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Afghanistan: Berichte über mehrere Tote und Verletzte am Flughafen Kabul - Menschen „in Panik“

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Von: Andreas Schmid

Am Flughafen in Kabul herrschen weiter chaotische Zustände. Die US-Botschaft warnt. Die Bundeswehr fliegt weitere Menschen aus. Alle Infos im News-Ticker.

Update vom 21. August, 22.23 Uhr: Im Gedränge am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul hat es einem Medienbericht zufolge mehrere Tote gegeben. Aufnahmen des britischen Fernsehsenders Sky News zeigten am Samstag, wie Soldaten mindestens drei Leichen mit weißer Plane abdeckten. Woran die Menschen starben, war zunächst unklar. Auch mehrere Verletzte waren zu sehen.

Der Sky-News-Reporter Stuart Ramsay, der selbst am Flughafen war, berichtete, im Gedränge seien mehrere Menschen „gequetscht“ worden. Rettungskräfte eilten von einem Verletzten zum anderen. Ramsay sagte, die am Flughafen wartenden Menschen seien „dehydriert und in Panik“. Er filmte auch Soldaten, die Wartende zur Abkühlung mit einem Wasserschlauch nass spritzten.

Afghanistan: EU wegen Lage am Flughafen in Sorge - Rettung aller Ortskräfte im August „unmöglich“

Update vom 21. August, 20.50 Uhr: Die Lage am Flughafen Kabul ist weiterhin höchst angespannt. Die Zukunft der Menschen vor Ort ist unklar. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen forderte am Samstag alle Mitgliedsländer der EU zur Aufnahme schutzbedürftiger Afghanen auf. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell sagte allerdings, es sei „mathematisch unmöglich“, bis Ende August alle Ortskräfte der USA und anderer Nato-Staaten aus Afghanistan auszufliegen. Borrell machte die strengen Sicherheitsvorkehrungen des US-Militärs am Kabuler Flughafen mitverantwortlich für die Probleme.

Afghanistan: Bundeswehr fliegt über 200 Menschen aus

Update vom 21. August, 20.18 Uhr: Die Bundeswehr hat am Samstag mehr als 200 Menschen aus Kabul ausgeflogen. Ein erstes Transportflugzeug vom Typ A440M konnte zwar nur acht Menschen in die usbekische Hauptstadt Taschkent bringen, wie das Bundesverteidigungsministerium* am Abend auf Twitter mitteilte. Ein zweiter Flieger brachte dann aber 205 Menschen aus Kabul in Sicherheit.

In der Nacht zum Samstag waren nach Angaben des Ministeriums bereits 172 und in einem zweiten Flug sieben Menschen evakuiert worden. Die Bundeswehr hat somit seit dem Beginn ihrer Evakuierungsflüge mehr als 2000 Menschen aus der afghanischen Hauptstadt ausgeflogen.

Am Samstagmittag hatte das Einsatzführungskommando der Bundeswehr getwittert, die Lage am Kabuler Flughafen sei „momentan sehr schwierig“. Ähnlich äußerte sich auch die US-Botschaft (siehe vorheriges Update).

Afghanistan: US-Botschaft warnt Bürger vor Fahrt zum Flughafen - die Situation sei „gefährlich“ 

Update vom 21. August, 18.26 Uhr: Inmitten der dramatischen Evakuierungsaktion aus Afghanistan hat die US-Botschaft am Samstag davor gewarnt, zum Flughafen von Kabul zu kommen. „Aufgrund potenzieller Sicherheitsbedrohungen vor den Toren des Flughafens Kabul raten wir US-Bürgern, derzeit nicht zum Flughafen zu reisen und die Tore des Flughafens zu meiden“, hieß es auf der Website der Botschaft in Kabul.

Zur genauen Art der Bedrohung machte die Botschaft in der Mitteilung keine Angaben. Das Auswärtige Amt teilte am Samstag auf Twitter mit, dass die Situation am Flughafen „gefährlich“ und „volatil“ sei. Die Tore zum Flughafen würden „kurzfristig“ geöffnet und geschlossen.

Afghanistan: Merkel und Erdogan beraten über Lage

Update vom 21. August, 17.35 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Samstag mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan* telefoniert und über die Lage in Afghanistan gesprochen. Wie die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer mitteilte, waren sich die Bundeskanzlerin und Präsident Erdogan einig, „dass die Evakuierung schutzbedürftiger Menschen aus Afghanistan weiterhin höchste Priorität hat“. Die beiden vereinbarten demnach auch eine enge Zusammenarbeit bei der Unterstützung der Arbeit internationaler Organisationen, insbesondere des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR), in Afghanistan und seinen Nachbarstaaten.

Die Türkei war in den vergangenen Monaten immer wieder zu Gesprächen mit Taliban-Anführern zusammengekommen. Dabei ging es unter anderem um ein Angebot Ankaras, den Flughafen von Kabul nach dem Abzug der US-Truppen zu schützen. Nach der Machtübernahme der Islamisten verlegte die Türkei, wie zahlreiche weitere Staaten, ihr Botschaftspersonal zum Flughafen. Hunderte Türken wurden aus dem Land in Sicherheit gebracht. Erdogan hat in den vergangenen Tagen auch immer wieder vor massenhafter Migration aus Afghanistan in Richtung Türkei und weiter in die EU gewarnt.

Update vom 21. August, 12 Uhr: In der Nacht auf Samstag hat die Bundeswehr weitere sieben Schutzbedürftige aus der afghanischen Hauptstadt Kabul evakuiert. „Um 02.00 Uhr MESZ ist in Kabul ein A400M der Bundeswehr im Einsatz mit 7 schutzbedürftigen Personen an Bord nach Taschkent in Usbekistan gestartet“, schreibt die Bundeswehr dazu auf Twitter. Insgesamt flog die Bundeswehr bisher rund 1800 Menschen aus. Mehrere Militärtransporter der Bundeswehr pendeln zwischen Kabul und Taschkent, der Hauptstadt Usbekistans, berichtet die dpa. Von dort aus sollen die Geretteten nach Deutschland gebracht werden.

Menschenmenge am Flughafen hat sich von Freitag auf Samstagmorgen verdoppelt

Die Menschenmenge am Flughafen von Kabul hat sich bis zum Samstagmorgen im Vergleich zum Freitag verdoppelt. Das berichtete ein Augenzeuge gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Die Wartenden hoffen, einen Platz im Flugzeug zu bekommen, um aus dem Land zu fliehen. Doch die Lage ist unübersichtlich: Den Berichten zufolge fallen fast durchgehend Schüsse. Es kommt teilweise zu bewaffneten Auseinandersetzungen und anderen gefährlichen Situationen. Unter den Schutzsuchenden befinden sich einem weiteren Augenzeugen zufolge Menschen aus allen Schichten: Schauspieler, bekannte Fernsehpersönlichkeiten, Jugendliche, Frauen mit neugeborenen Babies oder Menschen im Rollstuhl.

Am nördlichen Eingang des Flughafens habe eine Lautsprecherdurchsagen verkündet, dass das Gate nun zwei Tage geschlossen sei. Ähnliches hatte auch ein Schreiben der deutschen Botschaft bestätigt: „Das NORTH GATE des Hamid Karzai International Airport, militärischer Teil wird definitiv heute Nacht geschlossen sein,“ hieß es darin. Das Schreiben der deutschen Botschaft in Kabul weist zudem daraufhin, dass es wegen der unklaren Situation nicht möglich sei, vorab zu informieren, wann die Tore geöffnet sein würden. Das US-Militär entscheide über Öffnung und Schließung, je nach Lage. Auf dem Weg zum Flughafen sind die Menschen auf sich allein gestellt: Die Anreise zum Flughafen erfolge auf eigene Verantwortung. Ein Transport vom individuellen Aufenthaltsort im Stadtgebiet zum Flughafen könne durch die deutsche Botschaft nicht geleistet werden, so das Schreiben weiter.

Gefährliche Mission für die Bundeswehr in Afghanistan

Erstmeldung vom 21. August: Kabul - Die Bundeswehr steht in Afghanistan vor einer weiteren gefährlichen Mission. In der Hauptstadt Kabul sollen von diesem Samstag an zwei Hubschrauber einsatzbereit sein, die in der Lage sind, gefährdete Menschen in Sicherheit zu bringen, die es nicht aus eigener Kraft zum Flughafen schaffen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums können die Maschinen dazu eingesetzt werden, einzelne Bundesbürger oder auch Ortskräfte aus Gefahrenlagen zu retten. Am Samstagmorgen (Ortszeit) waren die zwei Hubschrauber der Bundeswehr in Kabul angekommen, wie aus einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur hervorgeht.

Bei den Hubschraubern handelt es sich um Maschinen des Typs H-145M mit insgesamt 13 Soldaten. Sie sind Spezialkräften zugeordnet und wurden von den USA angefordert. Die US-Truppen flögen hauptsächlich mit großvolumigen Hubschraubern und benötigten im städtischen Umfeld eine kleinere Maschine, sagte Generalinspekteur Eberhard Zorn am Freitag in Berlin. „Die haben wir.“

Afghanistan: Hubschrauber-Einsatz der Bundeswehr

Im Einsatz sollen die Bundeswehrmaschinen immer von Hubschraubern der USA begleitet werden. Im Hintergrund gebe es zudem von US-Seite eine „luftbewegliche Eingreifreserve“. „Das ist eine wirkliche Luftoperation. Das ist kein ‚Taxi-Service‘“, sagte Zorn. Zuerst hatte der Spiegel über den geplanten Einsatz berichtet. Die Helikopter des Kommandos Spezialkräfte (KSK) seien eigentlich auf die Befreiung von Geiseln ausgerichtet und sehr beweglich. Sie könnten selbst in eng bebauten Städten landen. Bisher ist die Bundeswehr nur innerhalb des Flughafens Kabul im Einsatz, der von US-Truppen abgesichert wird.

Chaotische Zustände am Flughafen in Kabul: Deutscher Zivilist erleidet Schussverletzung

Rund um den Flughafen herrschen seit der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban chaotische Zustände. Tausende Afghanen und ausländische Staatsbürger hoffen auf eine Gelegenheit, sich mit westlichen Flügen in Sicherheit zu bringen. Die Lage ist extrem gefährlich. Auch einheimische Helfer deutscher Organisationen berichten von verstopften und teils unpassierbaren Straßen, an denen die Taliban Checkpoints errichtet haben.

Video: Taliban suchen laut UN-Bericht nach Ex-NATO-Mitarbeitern

Auf dem Weg zum Flughafen erlitt ein deutscher Zivilist eine Schussverletzung. Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer sagte am Freitag in Berlin: „Er wird medizinisch versorgt, es besteht aber keine Lebensgefahr.“ In der Nähe des Flughafens wurde ein weiterer Deutscher leicht verletzt, wie die Deutsche Presse-Agentur am Abend aus dem Auswärtigen Amt erfuhr. Ob es sich um eine Schussverletzung handelt, blieb zunächst unklar.

Einer der beiden Verletzten wurde bereits ins usbekische Taschkent ausgeflogen. Der andere ist transportfähig, hielt sich am Freitagabend aber weiterhin in Kabul auf. Der Eingang zum Flughafen war am Freitag zeitweise geschlossen. Das führte dazu, dass die Bundeswehr am Nachmittag auf einem Flug nur 78 Menschen mitnehmen konnte, obwohl in die A400M mehr als doppelt so viele Passagiere passen.

Evakuierung aus Afghanistan: Weitere gefährdete Menschen in Sicherheit gebracht

Insgesamt brachte die Bundeswehr laut Verteidigungsministerium* bis zum frühen Freitagabend mehr als 1700 gefährdete Menschen in Sicherheit. Am späten Abend brachte eine weitere Bundeswehr-Maschine noch 172 schutzbedürftige Personen nach Taschkent. Der Zeitdruck wächst, weil die USA eigentlich bis zum 31. August den Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan abgeschlossen haben wollen. Vom Schutz durch die derzeit 5200 US-Soldaten hängen aber die Evakuierungen anderer Streitkräfte wie beispielsweise der Bundeswehr ab.

Taliban: Gespräche über Regierungsbildung in Kabul

Unterdessen ist rund eine Woche nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan der Taliban-Mitbegründer Mullah Abdul Ghani Baradar zu Gesprächen über eine Regierungsbildung in Kabul eingetroffen. Baradar werde „mit Dschihadistenführern und Politikern zusammentreffen, um eine inklusive Regierung zu bilden“, sagte ein hochrangiger Taliban-Beamter am Samstag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Das Führungsmitglied der Taliban war am Dienstag nach Afghanistan zurückgekehrt. Baradar wird als möglicher neuer Regierungschef gehandelt, die Taliban selbst haben jedoch noch keine genaueren Angaben zur geplanten Regierung gemacht. Der Taliban-Mitbegründer war im Jahr 2010 in Pakistan inhaftiert worden, bis er 2018 auf Druck der USA freigelassen und nach Katar überführt wurde. (dpa/cibo) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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