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Weindiebstahl in Gourmet-Hotel: Inhaber rechnet mit Polizei ab

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Von: Christoph Sahler

Im Januar 2021 stehlen Diebe in Eltville Weinflaschen im Wert von rund 235.000 Euro. Gefasst sind sie bis heute nicht. Beschuldigt wurde lange der Besitzer – augenscheinlich zu Unrecht.

Eltville - 20 Monate sind vergangen, seit Diebe Weinflaschen im Wert von rund 235.000 Euro aus dem Hotel Kronenschlösschen in Eltville (Rheingau-Taunus-Kreis) geklaut haben. Das Gourmethotel mit Luxusweinkeller gehört Hans B. Ullrich und seiner Tochter, die zusammen mit ihrem Chefsommelier rasch ins Visier der polizeilichen Ermittlungen gerieten. Die Anschuldigungen wegen angeblichen Versicherungsbetrugs wurden jedoch nie in handfeste Beweise umgemünzt.

Das Verfahren wurde nun eingestellt - doch darauf lässt es Hotelchef Ulrich nicht bewenden. Er findet in einem Pressestatement deutliche Worte in Richtung Polizei, fühlt sich verleumdet und kündigt eine Zivilklage gegen seine Versicherung an, da die bis heute nichts gezahlt habe.

Das „spekulative Kartenhaus“ habe sich in Luft aufgelöst, schreibt Hans B. Ullrich und meint damit die Ermittlungsarbeit der Polizei. „Sämtliche Unterstellungen, Vermutungen und Anschuldigungen, die von der Kriminalpolizei gegen die Beschuldigten vorgebracht wurden, haben sich als falsch erwiesen.“ Die Fährte zu den Geschädigten sei von der Versicherung gelegt worden, die nach dem Einbruchdiebstahl keine Zahlung habe leisten wollen.

Diebstahl im Kronenschlösschen in Eltville: Inhaber kritisiert Ermittlungsarbeit der Polizei scharf

Vom zuständigen Schadenssachbearbeiter sei behauptet worden, die Diebe müssten für die Tat in Eltville „Insiderwissen“ gehabt haben. Im Verfahren konnten die Beschuldigten diese These widerlegen. Des Weiteren beschuldigt Hotelchef Ullrich, der selbst eine Zulassung als Rechtsanwalt besitzt, den ehemaligen Partner seiner Ex-Schwiegermutter, der ebenfalls Jurist ist. Der Anwalt habe aus persönlichen Motiven einen Racheakt an Ullrich verübt und der Polizei gegenüber falsche Behauptungen aufgestellt.

Weinflaschen im Wert von 235.000 Euro wurden im Januar 2021 aus dem Krönenschlösschen in Eltville geklaut.
Weinflaschen im Wert von 235.000 Euro wurden im Januar 2021 aus dem Krönenschlösschen in Eltville geklaut. © Clara Margais/dpa

Bei den weiteren Ermittlungsarbeiten hätten die Beamten nun jede Flasche in Ullrichs Weinkeller genau unter die Lupe genommen – seinen Angaben nach mehrere tausend Stück – und seien fälschlicherweise zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich bei mehreren Flaschen um die Diebstahlware handele. Allerdings waren nur die Etiketten gleich, da es sich um Weine derselben Marke handelte. Aus der Ermittlungsakte ergebe sich laut Ullrich, dass die Kripo bereits im Juni 2021 festhielt, dass die Beschuldigten nichts mit dem Einbruch zu tun gehabt hätten. Allerdings wurde Ullrich danach noch vorgeworfen, der Versicherung 30 Flaschen zu viel als gestohlen gemeldet zu haben. Auch dies konnte der Beschuldigte widerlegen.

Eltville am Rhein: Staatsanwaltschaft sieht weiter „Ungereimtheiten“

Die Staatsanwaltschaft bestätigte dem Wiesbadener Kurier, dass das Verfahren gegen Ullrich, seine Tochter und den Chefsommelier eingestellt wurde. Es seien jedoch „eine Reihe von Ungereimtheiten geblieben.“ Um welche mutmaßlichen „Ungereimtheiten“ es sich handelt, führte die Staatsanwaltschaft jedoch nicht aus. Ullrich hat nun Zivilklage gegen die Versicherung erhoben, da diese „bis heute keinen Cent gezahlt“ habe und ihrer Pflicht zur Schadensregulierung nicht nachkomme. Außerdem werde er die Versicherung und eine weitere Person wegen Schädigung seiner Persönlichkeitsrechte und Verleumdung auf Schadensersatz verklagen.

Die wahren Täter sind bis heute nicht gefasst. Lange stand der Verdacht im Raum, die sogenannte „Weinmafia“ stecke hinter der Tat. Ausgeräumt ist diese Vermutung auch weiterhin nicht. Der Fall bleibt vorerst ungelöst. (csa)

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