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„Werk des Nichtskönnens“: Pro Bahn geht auf RMV und DB los – Mittelhessen von Frankfurt abgeschnitten

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Von: Erik Scharf

Pendler aus Mittelhessen müssen auf dem Weg zum Hauptbahnhof Frankfurt derzeit einiges ertragen. (Symbolfoto)
Pendler aus Mittelhessen müssen auf dem Weg zum Hauptbahnhof Frankfurt derzeit einiges ertragen. (Symbolfoto) © Sebastian Gollnow/dpa

Erst ab Friedberg dürfen Pendler wegen des S6-Neubaus den ICE nach Frankfurt nutzen. Pendler aus Mittelhessen schauen in die Röhre. Das sorgt für Wut.

Frankfurt – Bahnfahren nach und in Frankfurt ist derzeit oft keine angenehme Angelegenheit. Das liegt allerdings weniger am 9-Euro-Ticket, sondern vielmehr an Baustellen auf wichtigen Pendelstrecken, knapper Personaldecke und fehlenden Alternativen.

Derzeit ist die Strecke zwischen Gießen und Frankfurt besonders anfällig für überfüllte Züge, lange Fahrtzeiten oder ganz ausfallende Verbindungen. Zwischen Friedberg und Frankfurt werden in den kommenden Jahren zwei zusätzliche Bahngleise verlegt, um die S6 schneller zwischen Wetterau und Mainmetropole fahren zu lassen.

Bahnverkehr rund um Frankfurt: Teils deutliche Verspätung bei Zügen aus der Wetterau

Momentan ist die Strecke aber wegen der Bauarbeiten gesperrt, die Züge werden über Hanau umgeleitet und fahren über Frankfurt-Süd in Richtung Hauptbahnhof Frankfurt, statt wie gewohnt über den Westbahnhof. Das nimmt logischerweise auch mehr Zeit in Anspruch.

Für Pendler also eine insgesamt unbefriedigende Situation. Doch die Fahrtzeiten überschreiten in den Stoßzeiten die planmäßig 50 Minuten von Friedberg über Hanau nach Frankfurt teilweise deutlich – eine Stunde Verspätung ist keine Seltenheit.

Die Deutsche Bahn und der Rhein-Main-Verkehrsverbund haben auf das Chaos an den Bahnsteigen und in den Zügen erst am 22. Juni reagiert – seit 13. Juni gilt die Teilsperrung. Inhaber von Jahreskarten dürfen demnach ab dem 9. Juli auch mit IC und ICE fahren. – allerdings nur auf der direkten Verbindung zwischen Friedberg und Frankfurt, wie der RMV mitteilte. Das 9-Euro-Ticket gelte dafür nicht.

Kritik an RMV und DB: Pro Bahn bezeichnet Umleitung wegen S6-Neubau als „Werk des Nichtskönnens“

Der Fahrgastverband Pro Bahn bezeichnet das fehlende Angebot für Fahrgäste, die nördlich von Friedberg losfahren, als ein „beispielloses Desaster“ und als „Werk des Nichtskönnens“. Kern der Kritik: „Für das eigentliche Kerngebiet Gießen/Marburg/Wetzlar, in welchem über 70 Prozent der eine Million Einwohnerinnen und Einwohner Mittelhessens wohnen, gibt es keinerlei Nachbesserung“, schreibt Pro Bahn in einer Mitteilung. Laut dem Fahrgastverband hätten sich Bahnfahrer gemeldet, denen der Verlust des Arbeitsplatzes drohe und von RMV und der Deutschen Bahn „mit unsäglichsten Abwiegelungsbriefen“ abgekanzelt worden seien.

Für Pendler doppelt bitter: Eine mögliche Alternativroute von Friedberg über Friedrichsdorf im Taunus ist auch nicht besonders attraktiv. Denn die S5 fährt ab Friedrichsdorf nach Frankfurt wegen einer kaputten Brücke derzeit ebenfalls eingeschränkt.

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