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Linker Politiker Boric wird Chiles jüngster Präsident der Geschichte

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Von: Lukas Zigo

Chiles Präsident sowie der unterlegene konservative Kandidat gratulieren dem Linken Boric zum Wahlsieg und plädieren auf Respekt für Boric.

Santiago de Chile – Die diesjährigen Präsidentschaftswahlen in Chile galten als die wichtigsten seit der Wiedereinführung der Demokratie 1990. Sie wurde als Richtungsentscheid für die chilenische Politik als ganzes empfunden. Die Wahlen fanden in einem sozial aufgeheizten Klima und zwei Jahre nach den Massenprotesten für mehr soziale Gerechtigkeit statt. Der 35-jährige Boric gewann die Stichwahl laut Angaben der Wahlbehörde mit fast 56 Prozent der Stimmen.

Die chilenische Bevölkerung hatte die Wahl zwischen einem entschieden rechten und einem deutlich linken Kandidaten. „Ich bin begeistert, ich weine vor Freude. Wir haben dem Faschismus einen Schlag versetzt“, sagte die 45-jährige Apotheken-Mitarbeiterin Jennie Enríquez einem AFP-Reporter. „Viele Veränderungen“ erwarte nun der 58-jährige Bauarbeiter Luis Astorga, diese werden unter anderem „der Arbeiterklasse helfen“.

Gabriel Boric: Sohn kroatischer und katalanischer Einwanderer wird jüngst möglicher Präsident

Mit 35 Jahren hat Gabriel Boric, Sohn kroatischer und katalanischer Einwanderer, gerade erst das gesetzliche Mindestalter für eine Kandidatur zum Staatschef erreicht. Er gehörte zu den Anführern der Studentenproteste gegen die horrenden Studiengebühren in Chile im Jahr 2019. Als Präsident hat er es sich zum Ziel gemacht, die soziale Ungleichheit im Land zu bekämpfen.

Stichwahl in Chile – Linker Kandidat Boric nach Wahlsieg
Der gewählte chilenische Präsident Gabriel Boric von der Koalition „Ich stimme für die Würde“ gestikuliert vor seinen Anhängern nach seinem Sieg in der Präsidentschaftsstichwahl in Santiago. © Luis Hidalgo/dpa

Boric will das Land wirtschaftspolitisch vom Erbe des früheren Militärdiktators Augusto Pinochets lösen, welches er für die soziale Ungleichheit verantwortlich macht. Eine Reform des privaten Rentensystems und eine stärkere Rolle des Staates im Gesundheits- und Bildungswesen gehören zu den konkreten Plänen Gabrics.

Großer Vorsprung: Konservativer Gegenkandidat Kast räumt Niederlage früh ein

José Antonio Kast, konservativer Gegenkandidat Borics, hatte aufgrund des großen Vorsprungs von mehr als 10 Prozentpunkten schon während der Auszählung seine Niederlage eingeräumt. „Ich habe gerade mit Gabriel Boric gesprochen und ihm zu seinem großen Triumph gratuliert“, schrieb er auf Twitter. „Von heute an ist er der designierte Präsident Chiles und er verdient unseren ganzen Respekt.“

Während des Wahlkampfes hatte sich der 55-jährige Kast ähnlich wie Ex-US-Präsident Donald Trump und Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro als Vorkämpfer für „Ordnung und Sicherheit“ präsentiert. Der Sohn deutscher Einwanderer lehnt die Homo-Ehe und Abtreibungen ab und gilt als Bewunderer des neoliberalen Wirtschaftsmodells des früheren Militärdiktators Pinochet.

Präsidentschaftswahl in Chile: Boric schafft es junge Menschen zu mobilisieren

„Offenbar hat Boric es geschafft, die Wählerschaft zu mobilisieren, die schwerer zu mobilisieren ist, nämlich die jungen Menschen“, sagte die chilenische Politikexpertin Claudia Heiss der Nachrichtenagentur AFP. Kast habe diese Wähler mit seiner Haltung gegen Frauenrechte und gegen Homosexuelle wohl nicht angesprochen.

Laut Angaben der chilenischen Wahlbehörde Servel lag die Wahlbeteiligung bei über 55 Prozent – ein Höchstwert seit 2012. (lz mit epd/AFP) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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