„Wichtiges und gutes Signal“

Kita-Öffnung in der Corona-Krise: Der Vier-Phasen-Plan für Deutschland

  • Richard Strobl
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Bund und Länder haben einen Vier-Phasen-Plan für die Öffnung von Kitas in der Corona-Krise erarbeitet. Familienministerin Giffey sprach von einem „wichtigen Signal“.

Berlin - Das Coronavirus legt das öffentliche Leben in Deutschland* weiterhin lahm. Auch Schulen und Kitas sind geschlossen worden, um eine schnelle Ausbreitung des Virus zu verhindern. Das belastet vor allem Familien, die nun oftmals neben der Arbeit im Homeoffice die Kinderbetreuung organisieren müssen. Für die Schulen wurde nun ein Konzept des langsamen Wiedereinstiegs* bis zu den Sommerferien erarbeitet. Jetzt haben sich die Familienminister von Bund und Ländern auch für eine schrittweise Öffnung der Kitas ausgesprochen. Hier wurden vier Phasen erarbeitet.

Kita-Öffnung in Corona-Krise: „Behutsamer“ Wiedereinstieg

In der Corona-Krise sprechen sich die Familienminister von Bund und Ländern für einen „behutsamenWiedereinstieg in die Kinder-Tagesbetreuung aus. Das geht aus einer Mitteilung des Bundes-Familien-Ministeriums von Franziska Giffey vom Dienstag, 28. April, hervor.

Die Empfehlung sei, „in den kommenden Wochen und Monaten aus bildungs- und entwicklungspsychologischen Gründen“ einen Wiedereinstieg zu ermöglichen. Ein konkretes Zieldatum für die Wiederaufnahme des Kita-Betriebs wurde aber nicht genannt. 

Die vier Phasen für die Kita-Öffnung umfassen demnach:

  • Die aktuelle Notbetreuung
  • Eine erweitere Notbetreuung
  • Einen eingeschränkten Regelbetrieb 
  • Die Rückkehr zum Normalbetrieb.

Der Beschluss soll in die Beratungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten an diesem Donnerstag einfließen.* Weitreichende Entscheidungen werden bei dem Gespräch aber nicht erwartet, sondern erst in einer weiteren Runde am 6. Mai. Letztlich liegt die Entscheidung bei den einzelnen Bundesländern und Kommunen.

Viele Eltern kleiner Kinder fühlen sich derzeit von der Politik alleine gelassen, weil zwar Geschäfte und Schulen nach und nach wieder öffnen, es aber bei Kitas und Kindergärten noch keine Perspektive über die Notbetreuung hinaus gibt. Notbetreut werden vor allem Kinder, deren Eltern dringend am Arbeitsplatz gebraucht werden, etwa im Gesundheitswesen. Die Notbetreuung war zuletzt erweitert worden, in vielen Ländern zum Beispiel auf Alleinerziehende.

Kita-Öffnung in Deutschland: Minister schlagen weitere Lockerungen vor

Die Minister schlagen zudem vor, die Öffnung von Spielplätzen zu überprüfen und die Erlaubnis „familiärer Betreuungsformen“ in Betracht zu ziehen, um Kindern soziale Kontakte zu ermöglichen und ihre Eltern zu entlasten. Giffey nannte den Beschluss ein „wichtiges und gutes Signal“ für Familien. „Die Familien erwarten nun zeitnah konkretere Aussagen darüber, wann die nächsten Schritte erfolgen können“, sagte sie.

Oberstes Ziel sei unverändert, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen und Infektionsketten zu unterbrechen*, um schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden und das Gesundheitssystem nicht zu überlasten, hieß es in der Mitteilung. „Dennoch müssen die Belange der Kinder, gerade der Kleinkinder, und die Bedarfe der Eltern stärker berücksichtigt werden.“ Die Ministerinnen und Minister seien sich einig, „dass die gegenwärtigen Beschränkungen einen schweren Einschnitt für die Kinder darstellen.“

Kita-Öffnung in Corona-Krise soll von Studien begleitet werden

Konkret raten die Fachminister dazu, nach jedem Erweiterungsschritt zunächst mindestens zwei Wochen lang das Infektionsgeschehen zu beobachten, bevor ein weiterer Schritt gegangen wird. Die Öffnung sollte von „breit angelegten Studien“ begleitet werden, die nicht nur medizinische, sondern auch soziale Fragen in den Blick nehmen. Giffeys Ministerium will das Robert-Koch-Institut und das Deutsche Jugendinstitut beauftragen.

Besondere Beachtung gilt demnach Kindern, deren Betreuung aus Kindeswohl-Grünen erforderlich ist, die einen besonderen Förderbedarf haben und Vorschulkinder. Weil die sonst empfohlenen Abstandsregeln in der Arbeit mit kleinen Kindern nicht umsetzbar seien, müsse dies „durch Hygienepläne sowie Reinigungs- und Desinfektionspläne“ so gut wie möglich ausgeglichen werden.

Kita-Öffnung: Virologen Drosten warnt nach neuen Erkenntnissen zu Kindern

Seit dem Donnerstagvormittag steht jedoch fest: Forscher um den Virologen Drosten scheinen in Bezug auf Kinder und das Coronavirus neue Erkenntnisse gewonnen zu haben.

Wie das Team nun nämlich erklärt, seien Kinder in der aktuellen Situation nämlich genauso ansteckend wie Erwachsene. Die Zahl der Viren, die sich in den Atemwegen nachweisen lässt, unterscheide sich bei verschiedenen Altersgruppen nicht, berichten Forscher um den Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité in einer vorab veröffentlichten und noch nicht von unabhängigen Experten geprüften Studie. 

Aus diesem Grund warnen die Forscher aufgrund ihrer Ergebnisse vor einer uneingeschränkten Öffnung von Schulen und Kindergärten in Deutschland. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zeigten in vielen Ländern Wirkung, schreiben die Forscher. Mit Lockerung der Kontaktbeschränkungen gebe es vermehrt auch Diskussionen darüber, inwieweit die Schließung von Schulen und Kindergärten zu diesem Erfolg beigetragen hat - und wie sich eine Wiedereröffnung auf die Ausbreitung des Virus auswirken könnte. 

Die aktuellen Fallzahlen zum Coronavirus weltweit und in den einzelnen Ländern finden Sie hier.* 

Im Mai kommt es in ganz Deutschland wieder zu neuen Regelungen. Wir haben die Veränderungen für Sie zusammengefasst.

rjs/dpa

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Rubriklistenbild: © dpa / Franziska Kraufmann

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