstärkt und eine Impfpflicht stufenweise eingeführt werden. Insgesamt sollten bis Weihnachten neben Erst- und Zweitimpfungen rund 30 Millionen Drittimpfungen ermöglicht werden, so die Leopoldina.

Mit Blick auf Kinder und Jugendliche empfiehlt die Leopoldina vorgezogene Weihnachtsferien und regelmäßige Corona-Tests mindestens dreimal pro Woche. Während des gesamten Aufenthalts in den Schulen sollten Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler aller Klassenstufen Masken tragen. „Eine Aussetzung der Präsenzpflicht und ein Wechselunterricht an Schulen sowie die Schließung von Kitas sollten möglichst vermieden werden.“

Weitere Covid-19-Patienten werden nach Niedersachsen verlegt: Ein Hubschrauber mit einem Corona-Patienten ist am Freitag in Hildesheim gelandet.

Bei Verschärfung der Corona-Lage: Städtetag für erneute Kontaktbeschränkungen

Update vom Samstag, 27.11.2021, 07.19 Uhr: Der Deutsche Städtetag hält im Kampf gegen die Pandemie eine Verschärfung von Maßnahmen für unausweichlich. „Wenn die Situation weiter außer Kontrolle gerät, führt kein Weg an erneuten Kontaktbeschränkungen vorbei“, sagte Städtetagspräsident Markus Lewe der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Wir müssen die Corona-Pandemie wieder eindämmen. Wir dürfen nicht warten, bis die Intensivstationen im ganzen Land überfüllt sind. Jeder Tag zählt.“

Die Städte befürchteten, dass die dramatische Corona-Lage und die zu niedrige Impfquote erneut zu Freiheitsbeschränkungen für Geimpfte führten. „Was die Menschen in den Corona-Hotspots durchmachen, ist schlimmer, als alles, was wir bisher erlebt haben.“

Kontakte in der Corona-Pandemie vermeiden: In Sachsen musste unter anderem dieses Hotel in Oberwiesenthal wieder schließen.

Corona-Lage: Bundesregierung ruft acht Länder als Virusvariantengebiete aus

+++ 20.45 Uhr: Wegen der Verbreitung der neuen Coronavirus-Variante B.1.1.529 im südlichen Afrika beschränkt die Bundesregierung die Einreise aus insgesamt acht Ländern der Region drastisch. Südafrika, Namibia, Simbabwe, Botsuana, Mosambik, Eswatini, Malawi und Lesotho werden ab Sonntag um 0.00 Uhr als Virusvariantengebiete eingestuft, wie das Robert Koch-Institut am Freitag mitteilte.

+++ 18.52 Uhr: Die Luftwaffe der Bundeswehr beteiligt sich seit Freitag erstmals an der Verlegung von Corona-Intensivpatienten innerhalb Deutschlands. Ein Sanitätsflugzeug vom Typ A310 MedEvac flog am Freitag ins bayerische Memmingen, um von dort sechs schwer Erkrankte nach Nordrhein-Westfalen zu bringen. Damit sollen die Krankenhäuser in von Corona besonders schwer betroffenen Regionen entlastet werden.

Das Flugzeug mit den Intensivpatienten landete am frühen Abend am Flughafen Münster/Osnabrück. In Nordrhein-Westfalen ist die Corona-Lage bei weitem nicht so schlimm wie in Bayern, einem der am stärksten betroffenen Bundesländer. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen liegt in NRW mit 274,2 deutlich unter dem Bundesschnitt (438,2). Nach den Zahlen vom Freitag hat das Land noch 362 Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit für sehr schwere Fälle frei.

Neue Mutante entdeckt - Söder fordert „Bundesnotbremse“

+++ 11.45 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat den Bund dazu aufgefordert, angesichts der aktuellen in der Corona-Krise schnell zu handeln. Dies berichtete die Deutsche Presse-Agentur am Freitag (26.11.2021). „Wir brauchen eine wirksame nationale Eindämmungsstrategie“, sagte er am Freitag in Rosenheim.

Es brauche eine „einheitliche Bundesnotbremse“ und ebenso eine raschere Ministerpräsidentenkonferenz. Schon zum 1. Januar solle zudem im besten Fall eine allgemeine Impfpflicht eingeführt werden. Angesichts der neuen Virusmutation aus Südafrika sei außerdem ein Einreiseverbot* aus diesem Land notwendig.

Söder machte sich am Freitag gemeinsam mit Gesundheitsminister Klaus Holetschek (beide CSU*) in den Hotspot-Regionen in Südostbayern ein Bild von der Corona-Lage. Am Morgen trafen sie sich mit den Vertreter:innen der Stadt Rosenheim sowie der umliegenden Landkreise.

Corona-Lage: Neue Mutante hält Welt in Atem - Spahn verkündet Reisebeschränkungen

+++ 10.55 Uhr: Eine neue Corona-Mutante aus Südafrika alarmiert die Fachwelt. Die Mutante mit der Bezeichnung B.1.1.529 wird als sehr gefährlich eingestuft. SPD-Gesundheitsexperte forderte auf Twitter Reisebeschränkungen, um die Ausbreitung einzudämmen.

Zahlreiche Fachleute in Deutschland und weltweit haben die Befürchtung geäußert, bei der neuen Corona-Variante könnte es sich um eine noch ansteckendere Version des Erregers handeln. CDU*-Gesundheitsminister Jens Spahn* gab auf einer Pressekonferenz mit RKI-Chef Lothar Wieler bekannt, man werde aufgrund des neuen Virus‘ den Flugverkehr von und nach Südafrika einschränken.

Corona-News in Deutschland: Druck auf Impfverweigerer wird erhöht

Update vom Freitag, 26.11.2021, 06.25 Uhr: Angesichts der Impfverweigerung in Teilen der Bevölkerung plädiert der Düsseldorfer Ökonomie-Professor Justus Haucap dafür, freiwillig Ungeimpfte mit finanziellem Druck zum Umdenken zu bewegen. Es sei ökonomisch betrachtet sinnvoll, Impfverweigerer an ihren Covid-Behandlungskosten zu beteiligen, schreibt der Professor für Wettbewerbsökonomie an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität in einem Beitrag für die in Düsseldorf erscheinende Rheinische Post (Freitag).

„Wenn die Entscheidung für oder gegen die Impfung Privatsache bleiben soll, dann sollten auch die finanziellen Konsequenzen Privatsache sein“, erklärte Haucap. Dieses Prinzip sei schließlich auch aus anderen Lebensbereichen bekannt. Denkbar sei auch, für freiwillig Ungeimpfte wegen des viel höheren Infektionsrisikos sofort einen Zuschlag zum Krankenversicherungsbeitrag zu erheben. Leider wirke der Griff in die Geldbörse oft besser als alle Appelle. Auf diese Weise könne gegebenenfalls auch eine allgemeine Impfpflicht vermieden werden.

Neue Corona-Maßnahmen: Söder plädiert für vorgezogenes Bund-Länder-Treffen

Erstmeldung: München/Berlin - Wegen steigender Corona*-Fallzahlen in vielen Regionen Deutschlands hat sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder* (CSU*) dafür ausgesprochen, den für 9. Dezember geplanten Bund-Länder-Gipfel vorzuziehen und dabei auch mögliche Änderungen des Infektionsschutzgesetzes zu besprechen. „Jede Möglichkeit, die derzeitige Krisenlage zu verbessern, muss genutzt werden“, sagte Söder laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag der Süddeutschen Zeitung.

So kritisierte Söder etwa das neue Infektionsschutzgesetz*, das der Bundestag mit Mehrheit der Ampel-Parteien vergangene Woche beschlossen hat: Die Regelungen seien „der derzeitigen Situation nicht angemessen“. Damit folgt der bayerische Ministerpräsident auch der Linie der geschäftsführenden Bundeskanzlerin Angela Merkel* (CDU*), die bereits mehrfach strengere Maßnahmen forderte.

Verschärfung der Corona-Lage: Söder für Impfpflicht und Impfungen in Apotheken

Für das Voranbringen der Impfkampagne befürworte Söder inzwischen auch die Impfpflicht, die der geschäftsführende Unions-Gesundheitsminister Jens Spahn* auf einer Pressekonferenz vor wenigen Wochen noch als undurchführbar abgetan hatte. Söder zufolge könne nur die Impflicht „die Gesellschaft befrieden und uns allen die Freiheit zurückbringen, wie wir sie vor Corona kannten“. Um das Tempo bei der Impfkampagne zu erhöhen, fordert Söder, auch Apotheker:innen die Erlaubnis zum Impfen zu erteilen.

Damit folgt Söder den Forderungen mehrerer Ministerpräsidenten, die sich in den vergangenen Tagen ähnlich geäußert hatten. Auch der saarländische Regierungschef Tobias Hans (CDU) hatte bereits gefordert, die für Dezember geplante Ministerpräsidentenkonferenz vorzuziehen. Für die Einführung einer Impfpflicht hatten sich auch etwa der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sowie Reiner Haseloff (CDU) aus Sachsen-Anhalt ausgesprochen.

Corona-Politik: Länderchefs fordern vorgezogene Bund-Länder-Runde

Sollte das Treffen des Bundeskanzlers oder der Bundeskanzlerin mit den Länderchefs wie von Söder gefordert vorgezogen werden, könnte der geschäftsführenden Bundeskanzlerin Angela Merkel noch ein letztes Mal die Leitung des Gremiums übertragen werden, bevor ihr designierter Nachfolger Olaf Scholz* (SPD*) die Regierungsgeschäfte übernimmt. Dieser soll voraussichtlich in der Woche nach dem 6. Dezember als Bundeskanzler vereidigt werden. Wer zu Scholz‘ Kabinett gehören soll, geben die Parteien aktuell nach und nach bekannt*. (ska/acg/AFP/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Carsten Koall/dpa

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