1. Startseite
  2. Rhein-Main & Hessen

Kritik zum „Freedom Day“: Flickenteppich an Regelungen

Erstellt: Aktualisiert:

Maskenpflicht
„Ende Maskenpflicht“ steht auf einem Schild. © Stefan Sauer/dpa/Symbolbild

Mit oder ohne Maske? Eine einfache Antwort wird es ab diesem Wochenende etwa im Einzelhandel oder der Gastronomie nicht mehr geben. Ein Psychologe erwartet Konflikte. Virologen raten, sich weiter zu schützen.

Frankfurt/Wiesbaden - Ohne Maske in den Supermarkt, ohne Test in die Kneipe: Nach zwei Jahren Pandemie in Hessen fallen an diesem Samstag zentrale Corona-Regeln weg. Als Konsequenz wird es in Geschäften, Gaststätten oder beim Friseur ein Nebeneinander verschiedener Empfehlungen und Regeln geben. Die Gastwirte hätten sich für ein unterschiedliches Vorgehen entschieden, sagte der Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gastronomieverbands Dehoga Hessen, Julius Wagner.

Einige Wirte haben demnach vereinbart, dass ihre Mitarbeiter weiterhin Masken tragen, andere bitten zusätzlich ihre Gäste darum - wie bisher bis zum Erreichen ihres Sitzplatzes. Denn viele Gäste wüssten Schutzmaßnahmen auch zu schätzen. Angesichts hoher Zahlen gehe es zudem um den Schutz der Mitarbeiter vor Ansteckungen. Eine dritte Gruppe von Betrieben - er gehe hier von geschätzten 40 Prozent aus - stelle das Maskentragen Mitarbeitern und Gästen frei, so Wagner.

Auch im Einzelhandel ist ein Flickenteppich zu erwarten: Die Situation vor Ort dürfte unterschiedlich entschieden werden, erklärte der hessische Handelsverband. Möglich sei, dass Mitarbeiter weiter Masken tragen und dies Kunden ebenfalls empfohlen wird. Letztlich habe es jeder selbst in der Hand, sich zu schützen, eine Pflicht sei nicht mehr nötig.

Ähnliche Lage bei den Friseuren: Man könne von seinem Hausrecht Gebrauch machen und weiter etwa FFP2-Masken verlangen, sagte Landesinnungsmeister Kay-Uwe Liebau. Dies mache er in seinem Salon. Große Diskussionen erwarte er nicht mit Kunden, denn diese hätten sich daran gewöhnt.

Nach der neuen hessischen Corona-Verordnung gilt vom 2. April an eine Maskenpflicht nur noch in Arztpraxen und Krankenhäusern, in Alten- und Pflegeheimen sowie bei Pflege- und Rettungsdiensten. Auch in Bussen und Bahnen im ÖPNV sowie im Fernverkehr und in Sammelunterkünften wie etwa Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünften besteht weiter die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Auch die Testpflicht gilt nur noch in besonders sensiblen Lebensbereichen, darunter den Schulen.

Der Marburger Sozialpsychologe Ulrich Wagner erwartet Konflikte. Die Gesellschaft werde in zwei Gruppen auseinanderfallen: Einerseits werde es weiter vorsichtige Menschen geben, andere werden gar keine Masken mehr tragen, sagte Wagner der Deutschen Presse-Agentur. Letzteren signalisiere das Auslaufen der Regeln fälschlicherweise, dass die Situation nicht mehr so schlimm sei und man sich an nichts mehr halten müsse. „Ich halte das für ein extrem riskantes Vorgehen“, sagte Wagner.

Der Appell an die Eigenverantwortung sei unsinnig, da die Maske vor allem zum Fremdschutz getragen werde. Viele Folgen eines sogenannten Freedom Days seien auch nicht bedacht, etwa Probleme durch hohe Erkrankungszahlen in Kitas und Schulen sowie die Situation hochgefährdeter Menschen, die sich nicht impfen lassen könnten. Die Bereitschaft von Ungeimpften, sich eine Spritze geben zu lassen, werde sich weiter reduzieren.

Der Frankfurter Flughafen verweist darauf, dass die Maskenpflicht in den Terminals entfalle, rät aber dazu, weiterhin Masken zu tragen - besonders dort, wo Abstände kurzzeitig nicht eingehalten werden könnten. Eine Empfehlung gilt auch im Schauspiel Frankfurt. In den städtischen Museen der Mainmetropole muss dagegen weiter ein Mundschutz getragen werden, das gilt auch für die Gebäude der Amts- und Landgerichte in Hessen sowie des Oberlandesgerichts.

Von Virologen kommt Kritik. Angesichts steigender Infektionszahlen sei es „natürlich schlecht, wenn man dann noch zusätzlich Maßnahmen aufhebt und damit das Infektionsgeschehen noch ankurbelt“, sagte die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek am Dienstagabend in der letzten Folge des NDR-Coronavirus-Podcasts.

Wie Ciesek rät auch der Frankfurter Virologe Martin Stürmer in den kommenden Wochen weiter zum Tragen von Masken in Innenräumen - am besten FFP2-Masken. Ab Mai dürfte die Situation demnach entspannter sein. Momentan bestehe die Gefahr, dass der Wegfall vieler Corona-Maßnahmen dem Infektionsgeschehen noch einmal einen ordentlichen Schub geben werde, sagte Stürmer der Deutschen Presse-Agentur. Auch Tests seien weiter sinnvoll. dpa

Auch interessant