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Tagelang verschwunden: Journalistin aus Darmstadt im Irak festgenommen

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Von: Alexander Gottschalk

Wird im Irak festgehalten: Die Journalistin und Aktivistin Marlene Förster.
Wird im Irak festgehalten: Die Journalistin und Aktivistin Marlene Förster. © Civaka Azad

Am 20. April verschwindet im Irak die Journalistin Marlene Förster aus Hessen. Nun gibt es endlich ein Lebenszeichen.  

Darmstadt/Bagdad - Die freischaffende Journalistin und Aktivistin Marlene Förster aus Darmstadt (Hessen) sitzt offenbar seit mehr als einer Woche im Irak in Militärgefangenschaft. Das teilte das Kurdische Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit Civaka Azad am Freitag (29. April) mit. Auch mehrere Medien berichteten über den Fall, darunter der Hessische Rundfunk (hr), dem die Familie der 29-Jährigen die Festnahme bestätigte. Civaka Azad zufolge wird Förster Terrorunterstützung vorgeworfen.

Mit ihrem slowenischen Kollegen Matej K. soll die Darmstädterin zuletzt zur Lebensrealität von Jesid:innen im Nordirak recherchiert haben. Konkret sei es um die gesellschaftliche Entwicklung der Minderheit nach dem Genozid gegangen, den der sogenannte Islamische Staat 2014 an der Volksgruppe verübt hatte. Laut Civaka Azad legt die irakische Regierung Recherchen über die Jesid:innen oftmals als Terrorunterstützung aus.

Darmstadt/Bagdad: Einzelzelle für Journalistin nach Festnahme im Irak

Den Angaben nach wurde Förster am 20. April an einem Checkpoint der irakischen Armee im Sinjar-Gebiet, dem Siedlungsgebiet der Jesid:innen, festgenommen. Erst acht Tage später gab es wieder ein Lebenszeichen von ihr. Nach einem Hungerstreik habe eine Mitarbeiterin der Deutschen Botschaft die Journalistin besuchen dürfen, die laut Civaka Azad in einer Einzelzelle im Hauptquartier des Irakischen Geheimdienstes in Bagdad festgehalten wird.

Ihrer Tochter gehe es „den Umständen entsprechen gut“, sagte Mutter Lydia Förster dem hr. Sie werde immer wieder verhört, soll aber nicht körperlich misshandelt worden sein. Eine offizielle Anklage gegen die Berichterstatterin gibt es noch nicht. In Deutschland wendeten sich Unterstützer:innen aus dem privaten Umfeld der jungen Frau sowie politische Akteure unter anderem in einem offenen Brief an Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne), um auf den Fall aufmerksam zu machen.

Darmstadt/Bagdad: Politischer Druck im Fall Marlene Förster wächst

Am Freitag (29. April) gab es nach hr-Informationen eine Demo vor dem Auswärtigen Amt in Berlin. Baerbock solle sich – auch im Sinne der Pressefreiheit – für eine Freilassung von Marlene Förster einsetzen, so die Forderung. Die hessische Linke machte bereits vor Tagen Druck auf die Landesregierung. Reaktionen aus der Bundes- oder Landeshauptstadt blieben bislang aus. Über das Rote Kreuz wolle sie ihrer Tochter nun Kleidung und Medikamente bringen lassen, sagte Mutter Lydia Förster dem hr.

Marlene Förster soll vor ihrer Festnahme für ihre Arbeit mehrere Monate lang im Irak unterwegs sein. Immer wieder beschäftigte sie sich in den vergangenen Jahren mit dem Kampf der Jesid:innen, aber auch der Kurd:innen um ein Recht auf Selbstbestimmung. Im Grenzgebiet zwischen Irak, Syrien, Türkei und Iran spitzte sich die Lage jüngst zu, nachdem die Türkei dort Angriffe auf die kurdischen Gebiete geflogen hatte. Von Försters Kollegen Matej K. fehlt laut Civaka Azad noch immer jede Spur. (ag)

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