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Psychologe hält Lockerungen für extrem riskant

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FFP2-Maske
Ein orangefarbener Mund-Nasen-Schutz liegt auf einem Gehweg. © Peter Kneffel/dpa/Symbolbild

Der weitgehende Wegfall von Masken- und Testpflicht ab diesem Samstag wird nach Einschätzung des Marburger Sozialpsychologen Ulrich Wagner zu Konflikten führen. Die Gesellschaft werde in zwei Gruppen auseinanderfallen: Einerseits werde es weiter vorsichtige Menschen geben, andere werden gar keine Masken mehr tragen, sagte Wagner der Deutschen Presse-Agentur.

Frankfurt/Wiesbaden - Letzteren signalisiere das Auslaufen der Regeln fälschlicherweise, dass die Situation nicht mehr so schlimm sei und man sich an nichts mehr halten müsse. „Ich halte das für ein extrem riskantes Vorgehen“, sagte Wagner.

Der Appell an die Eigenverantwortung sei unsinnig, da die Maske vor allem zum Fremdschutz getragen werde: „Es geht doch um eine Fremdverantwortung, die man übernehmen soll.“ Das werde so nicht funktionieren. „Wir sind alle völlig verunsichert, was wir jetzt mit Corona machen sollen und dies gilt offensichtlich auch für die medizinisch und politisch Verantwortlichen, und in einer solchen Situation braucht es einfach Regeln“, sagte der Psychologe.

Wirtschaftliche Probleme, die durch hohe Erkrankungszahlen entstünden, würden vergessen, ebenso wie Probleme in den Kitas und Schulen, weil Erzieher und Lehrer krank seien. Hinzu kämen die hochgefährdeten Menschen, die sich nicht impfen lassen könnten. „Dies sind alles Folgen eines sogenannten Freedom-Days, die überhaupt nicht diskutiert werden.“

Nach zwei Jahren Corona sei es nachvollziehbar, dass Menschen feiern wollten und nicht immer eine Maske tragen wollten. Doch je nach Verlauf der Pandemie habe dies Folgen. „Hinzu kommt, dass sich hier eine Minderheit im Parlament durchsetzt und die Mehrheit nicht in der Lage ist, ihre Position zu halten. Da nimmt auch das Vertrauen der Politik Schaden“, sagte der Psychologe.

Auch die Bereitschaft von Ungeimpften, sich eine Spritze geben zu lassen, werde sich weiter reduzieren. Für Impfverweigerer sei der Wegfall der Regeln ein Argument, dass sie Recht hätten mit ihrer Einschätzung, dass die Situation gar nicht so schlimm sei. dpa

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