Abschied nach zwölf Jahren: Iain Macnab, Bürgermeister der kleinen Gemeinde Brunsmark. Durch den Brexit scheidet der Schotte automatisch aus seinem Amt aus.
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Abschied nach zwölf Jahren: Iain Macnab, Bürgermeister der kleinen Gemeinde Brunsmark. Durch den Brexit scheidet der Schotte automatisch aus seinem Amt aus.

Seit 12 Jahren in Brunsmark im Amt

Brexit zwingt ihn aus dem Amt: Ein  Schotte darf nicht mehr Bürgermeister in deutschem Ort sein

  • vonDaniel Göbel
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Zwölf Jahre ist er bereits ehrenamtlicher Bürgermeister in Brunsmark in Schleswig-Holstein - doch mit dem Brexit heute um Mitternacht muss der Schotte Iain Macnab sein Amt aufgeben.

  • Zwölf Jahre ist der Schotte Iain Macnab ehrenamtlicher Bürgermeister in Brunsmark in Schleswig-Holstein.
  • Mit dem Brexit allerdings, muss er sein Amt abgeben.
  • Nur EU-Bürger dürfen Ämter auf kommunaler Ebene innehaben.

Brunsmark – Seit zwölf Jahren ist Iain Macnab ehrenamtlicher Bürgermeister der 160-Einwohner-Gemeinde Brunsmark in Schleswig-Holstein, 50 Kilometer östlich von Hamburg. 

Doch mit dem Brexit muss der 70-jährige Schotte jetzt sein Amt aufgeben – ebenso seine Arbeit im Gemeinderat. Denn die Übernahme politischer Ämter auf kommunaler Ebene ist ausschließlich Bürgern der Europäischen Union gestattet.

Brexit: Schotte muss Amt als ehrenamtlicher Bürgermeister aufgeben - Traurig ist er nicht

Traurig darüber ist Macnab nicht, wie er im Gespräch mit der HNA* betont. Er blicke stolz und zufrieden auf die vergangenen zwölf Jahre zurück. „Ich bin jetzt 70. Wir haben viel bewegt in den vergangenen zwölf Jahren. Nun sollen Jüngere das Zepter übernehmen.“

An Ruhestand denkt der Vater dreier Kinder, der mit einer deutschen Frau verheiratet ist, dennoch nicht. Er will sich künftig voll und ganz seiner IT-Firma widmen.

Brexit mit Auswirkungen in das Dorf Brunsmark - Ehrenamtlicher Bürgermeister lebt dort seit 1992

Macnab kam Mitte der 70er-Jahre nach Deutschland. Der studierte Betriebswirt, ausgebildete Journalist und Hobby-Musiker sah in dieser Zeit keine berufliche Zukunft für sich in Großbritannien. Musikerfreunde aus Hamburg hätten ihn schließlich überzeugt, nach Deutschland zu ziehen, wo er sich zunächst als Tontechniker finanziell über Wasser hielt.

Später führte Macnab ein Übersetzungsbüro, ehe er als Juniorpartner in ein IT-Start-up-Unternehmen einstieg. Seit 1992 lebt der Schotte in Brunsmark, wo er sich auch im Gemeinderat engagierte - und später ehrenamtlicher Bürgermeister wurde. Doch mit dem Brexit ist das jetzt vorbei.

Schotte Iain Mcnab hat als Bürgermeister in Brunsmark viel erreicht

„Der Gemeinderat war damals in zwei große Lager gespalten. Deshalb hat man mich als unparteiisch wahrgenommen, was mir 2008 wohl auch dazu verholfen hat, zum Bürgermeister gewählt zu werden“, erinnert sich Macnab. Stolz sei er darauf, dass während seiner Amtszeit alle Häuser in der Gemeinde ans Glasfasernetz angeschlossen worden seien. 

Die Straßenlaternen habe man komplett auf LED-Technik umgerüstet und auch die Feuerwehr sei mit einem neuen, modernen Gerätehaus, das mit einem Dorfgemeinschaftssaal kombiniert ist, bestens ausgestattet.

Iain Mcnab hält nicht viel von der EU - und vom Brexit erst recht nicht

Dafür gab es finanzielle Unterstützung von der EU, von der Macnab trotzdem nicht viel hält. „Ich bin und war immer gegen den Brexit. Ich teile aber die britische Meinung, dass die EU als Institution zu viel Macht besitzt. Sie greift in zu viele Lebensbereiche hinein und sollte stattdessen eher eine beratende Funktion besitzen“, kritisiert der 70-Jährige.

Brexit: Mit deutscher Staatsangehörigkeit hätte Iain Mcnab im Amt bleiben können

Die deutsche Staatsbürgerschaft will Macnab nicht beantragen, auch wenn er dann Bürgermeister hätte bleiben können. „Ich bin seit 70 Jahren Schotte. Das würde mir schon sehr schwerfallen“, erklärt er.

Und noch einen weiteren Grund führt Macnab an. „Als Selbstständiger zahle ich in Deutschland horrende Krankenkassenbeiträge, die mir nicht erlauben, in Rente zu gehen. Darum spielen wir mit dem Gedanken, nach Schottland zu ziehen und dort von dem Geld eine Wohnung zu kaufen. In Schottland wäre ich als Rentner von den Krankenkassenbeiträgen komplett befreit.“

Video: Was kommt nach dem Brexit? Fragen und Antworten

Am Freitag (31.01.2020) um Mitternacht tritt Großbritannien aus der EU aus - dann wird der Brexit wirksam: Doch was bedeutet das eigentlich - wir erklären die wichtigsten Fakten zum Austritt von A bis Z. Wenige Tage vor dem Ausscheiden aus der EU kümmern sich viele Länder um künftige Handelsbeziehungen zu Großbritannien.

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