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Verband hält Imkerschein für „Unsinn“: Aus- und Fortbildung

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Bienenstock
Bienen verlassen bei Sonnenschein einen Bienenstock auf dem Dach eines Gebäudes. © Sven Hoppe/dpa

Ein Bienenvolk kaufen und etwas für die Umwelt und die Artenvielfalt tun? Das kann bei ungeübten Laien für die Insekten auch schnell mal schief gehen. Forderungen nach einem Bienenhaltungsschein lehnen die hessischen Imker dennoch ab.

Wiesbaden/Kirchhain - Bienenvölker via Internet bestellen, Schutzausrüstung, Smoker, Insektenhotels: Alles für Hobbyimker und Bienenfreunde kann man im Baumarkt oder Discounter kaufen. Nach Diskussionen um biologische Vielfalt und Insektensterben liegt die Imkerei und Bienenhaltung seit Jahren im Trend. Unlängst forderten unter anderem die niedersächsische Landesregierung oder auch der Deutsche Berufs und Erwerbs Imker Bund (DBIB)für die Hobbyhalter einen Imkerschein oder Bienenhaltungsschein. Der Landesverband Hessischer Imker lehnt dies ab. „Das ist der größte Unsinn“, sagte der Vorsitzende Manfred Ritz der Deutschen Presse-Agentur. Das führe nur zu mehr Bürokratie. Und auch beim hessischen Umweltministerium setzt man auf die Aus- und Fortbildung.

„Jeder ist verpflichtet, Bienenvölker beim Veterinäramt anzumelden“, sagte Ritz. Im Grunde liege hier nur im privaten Bereich etwas im Argen. Die Leute würden denken, sie machen etwas für die Umwelt, dabei würden sie sie schädigen. Beim Kauf einer Ausrüstung oder der Internetbestellung eines Bienenvolkes frage doch niemand nach der Befähigung. Dabei gebe es rechtliche und Hygienebestimmungen. So ist in der Bienenseuchenverordnung klar geregelt: „Wer Bienen halten will, hat dies spätestens bei Beginn der Tätigkeit der zuständigen Behörde unter Angabe der Anzahl der Bienenvölker und ihres Standortes anzuzeigen.“

„Bevor man ein Volk kauft, sollte man sich erstmal informieren“, sagte Ritz. Es gibt eine große Linie der Honigbiene und auch andere Zuchtlinien, die unbedenklich sind. „Von allem anderen sollte man die Finger lassen.“ Da könnten Tiere auch zu einer aggressiven Art werden. Professionelle Imkerei sei ein Ausbildungsberuf und gehöre zur Landwirtschaft. Aber wie jeder Kartoffeln anbauen könne, könne sich auch jeder ein Bienenvolk kaufen. Ohne Kenntnisse sei dieses aber dann gefährdet.

„In Hessen setzen wir daher auf die Aus- und Fortbildung der Imkerinnen und Imker“, teilte das Umweltministerium mit. Das Beratungs- und Schulungsangebot sei breitgefächert und werde das ganze Jahr über angeboten. Jeder Interessierte habe die Möglichkeit, sich entsprechend seines aktuellen Wissensstandes theoretisch und praktisch weiterzubilden. Dieses Angebot werde stets sehr gut angenommen.

Wie sehr die Imkerei und Bienenhaltung mittlerweile im Trend liegen, zeigen auch die Zahlen des Ministeriums. Binnen zehn Jahren habe sich die Zahl der Imker von 7500 auf 12.000 im Land erhöht. Die Zahl der Bienenvölker sei kontinuierlich von 48.500 auf inzwischen mehr als 65.000 gestiegen.

Neben den bundesweit ohnehin geltenden Beschränkungen und Verboten der Anwendung bienengefährlicher Pflanzenschutzmittel gibt es in Hessen laut dem Umweltministerium ein Reihe weiterer insektenfreundlicher Initiativen. „Mit der Initiative „Hessen blüht“ fördert das Land Hessen seit mehreren Jahren die Zusammenarbeit von Landwirten, Gärtnern und Imkern sowie Aktivitäten kommunaler und öffentlicher Einrichtungen zur Anlage von Blühflächen für Insekten“, teilte das Ministerium mit. Darüber hinaus könnten Imkerinnen und Imker an durch das Land Hessen geförderten Schulungen teilnehmen, wie sie ihre Völker vor Bienenstockfeinden wie der Varroamilbe und vor Krankheiten am besten schützen.

Auch Ritz sieht in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte für das Wohl der Bienen. Landwirte hätten inzwischen kaum noch Möglichkeiten, gegen Insekten vorzugehen. Zudem gebe es große Blühflächen, die nicht nur Bienen, sondern auch Vögeln oder Wildtieren zugute kommen. Im vergangenen Jahr seien hier die Flächen um rund zehn Prozent auf etwa 6000 Hektar gestiegen. Das entspricht der Fläche von rund 8400 Fußballfeldern. dpa

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