Rapper Haftbefehl als Namenspate für die Bismarckstraße in Offenbach?
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Rapper Haftbefehl als Namenspate für die Bismarckstraße in Offenbach?

Bismarckstraße soll weichen

Online-Petition: Bekommt Haftbefehl in Offenbach eine eigene Straße? Diskussion um Namensänderung

  • Marcel Richters
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In einer Petition fordert Felix Sauer die Neubenennung der Bismarckstraße nach Rapper Haftbefehl. Was steckt dahinter?

  • Eine Petition fordert die Umbenennung der Bismarckstraße in Offenbach.
  • Namenspaten sollen stattdessen der Rapper Haftbefehl oder der ehemalige OFC- und Fußball-Nationalspieler Erwin Kostedde sein.
  • Aus der Politik gibt es bereits erste Reaktionen.

Update vom Montag, 29.06.2020, 15.03 Uhr: Die Bismarckstraße in Offenbach soll nach dem Rapper Haftbefehl umbenannt werden. Das wird zumindest in einer Petition gefordert. Ihr Initiator ist Felix Sauer. Auch eine passende Facebook-Seite gibt es bereits.

„Bismarck war Monarchist, Anti-Demokrat und fand die Kolonien eigentlich gar nicht so schlecht und deshalb muss man diesen Mann heute nicht mehr ehren und positivere Bilder haben“, sagte Sauer in einem Bericht des hr-Magazins „maintower“, das auch auf der Facebook-Seite gepostet wurde.

Bekommt Haftbefehl eine Straße nach sich benannt? Das sagen Offenbacher dazu

Da der Rapper Haftbefehl weit über die Grenzen Offenbachs bekannt sei und er es schon mehrfach in den Feuilltons der großen Zeitungen geschafft habe, sei er sehr wichtig für die Stadt. Aber auch der erste schwarze deutsche Fußball-Nationalspieler Erwin Kostedde ist als Namenspate im Rennen. 

Auch Offenbacher Bürger kommen in dem Bericht zu Wort. „Das ist kindisch“, sagt eine Frau zu dem kuriosen Vorschlag. Auch ein Offenbacher findet die Umbenennung nicht richtig, da die Bismarckstraße für die Bürger der Stadt ein „vertrauter Flecken“ sei.

Haftbefehl: Bekommt der Rapper in Offenbach eigene Straße? Bismarckstraße soll weichen

Update vom Donnerstag, 25.06.2020, 12.39 Uhr: Der Initiator der Petition für eine Umbenennung der Bismarckstraße in Offenbach nach dem Rapper Haftbefehl hat seine Motivation erläutert. Für ihn sei die Black-Lives-Matter-Bewegung ein wichtiger Anstoß gewesen, erklärt Felix Sauer. Und weiter: „Als in Bristol ein Denkmal gestürzt wurde, fand ich das eine super Sache.“ In der britischen Stadt war Anfang Juni die Statue von Edward Colston gestürzt worden. Colston war als Sklavenhändler zu Reichtum gelangt.

Offenbach: Es geht nicht (nur) um Bismarck oder Haftbefehl

Wie aber genau kam Sauer auf Bismarck? „Bismarck ist der neue Posterboy der AfD“, so Sauer. Die Partei versuche, jemanden für sich zu vereinnahmen, der positiv besetzt sei. Dabei sei das positive Bild von Bismarck falsch. Außerdem solle es in Offenbach als Stadt voller Migranten ein positives Beispiel geben. „Haftbefehl wird sogar in den Feuilltons als Vorbild gelobt“, erklärte Sauer. 

Offenbach: Straße soll nach Haftbefehl benannt werden

Der Rapper sei einer, der es geschafft habe. Darum wollte er auch keine Umbenennung beispielsweise nach Opfern des NSU oder des Anschlags von Hanau. Die Haftbefehlstraße solle Migranten zeigen, dass sie auch erfolgreich sein können und nicht nur Opfer. Dabei gehe es ihm aber nicht wirklich um Haftbefehl oder Bismarck. 

Seine Petition sei auch ein Weg, Aufmerksamkeit für das Thema Rassismus in Offenbach zu erregen, erklärte Sauer. Denn von über 900 Straßen in der Stadt seien weit mehr nach Bäumen und Blumen benannt, als nach Migranten. Was Haftbefehl sagt, der so geehrt werden soll, ist noch unklar.

Offenbach: Umbenennung der Bismarckstraße nach Rapper Haftbefehl gefordert

Erstmeldung vom Mittwoch, 24.06.2020, 13.07 Uhr: Offenbach – Wer am Hauptbahnhof in Offenbach aussteigt und Richtung Innenstadt geht, soll bald an einen der berühmtesten Söhne der Stadt erinnert werden: den Rapper Haftbefehl. So fordert es eine Petition. Der Name des ehemaligen Reichskanzlers Otto von Bismarck soll dagegen aus dem Stadtbild verschwinden. 

Haftbefehl statt Bismarck in Offenbach 

Zur Begründung heißt es in der Petition: „Otto von Bismarck hat mit der von ihm in Berlin organisierten Kongokonferenz die Kolonisierung Afrikas organisiert und ist damit für das Leid und die Ermordung von Millionen von Menschen (mit)verantwortlich.“ Darum solle dem Politiker kein Straßenname in Offenbach mehr gewidmet werden. Neben dem Rapper Haftbefehl könnte laut Petitionstext auch der erste schwarze deutsche Fußball-Nationalspieler Erwin Kostedde Namenspate sein. Erwin Kostedde spielte zudem in den 1970er-Jahren bei Kickers Offenbach und ist bis heute Bundesliga-Rekordtorschütze des OFC.

Inspiriert zu seiner Initiative zur Umbenennung wurde Initiator Felix Sauer nach eigenen Angaben auch durch die „Black Lives Matter“-Proteste. Im Zuge der Proteste wurden in den USA vermehrt Statuen von Sklavenhaltern und Kolonialherren gestürzt.

Haftbefehl als Namenspate in Offenbach stößt auf geteiltes Echo

Auch wenn Straßen nicht nach lebenden Personen benannt werden dürfen – was auch Sauer nach eigenen Angaben bekannt ist - löste der Vorschlag eine politische Debatte aus. Gegenüber der Frankfurter Rundschau* sprach Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke davon, dass es eines „breiten Konsens“ in der Stadt für eine Umbenennung brauche. 

Außerdem brauche es eine „fachlich kompetent besetzte historische Kommission“, um die Arbeit von Bismarck zu beurteilen. Wie eine historische Beurteilung von Haftbefehl als einem der derzeit berühmtesten Offenbacher ausfiele, bleibt offen.

Auch Unterstützung für Umbenennung nach Haftbefehl in Offenbach

Der Stadtverordnete Sven Malsy von der Linken in Offenbach begrüßte in der FR die Idee von Sauer. Seiner Ansicht nach sollten am besten alle Straßennamen in der Stadt überprüft werden. So zählt Sauer in seiner Petition ebenfalls weitere Personen auf, die wie Hugo Eberhardt Sympathien für den Nationalsozialismus hegten oder wie Ferdinand von Schill als Freikorpsführer gegen Frankreich kämpften.

Für FDP und AfD ist eine Umbenennung keine Option. Der Offenbacher FDP-Fraktionsvorsitzende Dominik Schwagereit sieht in Straßennamen „Zeugnisse der Geschichte“. Die AfD fürchtet einen „Kulturkampf“ gegen die „Identität“ der Deutschen.

Wie auch immer die Entscheidung ausgeht, für den Rapper wäre es eine passende Werbung. Denn erst Anfang Juni hat Haftbefehl aus Offenbach ein neues Album rausgebracht

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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