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Taliban stellen irre Forderung - Ladenbesitzer sollen nun Schaufensterpuppen köpfen

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Schaufensterpuppen stehen in der Auslage eines Modegeschäftes in der westafghanischen Provinzhauptstadt Herat. In Afghanistan haben die regierenden islamistischen Taliban erneut strenge Vorschriften verhängt - und nun Modegeschäfte im Westen des Landes aufgefordert, Schaufensterpuppen zu köpfen.
Schaufensterpuppen stehen in der Auslage eines Modegeschäftes in der westafghanischen Provinzhauptstadt Herat. © Sayed Aqa Saeedi/dpa

Seit ihrer Machtübernahme in Afghanistan erlassen die Taliban immer strengere Vorschriften. Im Fokus aktuell: Schaufensterpuppen

Herat – Afghanistan unter den Taliban: Immer strengere Vorschriften für das öffentliche Leben erlassen die Radikal-Islamisten seit der Machtübernahme im August. Eine bizarre Forderung stellen sie nun an Modegeschäfte im Westen des Landes. Die Betreiber sollen ihre Schaufensterpuppen köpfen. Diese seien Götzenbilder und somit unislamisch, sagte Asisul Rahman, ein Provinzvertreter des neu geschaffenen Ministeriums zur Erhaltung der Tugend, der dpa am Dienstag. „Sie müssen beseitigt werden“, erklärte Rahman. Zunächst solle es jedoch genügen, dass die Schaufensterpuppen enthauptet werden.

Der Chef der zuständigen Handelskammer in der Provinz Herat, Abdul Wadud Faissada, beklagte die neue Anweisung. Die Ladenbesitzer hätten viel Geld für die Schaufensterpuppen ausgegeben. Die Wirtschaft in Afghanistan* befindet sich im freien Fall, Millionen Landesbewohner leiden Hunger. Die Modelle seien außerdem keine Götzenbilder, sondern würden zum Präsentieren von Kleidung aufgestellt. „Das gibt es in allen islamischen Ländern in den Geschäften“, so Faissada. In den sozialen Medien kursierten unterdessen Videos, die zeigten, wie Köpfe von Schaufensterpuppen abgesägt wurden.

Afghanistan: Taliban lassen Schaufensterpuppen köpfen – „müssen beseitigt werden“

Bereits in den vergangenen Wochen hatten die Taliban* immer strengere Vorschriften erlassen. Zuletzt wurden Autofahrer angewiesen, im Fahrzeug keine Musik abzuspielen. Zudem sollen Frauen ohne männliche Begleitperson nicht weiter als 45 Meilen (etwa 72 Kilometer) reisen dürfen. Immer noch sind die meisten weiterführenden Schulen für Mädchen geschlossen. Frauen können in vielen Fällen nicht mehr zurück an ihre Arbeitsplätze. Viele flohen seit der Machtübernahme der Islamisten im August 2021 aus dem Land.

Die Taliban gehen auch hart gegen den verbotenen Verkauf von Alkohol vor. Erst kürzlich hatten Mitarbeiter des afghanischen Geheimdienstes rund 3000 Liter Alkohol in einem Kanal in Kabul entsorgt. Die Fässer mit dem geschmuggelten Alkohol seien im Zuge einer Razzia in der Hauptstadt beschlagnahmt worden, teilte der Geheimdienst auf Twitter mit. Drei Männer wurden in diesem Zusammenhang festgenommen.

„Muslime müssen sich wirklich von der Herstellung und Lieferung von Alkohol fernhalten“, sagte ein Religionsgelehrter in einem von der Behörde veröffentlichten Video. Verkauf und Konsum von Alkohol waren auch unter der Vorgängerregierung der Taliban verboten. Die Islamisten gehen jedoch deutlich strikter dagegen vor. (aka/dpa/AFP) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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