Pandemie

„Wettlauf“ gegen Delta-Variante: Kanzlerin Merkel kündigt Corona-Nachimpfungen an

  • Tobias Utz
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Kanzlerin Merkel warnt vor einer weiteren Ausbreitung der Delta-Variante. Im Kampf gegen das Coronavirus sei vor allem der Impffortschritt wichtig. Es soll Nachimpfungen geben.

Berlin/Frankfurt – Die Corona*-Fallzahlen seien „extrem erfreulich“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel* jüngst: „Wir können sagen, dass sich die Anstrengungen der vergangenen Monate gelohnt haben.“ Die 66-Jährige ließ verlauten, dass sich der Fokus derzeit von der Entwicklung der Neuinfektionen, auf die Ausbreitung der Delta-Variante von Sars-CoV-2 verschiebe. „Das, was uns Sorge macht, ist die sogenannte Delta-Variante, die sich in Großbritannien wieder sehr stark ausbreitet“, erklärte Merkel nach den Bund-Länder-Beratungen in Berlin. Dies betonte auch Markus Söder*, CSU*-Chef und Bayerischer Ministerpräsident: „Wir nehmen diese Delta-Variante sehr ernst.“

In Deutschland ist die Delta-Variante aktuell für rund 2,5 Prozent der Corona-Neuinfektionen* verantwortlich, heißt es vonseiten des Robert Koch-Instituts. Merkel erklärte weiter, dass jeder Tag, an dem es in Deutschland eine geringe Nachweisbarkeit der Mutation gebe, ein guter Tag sei. Wichtiger Aspekt der Eindämmung der verschiedenen Virusvarianten sei der Impffortschritt, betonten die Verantwortlichen. „Wir sind im Grund in einem Wettlauf mit dem Impfen“, so Merkel.

Corona in Deutschland: Merkel kündigt Nachimpfungen im Herbst an

Deshalb seien Auffrischungsimpfungen im Herbst denkbar. Das Thema Impfen werde Deutschland noch länger begleiten, so die Bundeskanzlerin. Die Auffrischungsimpfungen werden insbesondere „die ältere Generation“ betreffen, kündigte Merkel an. Auch Söder betonte: „Impfen ist eine Daueraufgabe.“ Michael Müller, Berlins regierender Bürgermeister, brachte dabei den Weiterbetrieb der Impfzenten ins Spiel. Man müsse bedenken, „dass [...] im Herbst auch möglicherweise das Nachimpfen“ beginne, so Müller. Die Bundesländer seien informiert, dass ein Betrieb über den 30. September hinaus möglich sein müsse, sagte der SPD-Politiker. In Hessen* ist zum Beispiel geplant, dass alle Impfzentren Ende September geschlossen werden sollen.* Dann sollen Arztpraxen und Betriebsärzte die Arbeit der Impfzentren übernehmen, hieß es am Montag.

„Wir haben einen Sommer, der uns viele Möglichkeiten gibt, die wir lange Monate nicht hatten. Aber wir sollten nicht sorglos sein, sondern die Lage immer wieder sehr, sehr genau beobachten.“

Angela Merkel, Bundeskanzlerin
Kanzlerin Angela Merkel hat Corona-Nachimpfungen für den Herbst angekündigt.

Corona-Pandemie: Delta-Variante breitet sich weiter aus

Die Bundesregierung wird indes nicht müde, zu betonen, wie wichtig es sei, ein Infektionsgeschehen wie in Großbritannien hierzulande zu verhindern. Dort breitet sich die Delta-Variante des Coronavirus relativ schnell aus. Eine Risikoanalyse des britischen Gesundheitsministeriums kam zum Ergebnis, dass die schnelle Ausbreitung vor allem mit zwei Aspekten zu tun hat. Einerseits gibt es wohl eine größere Übertragbarkeit – sprich: Mit der Delta-Variante Infizierte stecken mehr Menschen an, als Infizierte mit anderen Varianten. Andererseits ergaben Laborversuche, dass sich Coronaviren der Delta-Variante deutlich schneller im Körper vermehren, als es andere tun.

Nachimpfungen strebt die Bundesregierung nun an, da nun erste Studien zur Impfwirksamkeit verschiedener Vakzine bezüglich der Delta-Variante vorhanden sind. Demnach bietet vor allem die Erstimpfung weniger Schutz als bei anderen Mutationen. Eine Studie aus Großbritannien zeigt, dass der Schutz nur noch bei knapp 34 % statt bei 51 % liegt. Nach der Zweitimpfung sei der Schutzunterschied deutlich geringer, heißt es.

Das Coronavirus kursiert weiterhin weltweit. In Großbritannien breitet sich derzeit vor allem die Delta-Variante von Sars-CoV-2 aus. (Archivfoto)

Beispielsweise zeigt der Corona-Impfstoff* von Biontech/Pfizer* nach der zweiten Impfung eine Wirksamkeit von 88 % gegenüber der Delta-Variante. Bei anderen Varianten liegt der Wert bei 93 %. Beim Astrazeneca*-Impfstoff sinkt der Wert bei der Zweitimpfung von 66 % auf 60 %. Bezüglich Nachimpfungen sollen deshalb vor allem die Risikogruppen bevorzugt werden – wie von Merkel angekündigt: „die ältere Generation“. (tu mit AFP/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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